Glanzlos aber erfolgreich - EHC München gegen Füssen ohne Probleme

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Ein Tabellenführer hat es nicht immer leicht. Zum einen muss er versuchen mittels konstanter Punktausbeute den Status des Klassenprimus beizubehalten, andererseits sollte er das eigene Publikum mit gelegentlich annehmbaren Darbietungen verzücken. An Letzterem hakt es derzeit beim EHC München etwas. Die Mannschaft steht einigermaßen souverän an der Spitze der Oberliga Süd/West, hatte aber jüngst einige Probleme, diese Position spielerisch zu rechtfertigen. Gegen den EV Füssen reichte erneut eine Durchschnittsleistung, immerhin gab es für den Münchner Anhang aber fünf Treffer und eine meist deutliche Überlegenheit der Hausherren über die gesamte Begegnung zu bestaunen. Vor gut 1000 Zuschauern trugen sich Thomas Vogl, Florian Vollmer, Pete Brearley, Daniel Schury sowie Ron Newhook in die Torschützenliste ein.

Wieder ließ EHC-Trainer Schorsch Kink mit Andi Attenberger, Daniel Schury und Basti Schwele eine komplette Reihe außen vor. Schury durfte zwar nach fünf Minuten ran, aber nur weil Beppi Eckmair in ungestümer Manier einen Check von hinten ansetzte und dafür regelkonform zu den üblichen 120 Sekunden Pause auch noch einen Zehner aufgebrummt bekam. Nach Ablauf der Strafe kam Eckmair freilich nicht mehr zurück, Schury durfte in der Reihe mit Newhook und Brearley bleiben. Eine disziplinarische Eigenart des Trainers, ebenso wie das Beharren auf nur drei aktive Sturmreihen. Dabei war es in der Vorsaison noch das große Plus des EHC, mit vier ausgeglichenen Blöcken die Gegner zu zermürben. Nachteilig ausgewirkt hat sich Kink´s Sturmreihen-Sparmaßnahme indes nicht. Nach gut sechs Minuten ging sein Team in Führung. Es war ein Powerplaytor, noch dazu ein schönes. Mike Burman legte quer auf Thomas Vogl, welcher das Spielgerät ohne Umschweife mit dem nötigen Tempo in das Füssener Gehäuse zimmerte. Auf die Sekunde genau zehn Minuten später erhöhte Florian Voller auf 2:0. Trainerfilius George Kink leistete dabei die Vorarbeit. Die Gäste versuchten sich nicht ausschließlich im eigenen Verteidigungsdrittel aufzuhalten, konnten aber kaum durchdachte Offensivaktionen vortragen. Von einem gestärkten Selbstbewusstsein ob des Erfolgs gegen den SC Riessersee war nichts zu spüren, Tormöglichkeiten auf Seiten der gelb-schwarzen Fehlanzeige. Auch die Münchner konnten keine weiteren Treffer verbuchen, obwohl sich durchaus noch einige vielversprechende Schussmöglichkeiten eröffneten.

Scheinbar erschien den EHC-Akteuren der zwei Tore Vorsprung als ausreichend, denn nach Wiederbeginn stellten sie ihre Angriffsbemühungen weitestgehend ein. Lustlos und pomadig wirkte der Auftritt in den Minuten 21-40, ohne dass der Spielstand allerdings in Gefahr geriet. Nur schön anzusehen war es eben nicht. Die hausbackenen Allgäuer mühten sich redlich, konnten aber nicht mal in personeller Überzahl das Arbeitsfeld von Kevin Kühnhackl in Gefahr bringen. Einzig Johannes Böck zielte bei seinem Blueliner nur Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Kurz vor der Sirene hatte dann Alex Leinsle noch eine formidable Einschussgelegenheit, Martin Ullsperger im EVF-Tor konnte sich dabei auszeichnen. Überhaupt war Ullsperger der stärkste Akteur in der Mannschaft von Franz Josef Baader, der in Dory Tisdale und Wolfgang Koziol zwei Leistungsträger zu ersetzen hatte.

Im finalen Spielsegment besannen sich die Hausherren dankenswerterweise wieder auf ihr zweifelsohne vorhandenes Potenzial. Angriff um Angriff rollte plötzlich auf das Füssener Gehäuse zu. Schury und Leinsle verzogen knapp, Tim Leahy scheiterte bei einem Alleingang an Ullsperger. Ein Treffer für den US-Boy wäre auch nicht seiner Leistung entsprechend gewesen. Auch seine Nebenleute Mario Jann und Kapitän von Schilcher erwischten nicht gerade einen Sahnetag. Ganz im Gegensatz zu der Reihe um Pete Brearley und Ron Newhook. Nach gewonnenem Anspiel fand sich Brearley plötzlich völlig frei mit der Scheibe vor Ullsperger wieder und überwand den Goalie problemlos aus zwei Metern. Sekunden später traf Ron Newhook das Lattenkreuz. Auch beim schönsten Spielzug des Abends hatten die eben genannten Protagonisten Eiszeit. Newhook über rechts - Brearley hinterm Tor - Pass auf Schury, der aus kürzester Distanz nur noch abtropfen lassen musste. Das Spiel war damit endgültig entscheiden, trotzdem gab es noch einen kleinen Wehrmutstropfen. Der zuletzt stark und vielleicht auch überzogen kritisierte Kevin Kühnhackl stand kurz vor einem Shut-Out. Verdient gewesen wäre dieser dank einer grundsoliden Leistung allemal. Lediglich eine Schlafmützigkeit in der EHC-Hintermannschaft machte den persönlichen Erfolg des 27 jährigen zunichte. Stephan Knöpfler erzielte mit der Rückhand den Ehrentreffer für die ansonsten harmlosen Königswinkler. Ron Newhook stellte kurz darauf durch sein energisches Nachsetzen den Enstand her.

Füssens Übungsleiter Baader erkannte den Sieg der Münchner neidlos an. "Nach dem 3:0 war alles gelaufen" - EHC-Coach Kink freute sich darüber, dass sein Team im Vergleich zum Rosenheim-Spiel in der Defensive besser organisiert war. (orab)

  

Tore:
1:0 (06:17) Vogl (Burman 4-3), 2:0 (16:17) Vollmer (Kink), 3:0 (45:43) Brearley (Schury, Newhook), 4:0 (52:39) Schury (Brearley, Newhook), 4:1 (56:05) Knöpfler (Nadeau, Schneider), 5:1 (57:21) Newhook

 Strafen: München 14 + 10 Eckmair (Check von Hinten) - Füssen 10
Schiedsrichter: Sander (Erhard, Schreiber)

Zuschauer: 1247

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