Bareuth: Jetzt ist die Krise offiziell

Kampf an mehreren Fronten - Suche nach GeldgebernKampf an mehreren Fronten - Suche nach Geldgebern
Lesedauer: ca. 3 Minuten

Doug Irwin rang nach einer Erklärung. Womit ist die Leistung seiner Tigers noch zu entschuldigen? Worin liegen die Gründe für die katastrophalen Auftritte des Teams? Erst nach endlosen Sekunden fand er Worte: „Wir stecken in einer Krise.“ Eine Erkenntnis, die in den vorangegangenen Spielminuten offensichtlicher nicht hätte werden können: Fassungslos mussten die Bayreuther Fans das 3:6-Debakel bei den Stuttgart Wizards mitverfolgen.

Spätestens nach der Katastrophe vom Freitag ist klar: Die Tigers müssen ihre Erwartungen in der Abstiegsrunde deutlich nach unten korrigieren. Sie zählen mittlerweile zu den Schlechtesten der Schlechten, denn der Auftritt in Stuttgart wäre mit dem Wort „Armutszeugnis“ fast noch beschönigt. Jetzt muss der ESV darauf achten, vom Abstiegsstrudel nicht in die Tiefe gezogen zu werden.

Ratlosigkeit scheint sich breit zu machen bei den Tigers. Selbst eine mannschaftsinterne Aussprache über die Gründe der mangelnden Einstellung hat nichts geholfen. Dabei hatte Coach Irwin vom Mittwochs-Training noch berichtet, es sei das beste seit Wochen gewesen. Am Freitag schien aber wieder alles vergessen, trotz des hervorragenden Blitzstarts: Brandstädter und Tremblay hatten die Tigers schon mit 2:0 in Führung geschossen, doch danach ging es unaufhaltsam abwärts.

Vor allem in den letzten 20 Spielminuten taten die Tigers alles, um sich vollends zu blamieren. Vergebens hatte Irwin versucht, sein Team mit einer Auszeit wieder auf Linie zu bringen. Nichts ist mehr übrig von den guten Ansätzen des Jahresbeginns. Noch zu Beginn der Abstiegsrunde hatte Irwin als Ziel die vorderen Tabellenplätze angegeben, immerhin geht es noch um die Teilnahme am DEB-Pokal. Ohne einen deutlichen Ruck im Team werden sich die Fans allerdings an den dunklen Tabellenkeller gewöhnen müssen. Sie demonstrierten bei einem Sitzstreik am Mannschaftsbus der Tigers, dass sie sich damit allerdings keinesfalls anfreunden werden.

Schon gegen Miesbach am vergangenen Freitag hatten sich deutlich weniger Zuschauer ins Bayreuther Eisstadion verirrt als gehofft, und damit steigt der finanzielle Druck auf den Verein. Mit den Zuschauereinnahmen muss der ESV den Grundstock für die nächste Saison legen; weniger Besucher bedeuten weniger Einnahmen, die der Verein in das neue Team investieren kann. Die enttäuschenden Vorstellungen der vergangenen fünf Spieltage könnten den ESV in ein enges finanzielles Korsett zwängen, das dem Verein die Luft abschnürt. Doch noch ist es nicht soweit, die Einnahmen aus der Doppelrunde lagen schließlich über den Erwartungen. Von ihnen kann der Verein noch zehren.

Dennoch müssen Trainer und Mannschaft schnellstmöglich einen Weg aus dem spielerischen Sumpf finden. Doug Irwin appellierte am Freitag noch einmal dringend an die mannschaftliche Geschlossenheit, die nun notwendig sei, um die Krise zu überwinden. Dann müssen die Spieler aber erst einmal die Fehler abstellen, die Irwin ebenfalls beschrieb: „Wir haben die 2:0-Führung durch dumme Fehler und unnötige Strafzeiten verspielt, und das Team ist auseinander gebrochen. Wir haben 30 Minuten lang schlecht gespielt.“ Für ihn sei der Freitagabend eine Riesenenttäuschung gewesen. Selbst die Rückkehr von Petr Precan in Irwins Team konnte die Katastrophe nicht lindern.

Stuttgarts Coach Wilbert Duszenko hatte es bei der Spielanalyse hingegen leichter. Er konnte sich freuen, dass „wir vor allem im zweiten und dritten Drittel mehr Druck gemacht haben und mehr Chancen hatten“. Nach dem Fehlstart hatten sich die Wizards zurück ins Spiel gekämpft und am Ende auch verdient gewonnen. „Kompliment an mein Team, das nach dem Rückstand geschlossen aufgestanden ist und die Partie noch umgebogen hat“, freute sich der Trainer. Während Stuttgart erst einmal befreit durchatmen kann, versinkt Bayreuth im großen Grübeln. (Ingo Schorlemmer)

Stuttgarter EC – ESV Bayreuth 6:3 (1:2; 2:0; 3:1)

Tore:

0:1 (5.) Brandstädter (Überzahltor); 0:2 (7.) Tremblay (Jun, Precan; Unterzahltor); 1:2 (15.) Jaufmann (Gaube, Seeberger); 2:2 (24.) Hessel (Seeberger); 3:2 (31.) Westerkamp (Sicinski, Jaufmann; Überzahltor); 4:2 (50.) Holmes; 4:3 (54.) Sochan (4-4); 5:3 (54.) Westerkamp; 6:3 (57.) Sicinski (Hofstrand)

Schiedsrichter: Koch (Peiting). – Strafminuten: 14/10. – Zuschauer: 719