Bayreuth: Talfahrt hält ungebremst an

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Vielleicht hat es ja wirklich an dem Heimkomplex gelegen, den Pressesprecher Michael Birkhan am Sonntag diagnostizierte. Das würde zumindest erklären, warum die Leistungen der Bayreuth Tigers in fremden Hallen besser ist als vor eigenem Publikum. Allerdings holte der ESV zehn seiner elf Pünktchen bei Heimspielen. Vielleicht war es dann doch nur die hohe Zahl an Fehlern, die den ESV gegen den SC Mittelrhein-Neuwied um Punkte brachte.

„Das Hoffen geht weiter“, klammerte sich Aushilfstrainer Dave Stevens an die letzten Strohhalme, die Bayreuth geblieben sind. Das Kopfschütteln geht aber auch weiter, und auf den Bayreuther Rängen ist längst der letzte Funken Enthusiasmus erloschen. Frust bahnt sich den Weg. Die verbliebenen 696 Zuschauer tragen Trauer, denn die sportliche Talfahrt der Tigers hält ungebremst an und es stellt sich immer dringender die Frage, wer sie bremsen soll.

Stefan Kagerer, lautet die Antwort. Der ehemalige Haßfurter Coach sah sich seine künftigen Angestellten am Sonntag schon einmal von der Tribüne aus an. Doch was er erblickte, ließ ihn immer wieder mit dem Kopf schütteln. Individuelle Fehler en masse, ein Aufbauspiel, das seinem Namen nicht gerecht wurde, wenig Ideen im Spiel nach vorne – die Liste der Mängel, die das Team wieder einmal offenbarte, ist lang. Auf Kagerer wartet eine Menge unerledigter Arbeit, auch wenn offiziell niemand die Festlegung auf den Ex-Haßfurter als neuen Coach zugeben will. „Auch ein Kagerer kann sich mal ins Auto setzen und die Mannschaft anschauen“, wehrte Vorsitzender Karsten Kamper alle Spekulationen ab. Erklärt wird nur, dass zum 15. Dezember beziehungsweise 1. Januar ein neuer Trainer an der Bande stehen wird. Die Entscheidung soll gut überlegt sein, heißt es, weil sie auch in der kommenden Saison noch tragen soll. Doch angesichts der sportlichen Misere schwinden die Zuschauer und damit auch die Einnahmen, die den Verein die nächste Saison überhaupt ermöglichen können. Noch nie in dieser Spielzeit hat der ESV seinen kalkulierten Zuschauerschnitt erreicht.

Zunächst steht aber der sportliche Aufbau im Vordergrund, denn mit ihm steht und fällt alles. Zehn Minuten gutes Spiel im dritten Drittel, wie Stevens es gesehen hatte, reichen jedenfalls bei weitem nicht aus. Da mag es fast schon erleichtern, dass auch Gästecoach Fred Caroll mit seiner Truppe nicht zufrieden war: „Das Spiel war nur vom Ergebnis her eindeutig. Aber meine Mannschaft war nicht fähig, über 60 Minuten Leistung zu bringen. Für manchen war das Spiel nach 40 Minuten gelaufen.“ Bayreutherseits sollte man sich besser nicht ausmalen, was passiert wäre, hätte Neuwied die Vorgabe seines Trainers nach 60 Minuten voller Konzentration konsequent verfolgt.


Immerhin gab es auch Lichtblicke. Die erste Reihe um Tom O’Grady und Dave MacIntyre zeigten sich ihrem potenziellen neuen Trainer auf der Tribüne von ihrer guten Seite. Keineswegs zufrieden war Aushilfscoach Stevens jedoch mit seinen jungen Akteuren: „Die jungen Spieler wollen ständig Eiszeit, haben aber nichts gezeigt.“ Jeder einzelne müsse sich seinen Platz im Team erst einmal verdienen.

Da trifft es den Trainer doppelt hart, dass es nun auf der am besten besetzten Position in der Mannschaft eine ganze Reihe Ausfälle gibt: Torhüter Benjamin Voigt, seit Wochen einer der besten Bayreuther, zog sich bei einem Zusammenprall vermutlich eine Zerrung zu, Backup-Goalie Felix Feeser ist zwar auf dem Weg der Besserung, kann aber noch nicht mittrainieren. Da bleibt also nur noch Aushilfstorhüter Martti Hirvonen übrig, der in den 31 Minuten, die er spielte, vier Tore kassierte, ohne dass ihn große Schuld daran traf. Immerhin dürfte der zuletzt fehlende Stürmer Michael Pastika nächste Woche wieder auf dem Eis stehen.

Und noch einen Lichtblick gibt es: In der neu ins Leben gerufenen Qualifikationsrunde zum DEB-Pokal, in der die Spielausfälle nach dem Rückzug des ERC Haßfurt aufgefangen werden sollen, besteht für den ESV eine reelle Chance zum Weiterkommen. In allen vier Spielen treffen die Tigers dabei auf die Höchstadt Alligators, die punktgleich ebenso verloren am Tabellenende der Oberliga Nordost herumdümpeln wie Bayreuth. (Ingo Schorlemmer)


Bayreuth Tigers – SC Mittelrhein-Neuwied 4:8 (0:2; 2:4; 2:2)


Tore:

0:1 (7.) Kujala (4 gegen 4); 0:2 (14.) Stolikowski (Majer; Überzahltor); 1:2 (21.) O’Grady (MacIntyre, Stoyan); 1:3 (26.) Stolikowski (Kujala, Majer); 1:4 (29.) Mulock; 1:5 (37.) Davis (Mulock, Stärk); 1:6 (39.) Kalinowski (Hergt, Mulock; Überzahltor); 2:6 (39.) MacInytre (Barta); 2:7 (42.) Petry (Schmidt, Hergt); 3:7 (49.) MacIntyre (Barta, O’Grady; Überzahltor); 4:7 (52.) Barta (O’Grady, MacIntyre; Überzahltor); 4:8 (55.) Kujala (Schmidt, Hergt)


Schiedsrichter: Sicorschi (Waldkraiburg). – Strafminuten: 14 / 18. – Zuschauer: 696


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