„Alles andere ist sekundär“

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Die turbulente letzte Saison hat sicherlich Spuren hinterlassen, und die neue Saison steht quasi vor der Tür. Lassen Sie uns kurz die vergangene Spielzeit mit ein paar Sätzen aufarbeiten. Was ist das Fazit aus der sportlich erfolgreichen, aber dennoch verkorksten Saison?

„Wir spielen wieder in Herne – alles andere ist sekundär. Aufgrund der Eishallenproblematik bis März nicht in Herne spielen zu können, war mehr als bitter. Glücklicherweise haben uns Gelsenkirchen und Duisburg vorübergehend ausgeholfen. Dahingehend sind wir einfach nur froh, wieder am geliebten Gysenberg trainieren und spielen zu können. Nun scheinen Bad Nauheim, Essen und Dortmund ähnliche Probleme zu haben, weshalb Eiszeiten in anderen Hallen angemietet werden müssen. Ich hoffe, dass alle drei Clubs möglichst schnell wieder in ihre Eishallen zurückkehren können.“

Sie sind seit dem 1. September nicht nur Geschäftsführer der 1. Mannschaft des Herner EV, sondern in gleicher Position auch für die Eissporthalle verantwortlich. Wird es da Veränderungen geben, und hat der Herner Eissport dadurch Vorteile? Da sie ja jetzt für beides zuständig sind?

„Die Vorteile sind grundsätzlich wirtschaftlicher Natur, aber auch im organisatorischen Bereich. Insgesamt sehe ich darin ausschließlich Vorteile für den Herner Eissport.“

Herr Pape ist weiterhin Betreiber der Halle am Gysenberg und der in Duisburg. Desweiteren ist er in beiden Spielbetriebs-GmbHs. Dadurch dass beide Vereine nun in der gleichen Liga spielen, gibt es da nicht einen Interessenkonflikt?

„Entscheidend ist, dass die Lizenzen bei den Stammvereinen liegen. Herr Pape ist weder Vorstandsmitglied beim EVD noch beim HEV. Insoweit sehe ich keinen Interessenkonflikt. Dass er sowohl das Herner als auch das Duisburger Eishockey unterstützt, ist eine gute Sache.“

Die auch von den Fans geforderte „Straßenbahnliga“ beginnt in einigen Wochen. Durch die Ligareform halten sich die weiten Auswärtsfahrten in Grenzen und die Kader der Teams in der Oberliga West stehen fast fest. Auch der des Herner EV. Geben sie uns doch einen kurzen Ausblick auf die Saison aus Sicht ihrer Mannschaft und dem Rest der Liga.

„Die Oberliga West ist ausgeglichener als die Oberliga in der vergangenen Saison. Die Favoriten sind Duisburg, Bad Nauheim und Essen. Diese drei Teams verfügen über einen besseren Kader als der Rest der Liga. Ich erwarte einen spannenden Kampf um Platz vier, wobei ich leichte Vorteile bei Dortmund, Hamm und Herne gegenüber Ratingen, Neuss und Königsborn sehe.“

Am Sonntag gelang ein deutlicher Sieg in Unna, obwohl das Herner Team vier Tage zuvor erstmals auf dem Eis stand und der KJEC bereits seit Wochen trainiert. Widerspricht das nicht Ihrer Aussage von der ausgeglicheneren Oberliga?

„Ja und nein. Was das Ergebnis betrifft, stimme ich Ihnen zu, allerdings sollte man das nicht überbewerten. Es war lediglich ein Testspiel. Ich kann nicht bewerten, in welcher Trainingsphase Unna war. Vermutlich befinden sie sich Mitten im Konditionsaufbau, was die nicht vorhandene Antrittsschnelligkeit erklärt. Unser Team kommt erst noch in diese Phase und wird dann ähnliche Probleme haben. Insgesamt war es ein rabenschwarzer Tag für die Mannschaft von Willi Tesch. Am ersten Spieltag werden wir definitiv eine andere Königsborner Mannschaft am Gysenberg sehen. Letzte Saison war unser wichtigstes Testspiel gegen Bremerhaven unmittelbar nach einem zwölftägigen Trainingslager und wir gingen 3:8 unter. Zuvor sahen wir gegen die DEL-Teams aus Iserlohn und Wolfsburg sehr gut aus. Testspiele lassen sich insoweit nur schwer bewerten.“

Das komplette Team des letzten Jahres wurde ausgetauscht, inklusive des Trainers. Ist die Fluktuation da nicht zu groß?

„Die Fluktuation ist eigentlich zu groß, allerdings kamen viele Spieler wieder zurück, die in den letzten Jahren bereits im HEV-Trikot gespielt haben. Somit hat man nun kein „neues“ Team. Sicherlich hätten wir Dennis Fischbuch, Joel Keussen, Jan-Niklas Pietsch, Dustin Schumacher, Christoph Ziolkowski und Christopher Schadewaldt gerne gehalten. Alle spielen weiterhin Oberliga, allerdings verdienen sie in anderen Clubs mehr als bei uns bzw. bleibt aufgrund geringer Fahrtkosten unterm Strich mehr über.“

Viele Helden des Aufstiegs vor zwei Jahren kommen zum Gysenberg zurück. Das wird auch von den meisten Fans honoriert. Aber im Wettrüsten mit den anderen Teams scheint der Herner EV etwas ins Hintertreffen zu geraten. Was sagen sie zum Aufrüsten der Vereine der Oberliga und wie ist der Planungsstand beim Herner EV?

„Wir haben bereits im April angekündigt, unsere Personalkosten deutlich zu reduzieren. Davon haben wir andere Teams auch in Kenntnis gesetzt. Daher freut es mich, dass sich die Kollegen aus Dortmund für einen ähnlichen Weg entschieden haben. Weder die Elche noch wir sollten mit Duisburg, Bad Nauheim und Essen mithalten können. Von einem Wettrüsten würde ich nicht sprechen. Welcher Oberliga-West-Club ist im Moment wirtschaftlich in der Lage, in der 2. Bundesliga zu spielen?“

Eine letzte und abschließende Frage noch zum weiteren Vorgehen: Der Herner EV hat nun auch etliche Jugendtrainer verpflichtet und scheint endlich in die richtigen Bahnen gelenkt zu werden. Was sind Ihre persönlichen Ziele und wo führt der Weg des Herner Eissports hin.

„Es war wichtig, wieder sämtliche Nachwuchs-Teams zu melden und unseren Trainerstab auszubauen. Viele junge Spieler sind wieder zum HEV zurückgekehrt. Damit ist der Grundstein gelegt. Ziel ist es eine ähnlich erfolgreiche Nachwuchsabteilung aufzubauen wie beispielsweise die Ratinger Ice Aliens. Dort hat man in den letzten Jahren ausgezeichnet gearbeitet.“

Das Interview führte Detlef Kampf


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