Drei Tore, zwei Assists - Tim Leahy führt den EHC München ins Halbfinale

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Als Mitte der Saison Kritik an der Person Tim Leahy aufkam, widersprach EHC-Trainer Eibl dieser. "Er wird noch wichtig werden für uns - was der stocktechnisch kann ist unglaublich". Der Landshuter Eishockeylehrer sollte Recht behalten. Schon in den letzten Begegnungen zeigte sich, wie wertvoll Leahy für die junge Münchner Mannschaft ist, im entscheidenden Aufeinandertreffen mit den Dresdner Eislöwen bot der US-Boy aber eine Galavorstellung. Beim 6:3 Sieg legte er doppelt vor, gab zwei weitere Vorlagen und verbuchte den letzten Treffer wieder selbst. Der EHC München hat durch diesen Erfolg das Halbfinale der Oberliga-Aufstiegsrunde erreicht, qualifizierte sich zudem für den DEB-Pokal in der nächsten Saison. Für die keineswegs enttäuschenden Gäste ist die Spielzeit damit beendet. 
 

Trotz des Wochenspieltags fanden sich gut zweieinhalbtausend Schaulustige in der Eishalle am Olympiapark ein. Und sie bekamen vom Eröffnungsbully weg Etwas geboten. Die Münchner Führung ließ nämlich nicht lange auf sich warten. Scheiterte Robin Riemel nach dreißig Sekunden noch an Norbert Pascha, der überraschend für Boris Ackers im Tor stand, machte es Tim Leahy Sekunden später besser. Er überlistete Pascha nach einem Zuspiel von Marion Jann. Der EHC spielte in der Anfangsphase mit deutlich mehr Schwung, überstand eine kurzzeitige 3-5 Situation und hatte Pech beim Solo von Pete Brearley, der nur das Außennetz traf. Bei den ersten zaghaften Versuchen der Sachsen war Goalie Jochen Vollmer stets auf der Hut. Das 2:0 zum Ende des Drittels hin, war in seiner Entstehung kurios. Obwohl in Unterzahl, vergaßen die Dresdner Spieler völlig, dem an der Bande lauernden Leahy das nötige Augenmerk zu widmen. Leahys Alleingang auf Pascha inklusive Abschluss waren nur noch Formsache.  
 
Was sich die Mannen von Jiri Kochta in der Kabine vorgenommen haben, ist nicht überliefert. Sicherlich nicht, sich nach nur achtzehn Sekunden den nächsten Gegentreffer einschenken zu lassen. Dieses Mal war Leahy der Vorlagengeber und Fabian von Schilcher der Vollstrecker. Das Nervenkostüm der Gäste schien nun ein wenig angeknackst. Insbesondere bei Luigi Calce. Als Referee Deibler eine Strafe gegen Jan Welke anzeigte und damit ein bestehender zahlenmäßiger Vorteil dahin war, echauffierte sich der 30 jährige Deutsch-Kanadier derart, dass er mit einer zehnminütigen Disziplinarstrafe belegt wurde. Sein Temperament schien gar nicht mehr ins Lot finden zu wollen. Nach dem Wurf einer Getränkeflasche gegen die Plexiglasumrandung wurde er von Deibler mit weiteren zehn Minuten bedacht, was mit einer Berechtigung für eine vorgezogene Dusche gleichzusetzen war. Sicherlich ein Bärendienst, dem er seinem Team da erwiesen hat. Zumal wenig später Mario Jann eine schnelle Kombination über Leahy und von Schilcher abschloss und damit für einen veritablen Vorsprung sorgte. Zuvor rettete Joey Vollmer mit einem "Big Save" gegen Petr Sikora.  
 
Die Eislöwen enttäuschten keineswegs, sie waren nur nicht so zwingend im Spiel nach vorne und so konsequent in der Defensive wie beim ersten Spiel vergangenen Freitag. Aufgegeben haben sie sich trotz des klaren Rückstands zu keiner Zeit, was Mitte der Partie mit dem ersten eigenen Treffer belohnt wurde. Beim ebenso harten wie präzisen Blueliner von Thomas Mittermeier war auch der bärenstarke Vollmer ohne Abwehrmöglichkeit. Der EHC zeigte sich vom kurzzeitigen Aufbäumen seines Gegners relativ unbeeindruckt und stellte noch im selben Spielabschnitt in Person von Daniel Menge auf 5:1. Ein Bilderbuchkonter, bei dem der ehemlige Tölzer nur noch seinen Schläger in das Zuspiel von Pete Brearley halten musste.  
 
Die Hausherren zeigten zu Beginn des Schlussabschnitts nicht mehr die letzte Entschlossenheit, mussten in numerischer Überlegenheit sogar einen Treffer hinhemen (Dolezal). Und als Schiedsrichter Deibler gleich zwei Mal den Münchner Abwehrversuchen im Wege stand, kamen die Gäste auch noch zu ihrem dritten Torerfolg. Dass der sicher geglaubte Erfolg trotzdem nicht mehr ins Wanken geriet, dafür sorgte der Mann des Abends. Tim Leahy schnappte sich die Scheibe in der neutralen Zone und startete einen unwiderstehlichen Alleingang. Die Lücke zwischen Norbert Pascha´s Schoner nutze Leahy, um den Endstand herzustellen. Der Sieg des EHC München war unzweifelhaft verdient, alleine die erste Reihe mit Leahy, von Schilcher und Jann machte an diesem Abend den Unterschied. Apropos Jann. Der von den Fans liebevoll "Super-Mario" genannte Torjäger bleibt dem EHC ebenso wie Sturmpartner Alexander Leinsle eine weitere Spielzeit erhalten. (orab)