Desolate Leistung

Rote Laterne in Füssen gelassenRote Laterne in Füssen gelassen
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Die Starbulls Rosenheim unterlagen am Dienstagabend vor 1594 Zuschauern dem EHC Klostersee mit 2:6.

Fünf Jahre mussten die Grafinger auf einen Sieg gegen die Starbulls warten. Der letzte Erfolg des EHC datierte aus dem Jahr 2001, damals spielte Rosenheim allerdings in der Landesliga und es handelte sich „nur“ um den Oberland-Cup. Diese Niederlage konnte man aber noch als verständlich und erwartet bezeichnen. Was die Grün-Weißen allerdings am Dienstagabend ablieferten, kann nur noch in die Kategorie „desolat“ eingeordnet werden, wobei viele Zuschauer auch von Arbeitsverweigerung der Führungsspieler sprachen. Starbulls-Vorstand Wilhelm Graue nannte die Leistung eine „Unverschämtheit“.

Dabei begann das Match äußerst erfreulich für die Hausherren, die ohne Stephan Stiebinger (angebrochener Finger nach Arbeitsunfall) und Jeremy Stasiuk (nach Matchstrafe für vier Spiele gesperrt) auskommen mussten. In der zweiten Minute musste mit Johannes Wieser ein Grafinger Spieler auf die Strafbank, 64 Sekunden später „klingelte“ es im Kasten von EHC-Keeper Florian Hochhäuser. Torschütze war Patrick Neundorfer. Zu diesem Zeitpunkt herrschte im Kathrein-Stadion noch eitel Sonnenschein, ehe das Unheil über die Starbulls hereinbrach. Das erste Unterzahl (Christian Gegenfurtner saß draußen) nutzte Klostersee (trat ohne Uli Drechsler und Eric Ortlip an) durch Brian Carthas zum Ausgleich. Die nächsten beiden Chancen hatten die Schützlinge von Ron Chyzowski durch Markus Kempf (12. Minute) und DNL-Stürmer Martin Hinterstocker (15.), der eine Strafzeit gegen Grafings Brendan McCartin herausholte. Dazwischen lag ein ebenso schwaches Powerplay wie das, was nach dem Foul an Hinterstocker folgte. Eine einzige Möglichkeit erspielten sich die Rosenheimer, die Mike McCormick in der 16. Minute vergab. Wie man Überzahl spielt, machten in der 19. Minute die Gäste vor. Traf Florian Saller während der ersten „Angriffswelle“ noch den Pfosten, so markierte Martin Sauter kurz darauf das 2:1 für die Ebersberger Vorstädter.

Im Mittelabschnitt versuchten sich zunächst die Starbulls zweieinhalb Minuten (davon sogar 89 Sekunden mit 5 gegen 3) im Powerplay, doch es war kein einziger nennenswerter Torschuss zu verzeichnen. Stattdessen hatten die Grafinger zwei gefährliche Konterchancen. Wenig später musste Sean Fischer auf die Strafbank, Klostersee zog wieder ein Powerplay auf und in der 28. Minute hieß es 1:3. Torschütze war McCartin, der von Sauter und Wieser frei gespielt wurde. Was die Zuschauer in der ersten Hälfte des zweiten Drittels sahen, wiederholte sich in den Folgeminuten. Nach vier erfolglosen Überzahlminuten der Rosenheimer nutzte Petr Zajonc die nächste numerische Überlegenheit des EHC zum vorentscheidenden 1:4.

Der Schlussabschnitt begann in bekannter Manier: Strafzeit gegen die Grün-Weißen, Klostersee zog wieder ein einstudiertes Powerplay auf, das Verteidiger Raymund Nickel (unmittelbar vor dem bemitleidenswerten Olli Häusler stehend) erfolgreich beendete. Die Starbulls verkürzten zwar in der 48. Minute in Überzahl durch Neundorfer auf 2:5, den Schlusspunkt zum 2:6 setzte allerdings Zajonc nach genau 59 Minuten in Unterzahl. Gipfel des Abends war eine Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Paul Weismann, die er sich nach der Schlusssirene wegen Stockstichs einhandelte.

