Tampa Bay: Mit Lektion zurück über den großen Teich

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Es war ein Bild, das Bände sprach. Als am Sonntagabend bei

der NHL-Premiere in Prag die Kabine von Tampa Bay Lightning für die Journalisten

geöffnet wurde, war sie schon ziemlich verwaist.

Keine Handvoll Spieler war mehr dort oder im Vorraum zu

finden. Keine Spur von den Stars wie Vincent Lecavalier oder Martin St. Louis

und dem heiß gehandelten Rookie Steven Stamkos. Die beiden jeweils 1:2 verloren

gegangenen Wochenend-Partien gegen die New York Rangers hatten Spuren

hinterlassen und vielleicht sogar Abgründe aufgetan.

Als einer, der sich den Fragen der Medienvertreter ebenso

tapfer stellte, wie zuvor den Schüssen des Gegners erwies sich Torhüter Olaf

Kölzig. Der Deutsche war immerhin als einziger seines Teams am Wochenende zu

einem der „Three Stars“ eines Spiels auserkoren worden.

„Wir dürfen jetzt nicht frustriert sein“, lautete der Appell

des Routiniers, der im Sommer von den Washington Capitals nach Florida gekommen

war, um sich dort mit seiner Erfahrung einzubringen. „Wir müssen auf Kurs

bleiben und unseren Weg noch mehr verinnerlichen. Die halbe Mannschaft ist neu,

aber wir sitzen alle im selben Boot.“

Dieses Boot war jedoch auf tschechischem Eis ganz schön ins

Schlingern geraten. Es sah immer wieder nach ‚Land unter’ aus. Um die 80

Schüsse feuerten die Rangers insgesamt auf das Lightning-Gehäuse ab, Olaf

Kölzig und sein Kollege Mike Smith, der am Samstag im Kasten stand, hatten Schwerstarbeit

zu verrichten. Für den zweimaligen Olympia-Goalie der deutschen

Nationalmannschaft, der am letzten Donnerstag seinen Rückzug aus der

DEB-Auswahl erklärt hatte, steht fest: „Wir dürfen keine vierzig Schüsse pro

Spiel nehmen, so werden wir nicht viele Partien gewinnen.“

Für ihn ist die Lektion offensichtlich, die der Lightning

bei dem Prag-Wochenende erteilt bekommen hat: „Wir haben gesehen, dass wir

sechzig Minuten lang Eishockey spielen müssen. Auf dem Eis fehlt uns noch die

Chemie, die wir abseits schon haben.“

Nach dem unerfreulichen Abschied aus Washington ist die

persönliche Situation von Olaf Kölzig bei der Mannschaft aus Florida klar. Er

will zeigen, dass er immer noch auf einem hohen Niveau mithalten kann und

hofft, im Wechsel mit Mike Smith zu viel Eiszeit zu kommen. „Ein Team braucht

zwei gute Torhüter“, meint er, „in der NHL wird es immer mehr zu einer 50:50-

oder 60:40-Aufteilung kommen.“

Cheftrainer Barry Melrose war am Ende des Europa-Trips bewusst,

dass er sich nach dem Saisonauftakt um die Torhüterfrage die geringsten Sorgen

machen muss: „Die Goalies waren großartig.“ Es blieb so ziemlich das einzig

positive Fazit.

Der frühere TV-Experte, der 13 Jahre lang kein Traineramt

mehr ausgeübt hatte, erwischte einen denkbar schlechten Start in die neue

NHL-Saison. Ihm hatte es die Stimmung gehörig verhagelt. „Wir haben den Kampf

nicht angenommen. Wir haben genug Können im Team. Nur das hilft gar nichts,

wenn man nicht arbeitet.“ Enttäuscht war er vor allem von seinen vermeintlichen

Leistungsträgern. „Unsere besten Spieler müssen sich so reinhängen wie die

schwächeren das getan haben.“

Einzig Chris Gratton nahm er mitsamt seinen Sturmpartnern

neben den Torhütern bei seinem Kritikhagel aus: „Das war unsere beste Reihe,

mit Abstand! Aber ich kann sie nicht ständig auf das Eis schicken.“ Damit war

es offiziell: Vor allem die Linien Vincent Lecavalier, Martin St. Louis und

Vaclav Prospal sowie Steven Stamkos, Radim Vrbata und Ryan Malone waren in Prag

weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Zur fehlenden Durchschlagskraft dieser Offensiv-Prominenz

kommt bei den „Bolts“ noch die Unerfahrenheit der Defensive als Schwachpunkt,

auch wenn Barry Melrose glaubt, dass diese von Tag zu Tag besser wird.

In diesem Zusammenhang mahnt Olaf Kölzig nicht minder zur

Geduld: „Das ist nicht besorgniserregend“, meint er, „ich habe in Washington ebenfalls

schon mit einer jungen Abwehr gespielt und es hat funktioniert.“

Dem Torwart ist aber auch die Problematik bewusst: „Es ist

so wie es ist. Als Goalies müssen wir natürlich das ein oder andere Mal

ausbügeln. Aber es ist eine Frage für das ganze Team, dass man sich gegenseitig

aushilft.“ Vor allem ist es nach den zehn Tagen in Europa und den zwei

Punktspielen in Prag aber eine Frage an das ganze Team des Tampa Bay Lightning.

Barry Melrose hat schon eine denkbar simple Antwort parat:

„Wir müssen einfach spielen.“ Diese verdeutlicht, dass der Blitz zum Auftakt

der NHL-Saison kein Stück vorwärts gekommen ist. Auf dem Eis sah es auch so

aus.

Foto by City-Press 


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