Gerhard Lichtnecker gibt Einblick hinter die Kulissen (1)Das dritte Team auf dem Eis

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„Viele sagen es sind zwei Teams auf dem Eis, da muss ich sagen ,nein‘, es sind drei. Genauso wie die Mannschaften im Team zusammenarbeiten, macht es das Schiedsrichtergespann auch.“

Mit dieser Aussage hat der Chef aller deutschen Eishockeyschiedsrichter sicher Recht. Und die Herren an der Pfeife haben sicher keine leichte Aufgabe. Ein Fehler von ihnen kann keiner mehr beheben. „Wenn bei uns einer einen Fehler macht, dann kann das auch keiner mehr ausgleichen. Während die Spieler fast immer noch einen Mannschaftkameraden haben, der einen Fehler des anderen Mal abfangen kann. Die anderen Mannschaften sind 20 Mann stark, aber wir sind nur zu dritt oder zu viert und haben keine Chance, durch einen anderen Pfiff unsere Fehler wieder auszubügeln.“

Wenn wir über Fehler sprechen, ist das sicher auch eine Frage der Qualität. Wie sehen sie die Qualität der Schiedsrichter?

Gerhard Lichtnecker: „Im Gesamtbild sind unsere Schiedsrichter gut. Ich muss aber auch sagen, dass wir sehr kritisch sind, zum Teil sogar kritischer als die Öffentlichkeit. Aber wir sind auch sehr objektiv.“

Spieler verbessern ihre Qualität durch tägliches Training. Es gibt jedoch nur drei Profischiedsrichter, die Restlichen sind „nur“ im Zweitberuf Schiedsrichter. Wie bereiten sich die Pfeifenden auf ihre Aufgabe vor? Gibt es einen Plan oder ein Programm, das der Schiedsrichterausschuss vorgibt?

Gerhard Lichtnecker: „Richtig, der Großteil unserer 180 Schiedsrichter hat einen normalen Beruf oder ist im Studium. Aber alle sind aufgefordert, neben ihren Berufsleben und Familie, etwas zu tun. Dabei gibt es natürlich individuelle Unterschiede. Letztlich macht aber jeder sein eigenes Programm. Das kann vieles sein, Radfahren, Laufen, Fitness. Ein Teil geht auch bei seinem Heimatvereinen beim Nachwuchs oder bei den Senioren aufs Eis. Wir schlagen den Schiedsrichtern zwar vor, ein- bis zweimal die Woche etwas zu tun, aber Pflichtvorgaben gibt es nicht.“

Das sind jetzt alles Dinge, die die Fitness angehen. Wie schaut das Regeltraining aus? Das beste Training ist sicher die Praxis, gibt es spezielle Methoden abseits vom Eis?

Gerhard Lichtnecker: „Viele Schiedsrichter gehen, wenn sie nicht pfeifen, sehr oft in die Stadien und schauen sich ihre Kollegen an, auch in den unteren Ligen. Die generelle Schulung geht hauptsächlich über die Videoschulung, hier wird sehr intensiv gearbeitet. Es gibt z.B. ein Videoportal. Dort kann sich jeder Schiedsrichter Szenen und Entscheidungen mit Kommentaren dazu ansehen. Zum Teil sogar Szenen vom vergangenen Wochenende. Hauptsächlich machen das Gerhard Müller, Holger Gerstberger, Stefan Trainer und Micheal Strobl. Ich schaue mir die aktuellen Szenen auch an, halte mich da aber etwas im Hintergrund. Die letzten Wochen waren auch einige sehr interessante Szenen dabei, z.B. als man ein Tor zurücknehmen musste, weil eine Strafe an den Schützen gegangen ist, der im Torraum war und den Torwart behindert hat. Ich halte das Videoportal für eine sehr gute Sache.“

Nur um noch mal sicher zu gehen: Es ist tatsächlich so, dass sich jemand hinsetzt und sich DVDs von Wochenendspielen ansieht, analysiert und für die Kollegen interessante Szenen aufbereitet und ins Portal stellt?

Gerhard Lichtnecker: „Genau. Alle Schiedsrichter der DEL erhalten nach Spielende eine DVD. Der Schiedsrichter schaut sich die selbst noch einmal an. Dabei geht es gar nicht immer um strittige Entscheidungen, sondern auch um Szenen, die als Schulungsbeispiel zu verwenden sind. Das kann alles sein: Abseits, Stellungsspiel, Anspiel, Zeichensprache, einfach alles, was in den Bewertungsgrundlagen vom Schiedsrichtern enthalten ist. Wir versuchen immer gute, aber auch schlechte Beispiele zu finden. Unser Ziel ist es letzten Endes, dass jeder eine Art Videoschulungsbuch hat. Etwas, wo jeder Schiedsrichter immer wieder nachsehen kann.“

Auf der Internetseite der Schiedsrichter, Hockeyref.de, gibt es das „IIHF Case Book“, eine Sammlung von Fallbeispielen, zum Download. In dem Dokument geht es um Anwendung und Auslegung von Regeln anhand von konkreten Spielsituationen. Dieses Videoschulungsbuch soll also eine Art „Case Book“ in Videoform werden?

Gerhard Lichtnecker: „Im Prinzip ja. Das Case Book ist ja ein Auslegungsbuch zum Regelbuch und ist somit eine Ergänzung. Auch im internationalen Bereich arbeiten wir gerade an einer Erstellung eines solchen Videobuches. Für die Frauenschiedsrichter gibt es so etwas bereits. Übriges sind auch die Clubs angehalten, strittige Szenen über MyDrive zu uns hoch zu laden. Wir im Schiedsrichterausschuss des DEB bzw. die DEL-Beauftragen Holger Gerstberger und Stefan Trainer erhalten dann eine Infomail. Die bearbeiten das dann relativ schnell, oft noch am selben Tag. Der Rest vom Ausschuss wird dann von einem der beiden mit Bitte um Sichtung aktiviert. Wir sehen uns die fragliche Szene an, beurteilen sie und beantworten das dann. Danach kann man es im Videoportal nachlesen.“

Das sind zwei gute Hilfsmittel für die Schiedsrichter, aber doch hat man von außen immer wieder den Eindruck, dass es Schiedsrichter gibt, die eine Szene eher laufen lassen, und andere eine vergleichbare Szene dann, sozusagen kommagenau, abpfeifen?

Gerhard Lichtnecker: „Das ist ein Problem, dass wir jedes Jahr bearbeiten. Wir wollen auf den Lehrgängen auf eine konsequente Spielleitung hinarbeiten. Wir werden nie Schiedsrichterroboter haben, aber wir wollen unsere Leute schon in einer gewissen Bandbreite haben, wo man erkennen, dass hier die linke Grenze und hier die rechte ist. Auch wenn viele Fans und Zuseher sicher eine großzügige Regelauslegung bevorzugen, zu großzügig darf es nicht werden. Wobei ,großzügig‘ zweierlei bedeuten kann. Zum einen hat der Hauptschiedsrichter viele Strafen nicht gegeben. Es kann aber auch sein, dass er so ein gutes Spielgefühl hatte, dass er aufgrund seiner Erfahrung laufen lässt. Aber auch hier ist irgendwann eine Grenze erreicht. Bei 50:50-Situationen ist es uns jedoch lieber, zugunsten des Angeklagten laufen zu lassen, das ist dann das Salz in der Suppe. Wir wollen unsere Entscheidungen für den Zuschauer überschaubar und nachvollziehbar machen, aber das ist sicher die schwierigste Aufgabe, die wir haben. “

Lesen Sie morgen den zweiten Teil unseres großen Interviews mit Gerhard Lichtnecker.


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