Stimmen zum Spiel:

John Samanski (EHC Klostersee): Wir hatten in den ersten sechs Spielen mit jedem Gegner mitgehalten. Wir wussten, dass Rosenheim noch kein Heimspiel gewonnen hat. Ich habe meiner Mannschaft vor dem Spiel gesagt, dass es ein Derby ist und wir nicht immer gegen Rosenheim verlieren wollen und um jeden Puck kämpfen müssen. Wir haben aggressives Eishockey geliefert, gutes Penalty-killing gespielt und ein paar Tore in Überzahl erzielt.

Ron Chyzowski (Starbulls-Trainer): Vor 48 Stunden hat noch alles anders ausgeschaut. Es war so, als ob eine andere Mannschaft auf dem Eis stünde. Wir haben darüber gesprochen, dass wir auf einen schweren Gegner treffen, ich habe ein hartes Spiel erwartet und bin absolut enttäuscht. Wir haben am Sonntag einen Schritt nach vorne gemacht, heute aber gleich wieder zwei Schritte rückwärts. Meine besten Spieler waren - ausgenommen von Mondi – die jungen Spieler. Unsere Ausländer müssen die Offensive führen, wir haben die Verteidiger Krüger, Martin, Tisdale, Gegenfurtner und Weismann, die schon höherklassig gespielt haben und erfahren sind. Da kehren „alte“ Rosenheimer zurück, die ihre Leistung nicht bringen, über diese Spieler müssen wir nachdenken, denn Konstanz kommt nur von den Leistungsträgern.

Gabriel Krüger (Starbulls-Kapitän): Wenn ich es nicht besser wissen würde, würde ich sagen, dass im Vergleich zum Sonntag zwei verschiedene Mannschaft auf dem Eis waren. In Ravensburg haben wir ein überragendes Spiel gemacht, jeder hat sich für den anderen zerrissen. Zu den „Trainer raus“-Rufen denke ich, dass wir nur mit harter Arbeit und Zusammenhalt aus dieser Situation herauskommen. Letztes Jahr hieß es, wir sind nicht fit, dieses Jahr heißt es, dass wir übertrainiert sind. Die Werte, die in der Simsseeklinik ermittelt wurden, zeigen aber, dass wir fit sind. Ich meine, dass es eine Kopfsache ist. Bei den Fans kann ich mich nur entschuldigen. Wir können aber nur gemeinsam aus dieser Situation wieder herauskommen und zusammen schaffen wir das auch.

Wilhelm Graue (1.Vorsitzender Starbulls): Ich bin zutiefst enttäuscht und stinksauer. Wir haben uns immer vor die Mannschaft gestellt, nie einen Spieler kritisiert, aber jetzt ist es mit einer Entschuldigung nicht mehr getan. Ich dachte, das Spiel gegen Weiden war der Tiefpunkt, aber das heutige Spiel war noch schlechter und wird Konsequenzen haben. Wir hatten gestern eine Beiratssitzung, in der wir über den Trainer diskutiert haben. Wir haben uns aus wirtschaftlichen Gründen für den Verbleib des Trainers entschieden, schließlich muss er bis Saisonende weiterbezahlt werden. Die Zuschauer machen es sich leicht, wenn sie „Trainer raus“ schreien. Wenn jemand 50.000 Euro auf den Tisch legt, können wir den Trainer wechseln. Ron Chyzowski arbeitet jedoch professionell, was man von den Führungsspielern nicht behaupten kann. Diese Spieler sind Arbeitnehmer, werden bezahlt, werden von Betreuern umsorgt, die Taschen werden getragen und sie bekommen ihr Magnesium. Wir machen das aber nicht zum Spaß, sondern für unseren Nachwuchs, der an den Profibereich herangeführt werden soll. Dafür zahlt das OVB, die Sparkasse und der Kollege Diebald. Die deutschen Führungsspieler Martin, Senger, Krüger, Weismann, Kempf und natürlich Schneider bringen nicht die Leistung, die wir erwarten. Wir erwarten, dass man nicht nur 100 Prozent, sondern 125 Prozent gibt. Ich erwarte, dass sich diese Führungsspieler zusammensetzen und wir von der Vorstandschaft werden mit diesen Kandidaten reden. Wer nicht spurt, der fliegt und das betrifft nicht den Trainer.

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