Tampa Bay Lightning: Der große Wurf mit einem Jahr VerspätungEine Verbeugung vor dem Stanley Cup-Sieger 2020

Lightning-Eigentümer Jeff Vinik stemmt stolz den Stanley Cup bei der triumphalen Rückkehr nach Florida. (dpa / picture-alliance / ASSOCIATED PRESS | Luis Santana)Lightning-Eigentümer Jeff Vinik stemmt stolz den Stanley Cup bei der triumphalen Rückkehr nach Florida. (dpa / picture-alliance / ASSOCIATED PRESS | Luis Santana)
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Tampa Bay Lightning einen Sensationsmeister zu nennen, wäre wohl übertrieben. Aber bemerkenswert ist es schon, was das Team aus Florida in dieser so ungewöhnlichen NHL-Saison geleistet hat. Denn blicken wir einmal zurück auf den 17. April 2019. Wie geprügelte Hunde schleichen Kucherov, Hedman & Co. mit gesenkten Köpfen und versteinerten Mienen vom Eis. Gerade sind sie nach einer überragenden Hauptrunde sang- und klanglos in vier Spielen von den Columbus Blue Jackets in den Sommerurlaub gesweept worden. Debakel, Katastrophe, Desaster waren in diesem Zusammenhang oft bemühte Vokabeln.

Und dieses viel zu frühe Aus wirkte nach. In die Saison 2019/2020 starteten die Bolts mäßig. Der Schock schien noch in den Gliedern zu sitzen, die bösen Geister noch in der Kabine herumzuspuken. Ab Weihnachten fand das Team, das in den letzten Jahren so dominant in der Eastern Conference war, wieder zu alter Stärke zurück und gewann bis zum vorgezogenen Ende der Hauptrunde 75 Prozent seiner Spiele.

Dann folgte im Juli nach der langen Pause der Umzug nach Toronto in die Bubble der Eastern Conference, doch die Bolts marschierten. Als zweitbestes Team im Osten und drittbestes der gesamten Liga gingen sie in das Finalturnier – allerdings ohne ihren Kapitän und Torjäger Steven Stamkos, der sich kurz vor Beginn des Trainingscamps im Juli verletzt hatte. Den vielleicht – neben Alex Ovechkin – besten Sniper der modernen Ära zu verlieren, war schon mal die erste Schlagloch auf dem Weg zum Erfolg.

In den Play-offs warteten durchweg Gegner aus der Kategorie „extrem unangenehm“: Zunächst ging es wieder gegen die Blue Jackets. Und vielleicht wurden gleich im ersten Spiel dieser Serie die Weichen für den ganz großen Wurf gestellt: In der fünften Verlängerung, nach mehr als 150 Minuten Spielzeit im viertlängsten Spiel der NHL-Geschichte, erzielte Brayden Point das entscheidende Tor. Dämonen erfolgreich ausgetrieben – denn mit diesem Erfolg im Rücken ließ sich der Meister von 2004 in der ersten Runde nicht mehr stoppen!

Dann warteten die Boston Bruins, gegen die das Team auch schon schmerzliche Niederlagen einstecken musste. Beim 4:1-Erfolg gegen den Meister von 2011 und letztjährigen Finalisten musste zweimal die Overtime entscheiden – jeweils zugunsten der Bolts. Das Duell im Conference Final hieß - nach dem Umzug in die "Finals Bubble" in Edmonton - Tampa Bay gegen die New York Islanders. Spätestens hier bewies das Team um Playoff-MVP Victor Hedman seine Fähigkeit, mit Rückschlägen umzugehen. In Spiel 5 waren sie das bessere Team und schon fast eine Runde weiter, verloren aber in der zweiten Verlängerung durch den Treffer von Jordan Eberle. In der nächsten Partie drehten sie jedoch den Spieß um: Anthony Cirelli schoss die Bolts in der Overtime ins Stanley Cup-Finale.

In den drei Playoff-Runden hatte das offensivstarke Team aus dem Sunshine State einige der besten Defensiv-Teams der Liga geschlagen – und im Finale wartete mit den Dallas Stars die vielleicht am besten organisierte Abwehr der Western Conference. Offense wins games, defense wins Championships? Ja und Nein – der Feuerkraft der Bolts hatten die Stars zu wenig entgegenzusetzen. Dies aber auch deswegen, weil es Tampas Verteidigung immer wieder gelang, die Topreihe der Texaner aus dem Spiel zu nehmen. Am ehesten konnte noch Alex Radulov ein paar Highlights setzen, während Jamie Benn und vor allem Tyler Seguin fast komplett abgemeldet waren. 

Und dann gab es ja noch das Drama um Steven Stamkos: Sein „Cameo-Auftritt“ war denkwürdig. Exakt 167 Sekunden Eiszeit, fünf Schichten - aber eben ein genialer Moment, als er den Stars-Verteidiger mit einer Körpertäuschung aussteigen ließ und mit einem präzisen Handgelenkschuss Khudobin im Tor der Stars bezwang. Stammer-Time! Dann musste er jedoch wieder passen und kehrte nicht mehr auf das Eis zurück. Zumindest nicht, um Eishockey zu spielen. Unsicherheit oder Nervosität bei den Lightning dennoch Fehlanzeige! Auch das unglückliche Spiel 5, als Tampa schon eine Hand am Cup hatte, dann aber durch die Veteranen Joe Pavelski mit dem späten Ausgleich und Corey Perry mit seinem Treffer in der zweiten Verlängerung jäh aus allen Cup-Träumen gerissen wurde, focht das Team nicht an.

Und so war es Tampas Blake Coleman, geboren im Großraum Dallas, vorbehalten, das letzte Tor dieser seltsamen und denkwürdigen NHL-Saison zu schießen – und Steven Stamkos eine tragende Rolle zu geben: „Stammer“ stemmte den Cup und übergab ihn an seinen Freund Victor Hedman.

Zum Schluss noch ein paar Statistik-Highlights des gerade gekürten NHL-Champions: Brayden Point und Nikita Kucherov erzielten zusammen 67 Punkte in der Endrunde. Andrei Vasilevskiy kassierte nur 1,9 Gegentore im Schnitt und zeigte insbesondere nach Niederlagen extrem starke Leistungen – unter anderem seinen einzigen Shutout im entscheidenden Spiel 6 der Finalserie. Victor Hedman war zweitbester Verteidiger nach Punkten dieser Endrunde und drittbester nach Toren (zehn) der NHL-Historie.

Es gäbe noch vieles zu anzumerken, aber wir beschränken und auf ein einfaches „Congratulations, Tampa Bay Lighting – well done!“

Und vielleicht war dieser Erfolg der Grundstein für eine echte Dynastie an Floridas Westküste, denn in der Eastern Conference scheinen die dominanten Mannschaften der letzten Jahre aus Pittsburgh, Washington und Boston etwas über ihren Zenit hinaus zu sein. Aber das wird erst die kommende Saison zeigen, die frühestens am 1. Dezember dieses Jahres beginnen wird.



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