4:8-Heimniederlage gegen Crimmitschau

"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz
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Zwei Tore zu hoch verloren die Roten Teufel Bad Nauheim ihr letztes Vorrundenheimspiel in der Oberliga am Freitagabend gegen den ETC Crimmitschau mit 4:8 (2:5, 2:0, 0:3). Nachdem die Gäste bereits 5:2 geführt hatten, kamen die Hessen noch einmal auf 4:5 heran. Kräfteverschleiß und daraus resultierende Unkonzentriertheiten sorgten am Ende für das letztlich deutliche Resultat.

Die Vorzeichen standen von der personellen Seite her recht ungünstig für die Hausherren, die auf Brian Stacey (Grippe), Sascha Mader (Augenverletzung) und Mario d'Antuono (Oberschenkelverletzung) verzichten mussten. Zudem wurde Steffen Michel fitgespritzt, nachdem dieser mit Leistenbeschwerden die Woche über nicht trainieren konnte. Die Westsachsen hingegen hatten einen kompletten Kader und 22 Spieler auf dem Bogen stehen, lediglich Verteidiger Masak blieb mit Grippe zuhause, für ihn kam Förderlizenzspieler Sebastian Jones (Kassel) zum Einsatz. Die Tabellenführung vor Augen machten die Gäste von Beginn an den erwarteten Druck. Hinzu kam gleich zu Beginn eine Strafzeit gegen Marco Ahrens, der vom mehr als kleinlich pfeifenden Unparteiischen Heuser (Köln) wegen einer Nichtigkeit hinausgestellt wurde. Dies nutzte Crimmitschaus Völk mit einem Blueliner nach nur 62 gespielten Sekunden zur 1:0-Führung für die Gäste. Der Referee blieb im ersten Abschnitt im Blickpunkt des Geschehens und übertrieb die neue Regelauslegung deutlich. Kaum einmal blieb ein Körperkontakt ohne Strafe, und selbst Szenen, die mit den neuen Regeln nichts zu tun haben, wurden bestraft. In den folgenden Minuten traf es jedoch zwei Gäste-Spieler, so dass die Roten Teufel mehr als eineinhalb Minuten 5:3 Powerplay spielen konnten. Das Überzahlspiel hatte man die Woche besonders trainiert, und dies zahlte sich aus, denn Michel mit einem Blueliner markierte in der vierten Spielminute den 1:1-Ausgleich, bei dem Zellhuber im Kasten der Eispiraten ohne Abwehrchance blieb. Dieser Treffer beflügelte sichtlich, so dass man nun seinerseits die Gäste unter Druck setzen konnte. Die Folge war das 2:1 durch Eckmair in der siebten Minute nach einer tollen Kombination über Hackert und O'Grady, die in einer Direktabnahme aus der Halbdistanz endete. In der Folgezeit schickte der Schiedsrichter gleich viermal hintereinander einen Akteur der Gastgeber in die Kühlbox, so dass Crimmitschau natürlich wieder mehr Spielanteile bekam. Ärgerlich war, dass man die zweite Strafe gegen Ahrens gerade unbeschadet überstanden hatte, als Crimmitschaus Detterer mit einem Drehschuss einfach mal abzog und damit Ingo Schwarz beim 2:2-Ausgleich in der 9.Minute überraschte. Auch beim 2:3 durch Veber in der elften Minute sah Schwarz nicht unbedingt glücklich aus, ein Flipschuss rutschte ihm durch die Schoner. Die Eispiraten drehten nun auf und spielten die RT-Abwehr teilweise schwindlig. Chancen über Chancen bekamen die Gäste, was im 2:4 durch Reinke in der zwölften Minute mündete. Zuvor lief die Scheibe hin und her durch die Reihen der Gäste, und einen Querpass von Doug Murray nutzte der Stürmer, der in der 15.Minute mit einem Rebound auch noch das 5:2 für den ETC markierte.

