Der ESV Bayreuth bricht sein Schweigen - Joe West ist neuer Trainer

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Klar ist, dass nichts klar ist. Mit einer Mischung aus Andeutungen, Hilferufen und Beschwörungen von Fans und der Öffentlichkeit, sich in Geduld zu üben, ist der Eishockey-Oberligist ESV Bayreuth am Donnerstag nach Wochen des Schweigens mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen. „Fazit ist, dass die momentane Situation des Vereins sehr ernst und angespannt, aber nicht hoffnungslos ist“, resümiert Pressesprecher Michael Birkhan darin.

Konkreteres ist in der über 50-zeiligen Mitteilung nicht zu erfahren. Der Gang zu den Medien besteht nur aus einer Sammlung unbestimmter Formulierungen, die zumeist nichts anderes sagen, als dass der Verein mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Wie groß diese Probleme sind, bleibt wiederum unbestimmt: „Aktuell beläuft sich der Stand der aufgelaufenen Verbindlichkeiten auf eine schmerzliche, nicht unerhebliche Summe“, heißt es in der Presseerklärung.

Die Kräfte des Vorstands richten sich schon seit Wochen vorrangig darauf aus, die Schuldenlast zu reduzieren. Schon zum Ende der vergangenen Spielzeit waren wie aus dem Nichts alte Verbindlichkeiten aufgetaucht, die noch aus der Zeit stammen, in der die heutige Führungsmannschaft noch gar nicht im Amt war.

Und kaum hatte man sich beim ESV sicher gewähnt, dass dieses Problem gelöst sei, tauchten plötzlich neue Ansprüche auf. Diesmal jedoch aus der Zeit, in der Klaus Wiesenmüller, Stefan Pletl und Co. bereits an der Vereinsspitze standen. Die neuen Forderungen machen heute „einen Großteil“ der Schuldenlast aus, die den Verein zu erdrücken droht. Dabei heißt es in der Pressemitteilung nur wenige Zeilen weiter unten, es sei noch unklar, ob die Forderungen überhaupt berechtigt sind: „Die Klärung (dieser Frage) wird sich noch lange hinziehen.“

Mit einer Umschuldung soll dem Verein nunmehr wieder finanzielle Luft verschafft werden – auch damit das Lizenzierungsverfahren für die Oberliga bei der Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft (ESBG) nicht gefährdet ist. Einen „realistischen Etat“, bei dem Gelder für Schuldentilgung bereits eingerechnet seien, habe man bereits bei der ESBG eingereicht. Unklar bleibt bei dieser Formulierung allerdings, ob die Finanzmittel auch ausreichen würden, um notfalls die volle Höhe der Schulden begleichen zu können.

Die Hoffnungen des ESV ruhen nun auf einem privaten Geldgeber, der dem Verein ein Darlehen geben soll. Schon das Finanzloch, das sich am Ende der jüngsten Spielzeit aufgetan hatte, stopfte der ESV mit Geld von Gönnern und Sponsoren. Zusätzlich sollen neue Geldgeber gewonnen werden. Ob sich neue Firmen angesichts der derzeitigen Situation des Vereins ohne weiteres bereit erklären, dem ESV Finanzspritzen zu geben, darf zumindest mit Skepsis betrachtet werden, auch wenn der Oberligist freudig vermeldet, dass die Suche nach neuen Partnern für die kommende Saison so „positiv, wie seit vielen Jahren nicht mehr“ läuft.

Dabei ist die nächste Spielzeit noch alles andere als gesichert – ein Grund, warum der Verein auch keine Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen bestätigen will. Alles läuft derzeit nur unter Vorbehalt – endgültige Verträge gebe es noch nicht. Während andere Vereine bereits seit Wochen kräftig ihre Kader füllen, schaut der ESV noch in eine ungewisse Zukunft.

Allerdings steht zumindest der neue Trainer fest – wenn es denn mit dem Verein weitergehen sollte. In Vereinskreisen ist es seit Wochen ein offenes Geheimnis, dass Joe West der Nachfolger von Doug Irwin an der Bande wird. Der 41-jährige Kanadier war zuletzt Co-Trainer beim Zweitligisten Bietigheim-Bissingen. Relativ sicher ist auch, dass keiner der ausländischen Spieler aus der vergangenen Saison erneut das Trikot der Tigers überstreifen wird. Zudem kehren Thomas Gödtel (Mighty Dogs Schweinfurt) und Thomas Brandstädter (Star Bulls Rosenheim) den Tigers definitiv den Rücken. Auch Christoph Splitter wird den Verein wohl in Richtung Rosenheim verlassen, vermeldet die Eishockey News. Ebenfalls unklar ist, ob Torhüter-Talent Dennis Endras in Bayreuth gehalten werden kann. Das hängt von den Zielvorstellungen der Tigers für die kommende Saison ab – in der Abstiegsrunde will der junge Keeper eigentlich nicht mehr spielen.

Die Zielvorgabe wiederum wird sich aber an der finanziellen Leistungsfähigkeit des Vereins orientieren müssen – und damit bleibt die Lösung der Bayreuther Geldprobleme die vordringlichste Aufgabe. Genügend Erfahrung im Umgang mit Finanzkrisen hat man in Bayreuth in den vergangenen Jahren ja zur Genüge gesammelt. Die Lage ist eben „sehr ernst und angespannt, aber nicht hoffnungslos“. Was immer das heißen mag. (Ingo Schorlemmer)

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