Gemischte Gefühle: Enttäuschung schmerzt, aber Saisonziel erreicht

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„Wir müssen leider draußen bleiben.“ Wäre dieser Satz ein Motto, er würde das Verhältnis zwischen den Bayreuth Tigers und der Oberliga-Meisterrunde treffend beschreiben. Wieder einmal ist der ESV Bayreuth kurz vor der Ziellinie ins Straucheln geraten, wieder einmal fehlten einige wenige Punkte, um in den höheren Sphären der Oberliga mitzumischen. Der ESV Bayreuth hat vor fünf Tagen seinen Traum platzen sehen.

Aber dennoch: Zum verzweifeln ist die Situation in Bayreuth bei weitem nicht. „Platz 5 wäre schön, muss aber nicht sein“, hatte Torhüter Udo Döhler schon am Stadionfest zu Saisonbeginn allzu hoch fliegende Erwartungen zu dämpfen versucht. Vor allem, weil er den mahnenden Satz „Die Liga ist stärker geworden“ hinterherschickte. Die Liga ist aber auch teurer geworden, seitdem einige Vereine die Bühne betreten haben, die sich mit prallen Etats aus den Niederungen der Oberliga hinauskaufen wollen.


Der ESV Bayreuth kann da nicht mithalten. Zehn Jahre nach seiner Geburt am 24. Januar 1994 ist der Verein dabei, erst einmal laufen zu lernen. Vor wenigen Jahren noch hatten die Tigers – kaum, dass sie dem Krabbelalter entflohen waren und alleine aufrecht stehen konnten – schon versucht, in die zweite Liga zu rennen, und sind dabei krachend auf der Nase gelandet. Aus den Wunden von damals hat das Vorstandstrio um Klaus Wiesenmüller sofort seine Lehren gezogen als es ins Amt kam: Es war der Abschied von den Traumtänzern und das Ende finanzieller Hochseilakrobatik.


Aufstiegsrunde? Für Wiesenmüller war das eigentlich kein Thema: „Wir müssen von Spiel zu Spiel denken. Hauptsache, die Zuschauer kriegen immer wieder schönes Eishockey zu sehen“, hatte er schon im Dezember im kleinen Kreis verkündet. In den Play-Downs wird sein Anspruch noch viel mehr umgesetzt werden müssen, um die Zuschauer zu locken.

Während der Doppelrunde stellten die Tigers ihren Anhang kontinuierlich auf die Geduldsprobe. Wieder und wieder erkämpften sie sich den Anschluss an Platz 5, um ihn gleich darauf wieder zu verspielen. Die Konstanz nahm zu spät auf der Spielerbank Platz, erst in den Wochen seit Weihnachten kam noch einmal kräftig Schwung auf, der den ESV fast in die Meisterrunde katapultiert hätte. Und auch das Überzahlspiel gehörte während der Doppelrunde sicher nicht zu den Stärken der Tigers – auch ein Grund, warum sich der ESV noch mit der unteren Tabellenhälfte zufrieden geben muss.


Aber es gab auch große Lichtblicke, nicht erst seit der Siegesserie in den vergangenen Wochen. Ersatz-Torhüter Dennis Endras beispielsweise ist eben mehr als nur ein Ersatz. Zwar ist Udo Döhler weiterhin der sichere Rückhalt, auf den Trainer Doug Irwin gerne zurückgreift. Aber auch wenn der 18-jährige Endras auf dem Eis steht, muss niemandem wirklich bange sein.


Zumindest, wenn er die Unterstützung seiner Abwehr bekommt. Die Defensive ist in den vergangenen Wochen zum Garant des Aufschwungs geworden, hat diese Rolle aber auch schmerzvoll bezahlt: Die ohnehin nicht allzu üppig ausgestattete Abteilung hat die meisten Verletzten zu beklagen, Petr Precan hat es dabei am schwersten erwischt. Zuletzt konnte Trainer Irwin nur zwei vollständige Reihen aufbieten. Dennoch wandelte sich die Defensive vom zitternden zum sicheren Standbein des ESV.

Davon profitierten schließlich auch die Stürmer. Lange hatten sie mit ungenauen Aufbaupässen aus der Abwehr zurechtkommen müssen, mittlerweile hat sich die Situation deutlich gebessert. Aber dennoch vergeben die Tigers noch zu viele Chancen. Vor allem der Motor des kongenialen Duos der Vorsaison Dave Tremblay und Daniel Jun hat bisher unüberhörbar gestottert. Dafür hat sich allerdings das Pärchen Jarret Reid und Ben Maidment immer mehr aneinander gewöhnt und zuletzt kräftig gepunktet, und dem Löhle-Ersatz Michael Thurner merkt man nicht mehr an, dass er erst im Dezember und mit großem Trainingsrückstand zur Mannschaft stieß.


Gerade aber weil es in den jüngsten Wochen sportlich so gut lief, bleibt doch die Frage, ob nicht mehr drin gewesen wäre als Platz 6. Unbezwingbare Mannschaften haben sich trotz der Mega-Etats im Bayreuther Eisstadion nicht vorgestellt. Unter dem Strich jedoch bleibt die Bilanz positiv. Das Saisonziel, möglichst lange um Platz 5 mitzuspielen, haben die Tigers erreicht; jetzt kann man nach einem Platz im DEB-Pokal schielen. Dafür müsste der ESV Platz 1 in der Abstiegsrunde belegen – ein durchaus mögliches, wenngleich nicht von vorneherein anzunehmendes Szenario. Entscheidend wird sein, dass die Tigers die Gefühlswelt ihrer Fans in den kommenden Wochen nicht wieder auf eine Berg- und Talfahrt schicken. Und im nächsten Jahr kann man ja wieder von der Meisterrunde träumen. (Ingo Schorlemmer)