Bayreuth: Mini-Kader gegen Selbstvertrauen

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Die Bayreuth Tigers benötigen dringend ein Erfolgserlebnis in der Eishockey-Oberliga Nordost, um aus der sportlichen Krise zu kommen. Vier Punkte aus sieben Spielen – das ist zuwenig, um in Deutschlands dritthöchster Spielklasse ernsthaft in der Diskussion um Platz 6 mitreden zu können. Am Freitag (19.30 Uhr) beim Berliner Schlittschuhclub Preussen und am Sonntag (18 Uhr) zuhause gegen die Hannover Indians hat der ESV zwei neue Chancen, sich ein bisschen aus dem Tabellenkeller zu befreien.

Allerdings sind die Gegner alles andere als Punktelieferanten, sie besitzen im Moment wesentlich mehr Selbstvertrauen als Bayreuth. Und sie besitzen auch wesentlich mehr Spieler. Das Null-Punkte-Wochenende in der vergangenen Woche musste Tigers-Trainer Joe West mit einem arg dezimierten Kader über sich ergehen lassen. Nur zwei Mittelstürmer hat er zur Verfügung, nachdem Jeremy Cheyne aus der Mannschaft flog. Zudem verletzten sich auch noch Verteidiger Manuel Bayer und Stürmer Christoph Splitter.

Nun ist der Verein auf der Suche nach Verstärkung. In den nächsten Tagen soll die offene Ausländerposition wieder besetzt werden, zudem haben die Tigers sich auf die Suche nach einem weiteren Verteidiger begeben. Noch kann der ESV aber keinen Vollzug melden, so dass einige Spieler auch an diesem Wochenende Überstunden auf dem Eis machen müssen – eine riesige konditionelle Belastung.

Wie Joe West in der vergangenen Woche war auch der Berliner Headcoach Andreas Brockmann gezwungen, seine Reihen neu zusammenzustellen. Die Niederlage seiner Preussen ausgerechnet gegen den Stadtrivalen Eisbären Juniors hatte ihm die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Über mangelnde Einstellung und arrogante Spielweise seiner Mannschaft schimpfte Brockmann laut und deutlich: „Wir sind noch kein Team. Ob wir eines werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.“

Sprach’s und zog die Zügel an. Den „unprofessionellen Lebenswandel einiger Akteure“ wollte der Coach nicht mehr dulden und ließ zur Strafe künftig auch am Morgen trainieren. Der Erfolg gibt ihm recht: Gleich zwei Siege in Folge feierten die Berliner am vergangenen Wochenende in Höchstadt und gegen Schweinfurt. „Vielleicht war das in Hohenschönhausen der richtige Dämpfer zur richtigen Zeit“, vermutet Brockmann, dessen derzeit wichtigster Spieler momentan angeschlagen ist. Scott Matzka konnte gegen Schweinfurt nur mit Schmerz lindernden Medikamenten auflaufen und war dennoch an vier der fünf Preussen-Tore beteiligt. Ansonsten müssen eben andere große Namen im Berliner Kader die Kohlen aus dem Feuer holen, beispielsweise der ehemalige DEL-Star Ivon Corriveau.

Eine Paradereihe kann auch der Hannoveraner Trainer Greg Thomson aufbieten. Oliver Ciganovic, Peter Fragoe und Devin Rask sind die richtige Mischung, die die Hannover Indians in die oberen Regionen der Tabelle schießt. Aber Thomson hat gegenüber Bayreuth noch einen weiteren Vorteil: Er kann nämlich vier Angriffsreihen aufs Eis schicken, was sich als konditioneller Vorteil erweisen kann.

Auch die Indians haben zuletzt kräftig Selbstvertrauen getankt. Beim bis dato ungeschlagenen Tabellenführer Dresden gelang den Niedersachsen ein viel beachteter 4:2-Sieg. Der darauf folgende 5:0-Erfolg über Höchstadt bescherte dem hoch gelobten Torhüter Roman Kondelik sogar seinen ersten Shut-out. Die Mannschaft um Regisseur Ron Gaudet hat also genug Schwung, um in den Spielen gegen Haßfurt und Bayreuth erneut eine Ausbeute von sechs Punkten anzustreben. (Ingo Schorlemmer)

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