Das Bröckeln einer Liga - Der Kampf ums Überleben bestimmt das Geschehen

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Für Beobachter der Eishockey-Oberliga Nordost ist es derzeit nicht einfach, den Überblick zu behalten. An allen Ecken und Enden bröckelt die marode Liga, aus einzelnen Brennpunkten scheint sich langsam ein Flächenbrand zu entwickeln. Nach dem Aus des ERC Haßfurt hat es auch Höchstadt und Oberhausen schwer erwischt, Schweinfurt und Bayreuth reagieren mit Einsparungen im Kader. Da wird zur Nebensache, was eigentlich Hauptsache sein sollte: Am Freitag (19.30 Uhr) treffen die Bayreuth Tigers auf den Berliner SC Preussen, am Sonntag (19 Uhr) müssen sie bei den Hannover Indians antreten.

Die meisten Etats der Vereine in der Oberliga sind auf Kante genäht, jede kleinste Erschütterung reißt Löcher in die Zahlenwerke. Der Konkurs des ERC Haßfurt traf deshalb doppelt hart und in der Liga sind nun die Konsequenzen zu besichtigen. Sparen, sparen, sparen ist zur Devise geworden, nur um die Saison nicht verzeitig beenden zu müssen. Indikator der dramatischen Verhältnisse in Deutschlands dritthöchster Eishockeykonkurrenz sind die vielen Spielerwechsel, die derzeit über die Bühne gehen. Der ESV Bayreuth trennte sich zuletzt von Jonny Bärlund, dessen Vertrag zum 30. November auslief und nicht verlängert wurde. Die Kontingentstelle des Finnen wird bis zum Saisonende unbesetzt bleiben.

Die weit unter dem kalkulierten Zuschauerschnitt liegenden Mad Dogs Schweinfurt angelten sich zwar Verteidiger Markus Ploss aus der Haßfurter Konkursmasse, obwohl sie vergangene Woche noch verkündet hatten, angesichts der finanziellen Situation den kleinen Kader nicht aufstocken zu wollen. Der Gesinnungswechsel hatte wiederum finanzielle Ursachen: Der Wechsel des 22-Jährigen nach Schweinfurt kostet den Verein nichts, weil Ploss auf ein monatliches Gehalt verzichtet.

Großer Aderlass droht auch der Mannschaft der Revier Löwen Oberhausen. Zwei Spieler haben sich bereits aus dem Team verabschiedet und bei neuen Vereinen Unterschlupf gefunden. Drei weitere tragen sich offenbar ebenfalls mit Abwanderungsgedanken, nachdem die Gehälter gekürzt wurden. Umgehend hat der Verein begonnen, die entstehenden Personallücken wieder zu schließen – mit preisgünstigeren Alternativen. Immerhin erklärte Löwen-Gesellschafter Günther Engel, Oberhausen wolle die Saison ordnungsgemäß zu Ende spielen.

In Höchstadt werden sich Vereinsfunktionäre und Mitglieder am 11. Dezember zusammensetzen und über die Zukunft des Vereins beraten. Der Tabellenvorletzte hatte schon zu Beginn der Spielzeit gezögert, überhaupt in der Oberliga Nordost anzutreten. Wegen der geringeren Kosten wäre man viel lieber in der Südgruppe gestartet. Nächste Woche werden die Mitglieder über die sportliche und finanzielle Situation der Alligators informiert, anschließend sollen sie über den Verbleib in der Oberliga entscheiden.

Mit dem Zusammenstreichen der Kader öffnet sich die sportliche Schere zwischen armen und weniger armen Vereinen weiter. Hannover und die Berliner Preussen jedenfalls hatten zuletzt nicht mit Finanzproblemen auf sich aufmerksam gemacht. Berlin (5.) wittert längst seine Chance auf höhere Tabellenplätze. Fünf Punkte trennen sie vom Zweitplatzierten Leipzig, den sie jüngst mit 5:1 nach Hause schickten. Am Aufschwung soll vor allem der neue Torhüter Marko Suvelo mitwirken, der den immer wieder unsicheren Kai Fischer ersetzte.

Auch Hannover blickt lieber nach oben als nach unten. Sechs Punkte am vergangenen Wochenende und Platz 4 in der Tabelle – am Pferdeturm kann man zufrieden sein. Die Begegnung mit den Bayreuth Tigers wird für einen Hannoveraner sogar etwas Besonderes sein: Ex-Tigers-Coach Joe West steht nun bei den Indians als ehrenamtlicher Co-Trainer an der Bande. (Ingo Schorlemmer)

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