Bayreuth Tigers: Blamage zum Saisonabschluss

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Der Traum vom Deutschen Eishockey Pokal hatte keine Chance zu Ende geträumt zu werden. Mit einem großen Fehltritt am letzten Saisonspieltag stolperten die Bayreuth Tigers selbst aus dem Rennen. Nach dem blamablen 1:3 ausgerechnet bei den seit Wochen als Absteiger feststehenden Eisbären Kempten wurde den Tigers der Saisonabschluss noch einmal kräftig verhagelt.


Zugegeben, selbst mit einem Sieg hätte es für den ersten Platz der Tabelle – und damit für eine Teilnahme an der nächsten DEB-Pokalrunde – auch nicht gereicht. Aber Spitzenreiter Füssen tat sich mit dem Vorletzten Höchstadt sehr schwer, eine Niederlage war auch im Bereich des Möglichen. Aber dann hätte Bayreuth gleichzeitig in Kempten gewinnen müssen – und das lag in Anbetracht des Spielverlaufs jenseits jeder Vorstellungskraft.

Rund 60 Fans hatten den langen Weg ins Allgäu angetreten, um ihrer Mannschaft ein letztes Mal in dieser Saison zuzujubeln, um sie vielleicht doch noch in den DEB-Pokal zu brüllen. Nach der Schlusssirene mussten sie sich verärgert fragen, warum sie eigentlich die Strapazen der Fahrt auf sich genommen hatten.


Nichts mehr war übrig von der kämpferischen Mannschaft der Tigers, mehr als ein elendes Dahingegurke war nicht mehr zu sehen. Selbst der so oft so sichere Torhüter Dennis Endras, der große Lichtblick dieser Saison, war diesmal ein Schatten seiner selbst. Es hat nicht an Möglichkeiten gefehlt, dass Bayreuth aus dem letzten Spiel zumindest noch drei Punkte mitnehmen konnte, um so die Saison zumindest auf dem zweiten Platz abschließen zu können. Aber dazu muss man seine Chancen auch nutzen.

Nach der Trauervorstellung vom Sonntag muss der ESV auf der harten Bank des 5. Platzes den Sommer verbringen – und das auch noch ausgerechnet hinter dem Erzrivalen Selber Wölfe, die sich auf der Zielgeraden noch an den Tigers vorbeischlichen, obwohl sie die meiste Zeit der Saison in der Tabelle nur deren Rücken gesehen hatten.

Lustlos und emotionslos spulte der ESV sein Programm ab, hoffte auf das Ende der kräftezehrenden Saison und bekam stattdessen noch einen tüchtigen Tritt. Auch wenn das Spiel formell erst mit Klunds Treffer in das leere Bayreuther Tor endgültig entschieden wurde, nachdem Trainer Doug Irwin Torhüter Endras zu Gunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis geholt hatte, noch vor dem richtigen Beginn der Vertragsverhandlungen für die kommende Spielzeit hat sich diesmal niemand richtig empfohlen.


Auch der Verweis auf die fehlenden Robin Sochan (verletzt) und Christoph Splitter (gesperrt) mag nicht erklären, warum Bayreuth den Eisbären ihren ersten Sieg seit Wochen schenkte und die Allgäuer freundlich zumindest in den zweistelligen Punktebereich hievte. Ideenlos und überhastet traten die Tigers-Stürmer vor dem gegnerischen Tor auf, niemand wollte und konnte wirkliche Akzente für Bayreuth setzen. Insofern war der Kemptener Sieg alles andere als eine Überraschung, mehr als nur ein böses Spiel des sportlichen Schicksals. Der endgültige Abschied von Doug Irwin hätte angemessener ausfallen müssen.


Nun ist also der Sommer ausgebrochen, das Eishockey-Niemandsland. In den nächsten Wochen werden die beiden sportlichen Leiter Peter Diener und Peter Asanger sowie der dritte Vorsitzende Stefan Pletl an der neuen Mannschaft basteln. Konkret verhandeln, das haben sie betont, werden sie aber erst, wenn die Finanzierungslücke geschlossen ist, die sich aus einer alten Forderung aus Insolvenz-Zeiten ergeben hat. Deshalb gibt es aus Bayreuth noch keine Neuigkeiten zu vermelden, auch wenn den Spielern, die gehalten werden sollen, bereits Angebote vorliegen. Dabei darf man allerdings auch hoffen, dass sich das Stopfen des Finanzlochs nicht mehr allzu lange hinzieht, denn die anderen Vereine vermelden bereits fleißig Vertragsverlängerungen und haben ihre sensiblen Fühler nach Verstärkungen für ihre Teams ausgestreckt. Wohin Bayreuths neuer Weg im nächsten Winter führen wird, das entscheidet sich in den kommenden Monaten. Mitten im Eishockey-Sommer. (Ingo Schorlemmer)


EA Kempten – ESV Bayreuth 3:1 (1:0; 1:1; 1:0)

Tore: 1:0 (17.) Nadeau (Ollila; Überzahltor); 2:0 (26.) Becherer (Ollila); 2:1 (29.) Reid (Gödtel, Tremblay); 3:1 (59.) Klund (Empty-net-goal). – Schiedsrichter: Naunheim (Trier). – Strafminuten: 16 / 12. – Zuschauer: 400