Warten auf den AnrufMarcel Noebels bei den Trenton Titans

Marcel Noebels im Trikot der Trenton Titans aus der ECHL. (Foto: M.Richter)Marcel Noebels im Trikot der Trenton Titans aus der ECHL. (Foto: M.Richter)
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„Trenton ist vielleicht nicht gerade die schönste Stadt“, kündigt Marcel Noebels seine neue sportliche Heimat an. Und er übertreibt nicht, wenn er dies so sagt. Trenton merkt man an, dass die goldenen Zeiten vorbei sind. Leerstehende Restaurants und Häuser. Die Fußwege sind teilweise überwuchert mit Unkraut, eine Brücke ist braun gefärbt vom Rost. Verlassene Grundstücke mit wild wachsenden Bäumen und Sträuchern zieren den Weg zur Arena in Trenton. Gartenzäune bestehen hier aus Drahtgitter. Nachts möchte man es irgendwie vermeiden, dort entlang zu müssen. An der Arena angekommen fällt der Blick auf den Namen: Sun National Bank Arena. Die Sonne scheint hier allerdings nicht. Es steht das Derby gegen Reading an. Es ist Freitagabend und es verirren sich gerade einmal 2352 Zuschauer in die Arena, 8500 hätten Platz. „Ja das ist das einzige, was mich ein bisschen stört im Moment, aber was will man machen. Meistens sind es ja nur unsere Heimspiele“.

Woran es genau liegt, kann man nicht sagen. Marcel Noebels Trenton Titans haben drei ihrer fünf Heimspiele gewonnen und auch auswärts punktet man. Vielleicht liegt es auch an den Eintrittspreisen. Zwischen 15 und 29 Dollar zahlt man und Trenton sieht nicht so aus, als würde man sich diese Preise regelmäßig im Monat leisten können. „Auswärtsspiele sind gut besucht und von daher macht es auch Spaß auswärts zu gewinnen“, erzählt Noebels mit einem Lächeln auf den Lippen. Trenton ist kein Überteam, welches von Sieg zu Sieg eilt. Aber sie sind ein gutes, durchschnittliches Team. Fünf von neun Spielen wurden bis jetzt gewonnen. An diesem Abend ging das Spiel gegen Reading mit 2:4 verloren. Philipp Grubauer stand im Tor von Reading. „Philipp ist ein guter Freund, da macht’s natürlich noch mehr Spaß, gegen ihn zu spielen.“

Nach dem Spiel geht’s in die 20 Minuten entfernte Heimat von Noebels. Kurz vor dem Ziel steuert Noebels den Wagen auf einen Parkplatz eines 24-Stunden-Supermarktes. „Der Alltag ist ein bisschen unterschiedlich zum Junior Hockey in der WHL. Der Trainingsablauf ist zwar mehr oder weniger der gleiche, aber jetzt muss ich auch meine Lebensmittel einkaufen, meine Wohnung pflegen und andere Dinge machen, die ich sonst nicht machen musste. Aber es macht mir Spaß und ich lerne zu kochen“, lacht Noebels und besorgt etwas zum Abendessen.

Und wie ist es nun, in der ECHL zu spielen? „Natürlich war ich enttäuscht, dass ich in die ECHL muss“, sagt er. Sein Plan war und ist es, in die NHL zu kommen beziehungsweise über die AHL den Sprung zu schaffen. Doch durch den Lockout wurde es nur Trenton. Aber auch hier sieht der Rheinländer etwas Gutes. „Ich bekomme viel Eiszeit, spiele meist erste oder zweite Reihe, kann schon einige gute Sachen mitnehmen, wenn ich mich wieder hoch gearbeitet habe. Ich denke, diese Liga hat ein höheres Niveau bekommen, besonders dadurch, dass viele junge Spieler wie ich nach unten geschickt wurden.“ Hinzu kommt der Mix mit den älteren Spielern, die schon NHL- und AHL-Spiele in den Knochen haben.

Wahrscheinlich wird sich das Problem mit der ECHL am Ende des Lockouts von selbst lösen und er wird in die AHL berufen. Für den Lockout hatte sich Noebels übrigens überlegt, nach Krefeld zu gehen, hätte Philadelphia für ihn in Nordamerika keinen Platz gehabt. Doch da NHL-Teams ja mit mehreren „Farmteams“ bestückt sind, war dies kaum ein Thema. Aber „die Überlegung war da“.

Dass seine Nationalmannschaftskollegen Tom Kühnhackl und Philipp Grubauer bereits den Anruf bekamen und in die AHL durften, wurmt Noebels ein wenig. „Ich warte jeden Tag auf den Anruf. Aber ich kann nicht viel daran ändern.“ Er will weiterhin sein Bestes geben und versuchen, der beste Spieler auf dem Eis zu sein. „Alles andere kommt von alleine“.

Dass er versucht, der beste zu sein, spiegelt sich in seinen Statistiken wider. Nach nun neun Spielen ist er zweitbester Scorer seines Teams. Neun Punkte stehen auf seinem Konto. Sieben davon sind Vorlagen. Sein erstes Profitor schoss er gegen Reading und niemand anderen als Philipp Grubauer. „Das war toll! Vor allem, weil es direkt mein erstes Tor für mich war. Aber er ärgert mich ja auch, wenn er Schüsse von mir hält, also ist es ja ein Duell zwischen Freunden“, lacht Noebels.


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