Erster Drei-Punkte-Sieg der Saison

"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz
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Dass neue Besen bekanntlich gut kehren, das bewies sich wieder einmal am vergangenen Wochenende in der Eishockey-Oberliga: mit Interimscoach Bill Lochead an der Bande schrammte man in Garmisch noch an einem Erfolg vorbei, gegen den EV Weiden, immerhin Tabellensechster, schaffte man zwei Tage später einen eindrucksvollen 5:2 (2:0, 3:1, 0:1)-Heimsieg. Über die volle Distanz spielte das Team mit Emotionen und Einsatz, so dass die gut 1.000 Fans im Stadion ihren Augen nicht zu trauen glaubten. Die selben Spieler, die 14 Spiele zuvor selbst gegen vermeintlich schwächere Teams keinen Sieg nach regulärer Spielzeit einfahren konnten, rangen nun die Oberpfälzer überzeugend nieder.

Allerdings fehlten bei den Gästen mit Piskor und Penk zwei wichtige Akteure, während bei den Hausherren mit Naulin lediglich ein Stürmer verletzungsbedingt aussetzen musste. Bill Lochead ließ von Beginn an die Reihen auflaufen, die auch schon unter Thomas Barczikowski spielten, so dass mit drei Blöcken - Patrick Schmitt und Michael Horcicka nahmen auf der Ersatzbank Platz - agiert wurde. Das Match ging von Beginn an in die Vollen, es gab keine lange Zeit des Abtastens. Bereits in der zweiten Minute war es Andreas Popp, der einen ersten Warnschuss in Richtung Thomas Ower abgab, allerdings fehlte hierbei noch die Präzision. Die Teufel spielten konsequent nach vorne und waren körperlich sehr präsent. Folgerichtig das 1:0 in der vierten Minute: Popp tankte sich über rechts durch, Hackert zog ab, Ower war mit dem Schoner zur Stelle. Die Abwehr war aber unglücklich, da genau in die Mitte, wo Knihs stand und über den Schlussmann hinweg zur Führung traf. Die Blue Devils waren doch sichtlich geschockt ob der Kampfesbereitschaft der Hausherren, die sie überhaupt nicht ins Spiel kommen ließen. Mehr als ein Schlagschuss von Wolsch in der fünften Minute sprang nicht heraus, während es auf der anderen Seite noch einmal der auffällig agierende Popp mit einem Distanzschuss probierte, diesmal war Ower aber mit der Fanghand zur Stelle. Es folgte ein Bully, das Kainulainen souverän gewann. Er legte ab auf Eckmair, der bediente Pietiläinen, dieser zog sofort ab, und unter die Latte schlug es zum 2:0 in der achten Minute ein. Ein Auftakt nach Maß für die Kurstädter, die das beste erste Drittel der gesamten Saison zeigten. Es war System und Zug zum Tor zu erkennen, während die Defensive eine blitzsaubere Arbeit leistete. Erst ab der zweiten Hälfte des ersten Abschnittes kamen die Oberpfälzer besser auf, die besten Chancen hatte hierbei noch Michael Fendt, der aber zwei Mal aus guter Position über das Tor von Ingo Schwarz zirkelte.

Im Mittelabschnitt gaben die Gäste nun den Ton an. Zunächst verfehlte Toptorjäger Herman nur knapp (21.), aber es deutete sich an, dass die Blue Devils nun mehr wollten. Folgerichtig fiel der Anschluss in der 24. Minute, nachdem die Gäste einen schnellen Konter hinlegten, den Karhula erfolgreich abschließen konnte. Es entwickelte sich in den Folgeminuten ein offener Schlagabtausch in einer weiterhin temporeichen und sehr guten Oberliga-Partie. Hinzu kamen einige Szenen an der Bande, die Schiedsrichter Zupp, der im ersten Abschnitt überhaupt nicht eingreifen brauchte, nun mit einigen Strafzeiten belegte. Dadurch entstand aber ein emotionsgeladenes Spiel, und beide Teams nahmen den Kampf an. Der Knackpunkt der Partie war wohl die 26. Minute, als bei den Hausherren mit Eckmair und Barker gleich zwei Mann auf der Strafbank saßen, die verbliebenen drei Akteure die Scheibe aber immer wieder herausbrachten. Man überstand die Szene schadlos und konnte seinerseits wieder mehr Tempo machen. Nach einer sehenswerten Kombination der starken ersten Reihe war es dann Eckmair in der 35. Minute, der das erlösende 3:1 für sein Team markieren konnte. Aber dem noch nicht genug: erneut Eckmair war es, der nach einem kraftvollen Solo Ower vernaschte und zum 4:1 einnetzte. Dieses Resultat frustete die Gäste wohl ein wenig, anders war die Strafzeit gegen Göldner nicht zu erklären, so dass die Hausherren ihrerseits plötzlich eine 5 gegen 3-Überzahl hatten. In diesen Situationen ist Kapitän Steffen Michel mit seinem harten Schlagschuss natürlich immer eine Waffe, und so war es auch diesmal, als sein Blueliner 29 Sekunden vor Drittelende zum 5:1 einschlug.

