Dramatik pur beim ersten Oberliga-Sieg der Wizards

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Das erste Punktspiel von Oberliga-Aufsteiger war am gestrigen Freitag Abend nichts für schwache Nerven. Gegen den TEV Miesbach lagen die Stuttgarter nach 40 Minuten 1:4 zurück, zeigten dann aber eine tolle Moral und behielten am Ende mit 5:4 (1:4, 0:0, 3:0, 1:0) nach Penaltyschießen die Oberhand. „Dieser Sieg war enorm wichtig für das Team und unser Selbstbewusstsein“, so Stuttgarts Trainer Wilbert Duszenko. „Morgen in München sind wir zwar nur Außenseiter, doch auch da werden wir kämpfen bis zum Schluss“, sagt der Übungsleiter.

Zu Beginn war die Nervosität der Wizards nicht zu übersehen, und die Stuttgarter Fans unter den 780 Zuschauern auf der Waldau wähnten sich im falschen Film. Bereits nach 2:44 Minuten lagen die Gastgeber nach Toren der Miesbacher Jim Nagle und Jiri Vitek 0:2 zurück. Von diesem Schock sollte sich Stuttgart so schnell nicht erholen. Die Gäste aus Oberbayern kontrollierten das Spiel und wurden teilweise geradezu zum Torschuss eingeladen, da die Wizards nicht entschlossen genug in die Zweikämpfe gingen.

Auch das Anschlusstor zum zwischenzeitlichen 1:2 durch Routinier Rasso Rampp (9.) brachte keine Linie ins Stuttgarter Spiel. Miesbach zeigte sich weiter torgefährlich und kaltschnäuzig im Abschluss. In der zwölften Minute fing der beste Miesbacher, Jim Nagle, einen Fehlpass von Jeff White in der Stuttgarter Angriffszone ab und erzielte das 1:3, nach 18 Minuten gelang Roman Slezak sogar das 1:4.

„Ich war froh, dass dann die Drittelpause kam“, so Stuttgarts Coach Wilbert Duszenko nach dem Spiel. In der Unterbrechung konnte Duszenko sein Team offensichtlich wachrütteln, denn im Mitteldrittel gingen die Wizards wesentlich couragierter zu Werke und gewannen endlich auch Zweikämpfe. Miesbach hingegen schien mit dem bisherigen Ergebnis zufrieden zu sein und versuchte, den Vorsprung zu verwalten. „Wir haben im zweiten Drittel zu passiv gespielt. So etwas kann man sich in der Oberliga nicht erlauben“, bemängelte Ludvik Kopecky, der Trainer des TEV Miesbach.

So neutralisierten sich beide Teams weitgehend, und bei den wenigen Torchancen waren Stuttgarts Keeper Tyrone Garner und der Miesbacher Ivo Capek hellwach. Das 1:4 aus Stuttgarter Sicht hatte also auch nach 40 Minuten Bestand.

Im Schlussabschnitt passierte das, womit wohl die wenigsten Zuschauer auf der Waldau noch gerechnet hatten. Die Wizards besannen sich auf ihre Stärken, spielten endlich Eishockey und gingen nach großem Kampf noch verdientermaßen als Sieger vom Eis.

Jeff Whites Schlagschuss zum 2:4 nur 26 Sekunden nach Wiederanpfiff war das entscheidende Signal zum Aufbruch. Nun wachten auch die Stuttgarter Fans auf und peitschten ihre Mannschaft nach vorne. Stuttgart wurde immer druckvoller und Miesbach hatte kaum noch etwas entgegenzusetzen. Zwar versuchte Gästetrainer Ludvik Kopecky den Schwung der Wizards mit einer Auszeit in der 43. Minute zu bremsen, doch dieses Unterfangen misslang. Nach 44 Minuten erzielte der starke Georg Hessel das 3:4 und die Wizards hatten wieder Lunte gerochen, wollten das Spiel zu ihren Gunsten drehen. Die Stuttgarter Offensive rollte weiter und endlich war auch das nötige Glück im Abschluss auf Seiten der Wizards. Nach 46:15 Minuten war es erneut Georg Hessel, dem das vielumjubelte 4:4 gelang.

In der Schlussphase der regulären Spielzeit wirkten die Gäste aus Miesbach ausgepowert und Stuttgart war dem Siegtreffer näher. Dennoch ließ der starke Miesbacher Goalie Ivo Capek keinen weiteren Treffer zu und auch die fünfminütige Verlängerung blieb torlos.

So bekamen die Zuschauer gleich im ersten Oberliga-Match ein Penaltyschießen geboten. Dort zeigte Stuttgarts Keeper Tyrone Garner seine ganze Klasse und parierte alle fünf Versuche des TEV Miesbach. Doch sein Gegenüber Ivo Capek stand Garner in nichts nach und blieb vier Mal Sieger. Beim letzten Penalty von Georg Hessel war er allerdings machtlos, Hessel sicherte den Wizards so den verdienten Sieg und krönte seine überragende Leistung mit dem dritten Treffer.

Nach Spielschluss war Stuttgarts Coach Wilbert Duszenko zufrieden: „So wie im ersten Drittel dürfen wir in der Oberliga nicht auftreten. Da werden Fehler eiskalt bestraft, das haben wir heute gesehen. Ab dem zweiten und insbesondere im dritten Drittel haben wir dann zu unserem Spiel gefunden und mit großem Kampfgeist das Spiel noch gedreht. Dieses Ergebnis war auch im Hinblick auf die Fans wichtig, denn ich denke sie konnten zufrieden nach Hause gehen. Morgen in München wird es für uns sehr schwer und wir müssen unsere Fehler abstellen, doch wir werden auch da alles geben und kämpfen bis zum Schluss, denn nur so können wir in der Oberliga bestehen“, so Duszenko. Miesbachs Coach Ludvik Kopecky sprach auf der Pressekonferenz von einem verdienten Stuttgarter Sieg, bemängelte aber auch die Passivität seines Teams, das im Schlussabschnitt platt gewesen sei und sich die Niederlage deshalb selbst zuzuschreiben habe.

Tore: 0:1 (2:07) Jim Nagle (Alexander Jansen) 4-4, 0:2 (2:44) Jiri Vitek (Martin Kovarik, Roman Slezak) 5-4, 1:2 (8:04) Rasso Rampp (Georg Hessel, Vitalij Karpenko), 1:3 (1:58) Jim Nagle, 1:4 (17:16) Roman Slezak (Werner Schäffler, Jiri Vitek) 5-4, 2:4 (40:26) Jeff White (Markus Wartosch, Mike Hofstrand), 3:4 (43:34) Georg Hessel (Mike Hofstrand, John Sicinski), 4:4 (46:15) Georg Hessel (John Sicinski, Tyrone Garner), 5:4 (65:00) Georg Hessel (Penalty). Strafen: Stuttgart 20, Miesbach 10. Zuschauer: 780.