Bären basteln am personellen Feinschliff

Bären basteln am personellen FeinschliffBären basteln am personellen Feinschliff
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Wenn am kommenden Dienstag die sportinteressierte Nation vor dem Fernseher in Sachen Fußball-EM engagiert ist, sitzt Neuwieds Trainer Fred Carroll im Flieger. Für ihn heißt es Ausspannen und in Kanada vier Wochen Urlaub zu machen. Am Montagabend trifft derweil der Übungsleiter letzte Absprachen mit Sportdirektor Mario Naster, um der Mannschaft einen personellen Feinschliff zu geben. Das Gerüst steht. Der erste Neuzugang für den Eishockey-Oberligisten SC Mittelrhein-Neuwied ist der 26-jährige kanadische Stürmer Justin Davis. Vom letztjährigen Kader verlängerten in den vergangenen Tagen Ole Kopitz, Harry Kulczynski, Stephan Petry und Alexander Neurath. Die Unterschriften von Sami Leinonen, Ladislav Strompf, Jens Hergt und Moritz Schmidt sind Formsache. Dementiert hat Carroll allerdings Gerüchte, dass Ralf Stärk (zuletzt Crimmitschau), Hardy Gensel (Berlin Caps) und Vitalij Karpenko (Stuttgart) zu den Bären (zurück) wechseln. "Mit diesen Spielern ist nicht gesprochen worden", sagt der Kanadier.

Im Gegensatz zum Vorgängerverein EHC Neuwied ist der SC Mittelrhein-Neuwied mit Newcomern aus Nordamerika in seiner vierjährigen Vereinsgeschichte noch nicht glücklich geworden. Peter Ward bestritt in der Premierensaison des SCM gerade ein Meisterschaftsspielin Luxemburg und wurde für zu leicht befunden. Unvergessen ist noch der Zirkus um die Nordamerikaner des Vorjahres, Tyson Mullock und Jeff Attard, die während der Vorbereitung den Bären den Rücken kehrten sowie Verteidiger Brandon Janes, von dem sich die Neuwieder nach den ersten beiden Punktspielen wieder getrennt hatten. Das soll sich bei Justin Davis nicht wiederholen. "Ich habe von ihm nur das Beste gehört." Regelrecht ins Schwärmen kommt Bärenbändiger Fred Carroll, wenn man ihn auf den ersten Neuzugang im Neuwieder Kader anspricht. Davis spielte zuletzt mehrere Jahre an der University of Western Ontario und markierte rund 1,8 Punkte pro Spiel. Von seinen Körpermaßen kann man ihn mit dem Münchner Angreifer Peter Brearly vergleichen. Das wichtigste ist für Trainer Carroll der Umstand, dass sein neuer Schützling mit rechts schießt. "Das war ein Manko in der vergangenen Saison. Das hat sich beim Überzahlspiel gezeigt, weil wir da zu linkslastig waren." Probleme mit Davis, er könnte nach wenigen Tagen Heimweh bekommen, sieht der Neuwieder Übungsleiter nicht. "Davis hat mit seiner Frau ein Studium zum Lehrer abgeschlossen. Er will sich in Deutschland als Profi durchsetzen und hat Angebote aus Frankreich und Italien abgelehnt."

Von den fünf Ausländerpositionen sind somit zwei bei den Bären besetzt. Die Zusage von Abwehrspieler Sami Leinonen scheiterte am Wochenende durch ein defektes Faxgerät. "Wir haben den Vertrag Samis Freundin nach Bad Nauheim geschickt. Da wird nichts schief gehen", glaubt Carroll. Abwarten heißt es bei Janne Kujala. Der letztjährige Oberliga-Torschützenkönig kämpft in seiner finnischen Heimat Ende Juli in Tampere um einen Platz in einem so genannten Try-Out-Camp. Rund 30 bis 40 Spieler versuchen dort, einen der drei offenen Plätze im Kader des Erstligisten Tampere zu ergattern. Aus diesem Grund werden sich die Bären in der Personalie Kujala jede Menge Zeit lassen. "Das sind wir ihm schuldig. Janne hat signalisiert, wenn es nicht klappen sollte, will er zu uns zurück." Die letzte freie Ausländerposition soll mit einem jungen nordamerikanischen Stürmer besetzt werden. Hier hat Fred Carroll die Qual der Wahl.

In der vergangenen Woche wurden die Vertragsverlängerungen von Ole Kopitz, Stephan Petry, Harry Kulczynski und Alexander Neurath bekannt gegeben. Neurath rückt von der 1b/Junioren-Mannschaft endgültig in den Oberliga-Kader. Er bestritt in der Saison 2002/03 bereits ein Punktspiel für die Bären in Miesbach. Von Ole Kopitz "erwarte ich mindestens die gleiche Leistung wie im Vorjahr", sagt Trainer Carroll. Er setzte wie kein Trainer zuvor auf den Allrounder, der es mit 17 Saisontoren dankte. Sollten die Neuwieder Sturmreihen in der neuen Spielzeit ausgeglichener als im Vorjahr sein, ist eine Steigerung von Kopitz` Bilanz problemlos möglich. "Wenn er das Vertrauen vom Trainer spürt, zahlt er es mit Leistung zurück", unterstreicht Carroll. Für Stephan Petry gilt es, nach seiner Verletzung wieder schnell auf die Beine zu kommen. Kann das Eigengewächs mit der Mannschaft ins Training einsteigen, hat Petry gegenüber dem Vorjahr einen deutlichen Vorsprung. Schließlich hat er sich durch seine dauerhaften Einsätze in der zweiten Saisonhälfte an das Oberliga-Tempo gewöhnt und taktisch gut verbessert können. Steigerungen erwartet der Neuwieder Übungsleiter von Harry Kulczynski. "Ich erwarte mehr Körpereinsatz. Bei seiner Statur müssen die gegnerischen Spieler Respekt haben, wenn sie mit ihm in den Zweikampf gehen." Ganz so kritisch will Carroll mit seiner Aussage nicht sein, denn "gegen Saisonende hat Harry ungefähr so gespielt, wie ich es erwartet habe". Ein Punkt dieser Entwicklung könnte eine enorme Gewichtsabnahme gewesen sein. Carroll: "Ich habe noch nie erlebt, wie ein durchtrainierter Spieler im Laufe einer Spielzeit zehn Kilogramm abgenommen hat." (lim)

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