Bayreuth: Folgt Interim auf Interim? - Dennis Almagro kommt aus Haßfurt

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Endlich wieder durfte er ins Warme. An die 33 Grad Arbeitstemperatur hatte er sich längst gewöhnt. Der kalten Luft im Bayreuther Eisstadion wollte er sich deshalb nur zwei Mal aussetzen. Anton Doll hat seine Sache als Interimstrainer der Bayreuth Tigers seit Sonntag hinter sich, nun folgt ihm Peter Asanger – wiederum als Interim.

Wenn es am Freitag (20 Uhr) in Leipzig und am Sonntag (18 Uhr) vor eigenem Publikum gegen Neuwied um drei Punkte geht, wird wohl Asanger an der Bayreuther Bande stehen. Interim löst also Interim ab. Am späten Mittwochabend jedenfalls hatte der Verein noch keinen regulären Nachfolger des entlassenen Trainers Joe West präsentiert. Asanger würde, da er noch keinen Trainerschein besitzt, mit einer Ausnahmegenehmigung der Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft (ESBG) an der Bande stehen. West jedenfalls hat inzwischen eine neue Bleibe gefunden. Er wird künftig als ehrenamtlicher Co-Trainer beim Bayreuther Ligakonkurrenten Hannover Indians amtieren.

Die Gegner, auf die Asanger mit seiner teils erneuerten Mannschaft trifft, sind jedenfalls alles andere als leichte Konkurrenten. Leipzig steht auf Platz zwei, Mittelrhein auf drei. Da wird der neue Verteidiger Tim Donelly alle Hände voll zu tun haben.

Ein ähnlich rotierendes Personalkarussell wie in Bayreuth wünscht sich derzeit auch Leipzigs Trainer Frank Gentges. Angesichts der 1:5-Niederlage gegen die Preussen Berlin forderte er neue Namen für seinen Kader. Die Preussen hatten personell aufgerüstet, was Gentges für die Niederlage verantwortlich machte. Plötzlich sieht der Coach des Zweitplatzierten angesichts der Personalpolitik der anderen Vereine langfristig keine Chance mehr für den eigenen Club.

Doch Sportlicher Leiter Dietmar Habnitt bremst: Ohne Ausdünnen des Kaders sind Neuverpflichtungen nicht möglich. Das Problem: Die beiden Kandidaten für einen Rausschmiss, Daniel Just und Hendrik Bärschneider, können nicht so leicht abgegeben werden. Just fiel beim Regionalligisten Halle durch, Bärschneider brachte sich selbst mit Schweinfurt in Verbindung. Doch die Mad Dogs aus Unterfranken stellten am Dienstagabend klar, dass auch sie sich finanziell am Existenzminimum befinden. Der Rückzug des Lokalrivalen ERC Haßfurt trifft die Schweinfurter hart, so dass sie erst einmal einen Einstellungstopp verhängten. Einzig der ehemalige Schweinfurter Topstürmer Mikhail Nemirowski hat eine Chance auf Rückkehr, obwohl die Mad Dogs derzeit gerade über nur acht Stürmer verfügen.

Angesichts der miesen Finanzlage in der Oberliga Nordost beschäftigt sich auch die für den Spielbetrieb verantwortliche ESBG am Wochenende voraussichtlich mit Lösungsmöglichkeiten. So wird laut vorläufiger Tagesordnung vorgeschlagen, die beiden spielfreien Vereine, nämlich der ursprüngliche Gegner des insolventen ERC Haßfurt und der in der eigentlich aus elf Vereinen bestehenden Liga ohnehin spielfreie Verein, könnten Partien gegeneinander austragen, damit die Einnahmeausfälle nicht zu hoch werden. Für die nächste Saison wird sogar über eine mögliche Auflösung der Oberliga Nordost und eine Aufstockung der Zweiten Bundesliga nachgedacht.

Davon könnte auch der SC Mittelrhein-Neuwied profitieren, der derzeit auf dem dritten Tabellenplatz steht. Die Bären, die am Sonntag in Bayreuth antreten, haben immerhin in den jüngsten beiden Auswärtsspielen gewonnen. Außerdem ist der ehemalige Haßfurter Peter Kalinowski zum SCM gestoßen, um dort die Abwehr weiter zu verstärken. Und auch Justin Davis, seit dem 10. Oktober torloser Stürmer, hat zuletzt gleich zwei Mal getroffen. Übrigens: Seinen letzten Treffer vor der langen Torflaute erzielte Davis gegen Bayreuth.

In einer kurzfristigen Aktion – gestern wurden die letzten Gespräche geführt – konnten die Bayreuth Tigers einen weiteren Spieler vom insolventen ERC Hassfurt verpflichten. Nach Tim Donnelly wechselt der 20-jährige Stürmer Dennis Almagro nach Bayreuth. Almagro hat in 15 Spielen für Haßfurt überzeugt: Vier Tore und vier Vorlagen konnte der 197 cm große und 92 kg schwere Rechtsschütze sammeln. Bei den Haien wurde er als Mittelstürmer eingesetzt und konnte fast 80% seiner Bullys gewinnen. In den letzten zweieinhalb Jahren stand der gebürtige Frankfurter in Amerika auf dem Eis. Im Vorjahr für die Traverse City Enforcers (CEHL), die in einer der höchsten Juniorenligen in den Staaten spielten. Dort kam er in 40 Spielen auf 52 Skorerpunkte, davon 19 Treffer. Vor der Saison stand die sportliche Leitung der Tigers bereits in Kontakt zu Almagro, der sich dann doch für Hassfurt entschied. Durch die Einstellung des Spielbetriebes der Unterfranken nahm man erneut Kontakt miteinander auf und einigte sich auf einen Vertrag. Dennis Almagro, der in der DNL schon für die Frankfurt Lions spielte und auch schon eine Förderlizenz für die DEL hatte, wird bereits heute Abend mit der Nummer 9 auflaufen. (Ingo Schorlemmer)


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