Bayreuth: Capitals ein unberechenbarer Gegner

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Es ist das alte Lied im deutschen Eishockey, das immer wieder in der Weihnachtszeit gesungen wird: „Wer soll das bezahlen ...“ Wieder einmal hat es in der Eishockey-Oberliga einen Verein böse erwischt: die Berlin Capitals, bei denen die Tigers am Sonntag (15 Uhr) antreten müssen.

200 000 Euro fehlen dem Hauptstadtclub, weil zwei Sponsoren insolvent sind oder andere Geldgeber zu spät zahlen. Mit anderen Worten: Berlins Schatzmeister muss plötzlich jeden fünften Euro in seinem Etat ersetzen. Sein Heil sucht der Ex-DEL-Club im Verkauf von Kapitän Marco Rentzsch nach Bremerhaven, die verbliebenen Spieler müssen Gehaltskürzungen von 20 Prozent hinnehmen. Berlins Bester, der Kanadier Hugo Giguère, hatte schon seine Koffer gepackt, um zurück in die Heimat zu fliegen, weil die Capitals kein Geld überwiesen. Das Oktober-Gehalt ist das einzige, was Berlins Spieler Presseberichten zufolge bisher gesehen haben.

Die Fans sind sauer, dass sich in Berlin Geschichte anscheinend wiederholt. Schon in der vorletzten Saison hatte der Goldesel der Capitals zu wenig ausgeworfen. Kein Geld, um das Auftreten in Deutschlands höchster Spielklasse DEL zu bezahlen. Was folgte, war der Absturz in die Untiefen der Regionalliga. Gleich darauf wieder der Aufstieg in die Oberliga – Ziel war die Teilnahme an der Aufstiegsrunde.

Weit gefehlt. Selbst Trainer Andreas Brockmann gab im Dezember zu, dass „unser Saisonziel einfach zu hoch gesteckt ist“. Zu wechselhaft waren die Leistungen der Mannschaft, die zwar zuletzt Siege gegen Dresden oder Weißwasser verbuchte, aber vor allem auswärts immer wieder patzte. Heimstark, auswärtsschwach – das sind die Capitals dieser Saison. Ob es das Team in der nächsten Saison noch geben wird, steht derzeit in den Sternen: Mittlerweile kursieren Gerüchte in der Hauptstadt, denen zufolge der Verein in der kommenden Saison keine Herrenmannschaft mehr aufstellen werde. Auch über eine Fusion mit dem DEL-Club Eisbären Berlin ist schon nachgedacht worden.

Die Fans geben ihrem Team keine Schuld an der Misere, ihr Zorn richtet sich gegen das Führungstrio um Präsident Lorenz Funk. Dieser Kapitän stand schon auf der Brücke als der DEL-Tanker auf Grund lief. Geschichte wiederholt sich eben.

Ein kleines Fünkchen Hoffnung auf die Teilnahme an der Aufstiegsrunde glimmt noch bei den Capitals, zumal Brockmanns Mannen zuletzt Weißwasser schlugen. Damit es aber nicht verglüht, müssen die Berliner gegen Bayreuth am Sonntag punkten. Das wollen die Tigers jedoch verhindern, denn auch für sie geht es um Platz fünf. Tigers-Trainer Doug Irwin hofft dabei auf das gestärkte Selbstvertrauen in seinem Team, nach den beiden Überraschungserfolgen gegen Spitzenreiter Bremerhaven. Und auf die Unterstützung von zahlreichen Bayreuther Fans: Statt eines Sonderzuges fahren Busse in die Hauptstadt. (Ingo Schorlemmer)

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