Trotz des Spielstandes waren einige Fans immer noch skeptisch, ob man den Sieg einfahren würde. Zu oft hatte man das Team im letzten Drittel unkonzentriert spielen sehen, so dass Vorsprünge einige Male vergeben wurden. An diesem Abend war es aber anders: mehr als der zweite Treffer von Hagn (44.) war für die Gäste nicht drin, denn die Gastgeber spielten gut defensiv und verlagerten sich auf das Kontern. Wenn man diese Szenen konsequenter genutzt hätte, wäre vielleicht sogar ein noch höheres Ergebnis drin gewesen, letztendlich zählten aber nur die Punkte. Bezeichnend für die neue Motivation war eine Szene in der vorletzten Minute, als schon längst alles gelaufen war: Steffen Michel zeigte sich als Vorbild und warf sich in einen Schlagschuss, den Ingo Schwarz, der eine fehlerfreie Partie ablieferte, wohl ohnehin gehabt hätte. Aber diese Situation war symptomatisch für den neuen Spirit im Team, das sich die drei Punkte redlich verdient hatte. Auf diese Leistung lässt sich jedenfalls aufbauen, und nun wissen die Spieler und auch die Fans, dass es besser gehen kann. Insofern hat der Interimscoach, auch wenn er vielleicht nicht weitermachen sollte, etwas Wichtiges bewirkt.

STIMMEN ZUM SPIEL:

Jiri Neubauer: "Im ersten Drittel war das Spiel ausgeglichen, auch wenn das Resultat dies nicht hergibt. Aber auch wir haben gute Chancen gehabt, das Heimteam schoss die Tore. Nach dem 2:1 hatten wir Chancen auf den Ausgleich, aber Bad Nauheim wollte einfach diesen Sieg. Uns haben zwei wichtige Leute gefehlt, trotzdem hat man gesehen, dass Bad Nauheim ein starkes Team hat und man wundert sich, warum sie bislang erst fünf Punkte hatten."

Bill Lochead: "Die Mannschaft hat heute gekämpft. Das Match lief anders als am Freitag, als eigentlich schon ein Sieg hergemusst hätte. Es war ein guter Test, ob die Spieler eine Trotzreaktion zeigen würden. Am Freitag hatte man das Pech, das sich heute wieder ausgeglichen hat. Der Wendepunkt war die überstandene 5 gegen 3-Unterzahl, was psychologisch sehr wichtig war. Mit dem anschließenden Doppel- bzw. Dreierschlag haben wir das Match dann zu unseren Gunsten gedreht. Ingo Schwarz war ein großer und konstanter Rückhalt, insgesamt war es aber das Kollektiv, das heute gewonnen hat. Thomas Barczikowski hat ein konditionell sehr gut disponiertes Team hinterlassen, ansonsten hätten die Spieler wohl kaum 120 Minuten an diesem Wochenende derart kämpfen können. Eins noch zum Thema Ausländer, nachdem zuletzt die Diskussion aufkam: alle fünf haben in diesen beiden Spielen, die ich gesehen habe, sehr gut gespielt. Es gibt überhaupt keinen Grund, den einen oder anderen in Frage zu stellen."

Tore: 1:0 (3:21) Knihs (Hackert, Popp), 2:0 (7:21) Pietiläinen (Eckmair, Kainulainen), 2:1 (23:38) Karhula (Wolsch, Winkler), 3:1 (34:33) Eckmair (Kainulainen, Pietiläinen), 4:1 (38:03) Eckmair (Barker, Knihs/4-4), 5:1 (39:31) Michel (Kainulainen, Eckmair/5-3), 5:2 (43:50) Hagn (Ondruschka, Göldner). Strafen: Bad Nauheim 8, Wiesbaden 10. Zuschauer: 993.

1000 Freikarten für Stuttgart-Spiel - Trainersuche geht weiter

Für das Heimspiel am kommenden Freitag gegen die Stuttgart Wizards werden die Roten Teufel insgesamt 1000 Freikarten an Firmen, Vereine und Institutionen in der Region verteilen, um für eine entsprechende Kulisse gegen den Tabellenletzten zu sorgen. "Wir versprechen uns dadurch natürlich ein möglichst volles Haus, aber vielleicht kommt auch der ein oder andere wieder", erklärt RT-Geschäftsführerin Simone Grünewald diese Maßnahme. "Überhaupt werden wir in Zukunft intensiver an der Kundenwerbung arbeiten, wobei die Ergebnisse des Teams natürlich eine wichtige Rolle spielen. Wenn die Mannschaft aber so spielt wie gegen Weiden, dann dürften auch die Zuschauerzahlen wieder steigen", so Grünewald weiter.

Unterdessen geht die Suche nach einem neuen Coach für die Roten Teufel weiter. Interimstrainer Bill Lochead hat zwar gestern Abend nicht gänzlich ausgeschlossen, auch weiterhin an der Bande zu stehen, fest zugesagt hat er jedoch nicht. "Ich kann es zeitlich mit meinem eigentlichen Beruf nicht vereinbaren. Es macht mir zwar Spaß, mit dem Team zu arbeiten, aller Voraussicht nach werde ich es aber nicht weitermachen können", so der frühere NHL-Profi. Am gesamten Wochenende glühten bereits die Telefondrähte, und es gibt einige potenzielle Nachfolger. In Kürze soll eine Entscheidung gefällt werden, wer die sportliche Verantwortung bei den Hessen übernimmt.

Donnerstag Fantreffen mit der Clubführung im Stadioncafé

Am kommenden Donnerstag, 10.November 2005 ab 19.30 Uhr findet im Eisstadiocafé ein Fantreffen mit den Verantwortlichen der Roten Teufel statt. Bei diesem Treffen gibt es genügend Gelegenheiten, direkt Fragen an die Macher zu stellen und um über diverse Themen zu diskutieren. Nach Beendigung des Trainings werden auch der neue Coach, sofern er bis dahin verpflichtet ist, sowie ein oder zwei Spieler dazustoßen.

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