Wer nun dachte, dass man sich abschießen lassen würde, der sah sich getäuscht. Begünstigt wurde dies auch durch den Unparteiischen, der das Spiel glücklicherweise mehr laufen ließ. Bei 5:5 waren die Gastgeber nämlich gut in der Partie und konnten das Geschehen ausgeglichen gestalten. Eine erneut schöne Kombination der gut harmonierenden zweiten Reihe konnte so Tom O'Grady mit einem ersten Tor für die Roten Teufel in der 29. Minute nach einer tollen Vorlage von Oliver Hackert zum 3:5 nutzen. Auch dieses Tor gab erneuten Auftrieb, und trotz der lediglich zweieinhalb Sturmreihen (die dritte Reihe kam aufgrund der vielen Über- / Unterzahlsituationen zu weniger Eiszeit) bot man den Westsachsen Paroli. Als gerade noch drei Sekunden im Mittelabschnitt zu spielen waren, war es aber genau diese dritte Formation, die sogar das 4:5 markieren konnte: Paul Knihs erkämpfte sich an der Bande die Scheibe, Andreas Popp spielte Zellhuber aus und schob zum viel umjubelten vierten Treffer kurz vor der Sirene ein.

Somit wurde es vor fast 2.000 Zuschauern noch einmal spannend, und die Hausherren waren drauf und dran, den erneuten Ausgleich zu schaffen. Man sah im letzten Drittel aber auch, dass die Eispiraten eine Spitzenmannschaft stellen, die sich auch unter Druck als eine solche präsentiert. Die spielentscheidende Szene war dann die 52. Spielminute: Spence verlor in der eigenen Zone an der Bande die Scheibe, so dass sich eine 2 auf 1-Situation ergab. Diese nutzte der Kanadier Nathan Waberski zum 6:4 für die Gäste, was natürlich die Vorentscheidung war. Die aufopferungsvoll kämpfenden Roten Teufel konnten kräftemäßig nicht mehr zusetzen, während Crimmitschau in Überzahl durch Reinke das 7:4 und nur 14 Sekunden später durch Friedl den 8:4-Endstand markierten. Unter dem Strich bleibt den Hausherren eine ordentliche Leistung zu attestieren, und wenn man die letzten beiden Tore der Eispiraten mal außer Acht lässt, so geht das Ergebnis insgesamt in Ordnung. Sofern man diese Leistung in der Abstiegsrunde konservieren kann, dürfte man für die wichtigsten Spiele der Saison bestens gewappnet sein. Am morgigen Sonntag geht es zunächst aber zum Abschluss der Vorrunde zum EV Füssen, der gemäß der aktuellen Tabellenkonstellation auch der Auftaktgegner der am nächsten Freitag beginnenden Abstiegsrunde sein dürfte.

STIMMEN ZUM SPIEL:

Gunnar Leidborg: "Das einzig richtig gute Drittel war heute das zweite, als man 5 gegen 5 spielen konnte. Im ersten Drittel sind die vielen Tore wegen den vielen Strafen gefallen, im dritten Drittel war Nauheim nahe am Ausgleich, die letzten beiden Tore verblenden ein wenig den Spielverlauf. Bad Nauheim hat ein gutes Spiel gemacht und viel Einsatz gezeigt. Ich wünsche den Teufeln alles Gute für die Abstiegsrunde."

Bill Lochead: "Das erste Drittel war stark vom Schiedsrichter geprägt, und das 5:2 war fast schon eine Vorentscheidung. Der Einsatz bei uns hat aber voll gestimmt. Wir haben diese Woche viel miteinander gesprochen, was sich offenkundig ausgezahlt hat. Beim Spiel 5 gegen 5 bin ich sehr mit der Leistung zufrieden, mit nur vier Verteidigern hat man bei den vielen Unterzahlsituationen aber kaum Luft. Wir müssen nun einfach noch lernen, wie die neuen Regeln ausgelegt werden. Man muss sich in jeder Szene überlegen, ob man dem Gegner eine Chance ermöglicht, oder ob man zwei Minuten kassiert."

Tore:

0:1 (1:02) Völk (Veber, Slivchenko/5-4)

1:1 (3:31) Michel (Kainulainen, Barta/5-3)

2:1 (6:10) Eckmair (O'Grady, Hackert)

2:2 (8:27) Detterer (Klotz, Traygg)

2:3 (10:20) Veber (Rusznyak, Sevo)

2:4 (11:09) Reinke (Trygg, Heine)

2:5 (14:50) Reinke (Trygg, Kathan)

3:5 (28:33) O'Grady (Hackert)

4:5 (39:57) Popp (Knihs)

4:6 (51:10) Waberski

4:7 (57:35) Reinke (Trygg, Kathan/5-4)

4:8 (57:49) Friedl (Switzer, Waberski)

Strafminuten: Bad Nauheim 18, Crimmitschau 20

Zuschauer: 1897.