Sabres im Aufwind: Vom Prügelknaben zum PrimusNHL: Das Wunder von Buffalo

Großer Jubel nach einem wichtigen Tor: Tampas Cedric Paquette erzielte kurz vor Schluss den Siegtreffer im Spitzenspiel gegen die Buffalo Sabres. (picture alliance / ZUMApress)Großer Jubel nach einem wichtigen Tor: Tampas Cedric Paquette erzielte kurz vor Schluss den Siegtreffer im Spitzenspiel gegen die Buffalo Sabres. (picture alliance / ZUMApress)
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Am Ende hat es nicht ganz gereicht für den neuen Franchise-Rekord von elf Siegen in Folge. Die Bolts, seit Jahren eines der Top-Teams der Liga, beendeten den Höhenflug der Sabres vorerst. In einem spektakulären Spiel mit fünfmaligem Führungswechsel setzte Tampa Bays Cedric Paquette gut fünfeinhalb Minuten vor dem Ende den Schlusspunkt und erzielte auf Zuspiel von Mihail Sergachchov den 5:4-Endstand. In einem Spiel mit Play-Off-Atmosphäre, wie der Siegtorschütze nach dem Spiel sagte, behielt das Team aus Florida knapp die Oberhand und übernahm die Spitzenposition in der Atlantic Division – von den Sabres, die in den letzten Jahren von einem Play Off-Platz so weit weg waren wie Donald Trump von einer vernünftigen Frisur.

Rückblende: Silber-Held Christian Ehrhoff und Adler-Legende Jochen Hecht haben beide mal in Buffalo gespielt, insbesondere für Ehrhoff entpuppte sich die Zeit im Staat New York jedoch als großes Missverständnis. Die großen Ambitionen wurden nicht einmal annähernd erreicht, der Angriff auf den Stanley Cup oder zumindest auf die Play-Offs. Entsprechend schnell war das Gastspiel des als Top-Verteidiger verpflichteten Ex-Krefelders wieder vorbei. Die dunklen Jahre als Prügelknabe der Liga sollten auch noch einige Zeit andauern – einer der Tiefpunkte in einer an Enttäuschungen reichen Zeit war der letzte Platz in der Abschlusstabelle der vergangenen Saison.

Historische Siegesserie der notorischen "Dauer-Loser"

Nun haben die Sabres zehn Spiele in Serie gewonnen, ein Kunststück, das ihnen in ihrer Ligenzugehörigkeit seit 1970 erst zweimal gelang: Einmal in den Achtzigern und in der letzten Hochphase, als man in der Saison 2006/2007 die Presidents Trophy für das punktbeste Team nach der Hauptrunde gewann. Danach hieß es allzu oft „Bonjour, tristesse“ – zuletzt eben mit der roten Laterne aller 31 NHL-Teams. Jetzt grüßen die Sabres als eines der punktbesten Teams aus der Spitzengruppe der Liga, ungeachtet der Niederlage gegen Top-Scorer Steven Stamkos und sein. Aber was ist da passiert am Ufer des Lake Erie direkt an der kanadischen Grenze – in nur einem Sommer?

Zum Einen muss man ebenso platt wie zutreffend konstatieren, dass die Mannschaft um die jungen Leistungsträger wie Jack Eichel, Rasmus Ristolainen oder Sam Reinhart schlichtweg gewachsen und reifer geworden ist. Dazu konnte man mit Jeff Skinner einen jungen und dennoch erfahrenen Stürmer aus dem Premium-Segment der NHL nach Buffalo locken. Torwart Carter Hutton scheint im reifen Alter von 33 Jahren seine Breakout-Season zu spielen, mit der man normalerweise den Sprung junger Talente zum echten Leistungsträger bezeichnet. Mit dem Kurzzeit-Adler Jason Pominville, dem Ex-Penguin und zweifachem Stanley Cup-Sieger Conor Sheary und dem Veteran Kyle Okposo stehen zudem sehr erfahrene Kräfte im Kader, die schon die einige harte Schlachten ausgetragen haben.

Gereifte Jungstars, Starke Rookies und Demut nach den dunklen Jahren

Und nicht zu vergessen die beiden Top-Rookies Casey Mittelstadt, der aus dem College in seinem Heimatstadt Minnesota nach Buffalo kam, und „Zauberlehrling“ Rasmus Dahlin, der mit einigen außergewöhnlichen Toren in der letzten Saison in Schweden auf sich aufmerksam gemacht hatte. In dieser Konstellation wuchs unter der Führung der ehemaligen Verteidiger-Legende Phil Housley eine – Obacht. Phrase! – echte Mannschaft heran, die hart für den Erfolg arbeitet und vor allem eines tut: an sich glauben. So fegt das Team nicht alle Gegner wie im Rausch vom Eis, sondern sie holt Rückstände auf, dreht Spiele – wie zweimal auch in der vergangenen Nacht gegen das Spitzenteam der Bolts – und kann nötigenfalls auch einen knappen Vorsprung über die Zeit bringen. Ein Großteil der zehn Spiel wurde mit nur einem Tor Unterschied (plus dem einen oder anderen Empty Net-Goal) gewonnen. So geschehen auch in dem Spiel gegen die San Jose Sharks, mit dem man den Rekord von zehn Siegen in Folge einstellte. Und vielleicht auch der eine oder andere wegen der häufig extrem mageren Punkteausbeute schlichtweg übersehen, dass sich in Buffalo einiges an Talent angesammelt hat, wie etwa der Treffer von Ristolainen aus dem Spiel gegen die Sharks zeigt, bei dem er einen gewissen Brent Burns wie einen Schuljungen auszockte.


Ristolainen, der seit sechs Jahren in Buffalo spielt und in dieser Zeit oft genug ein Team in Schockstarre und fassungslose Fans auf den Rängen erlebt hat, lieferte im Abschluss an das Sharks-Spiel einen weiteren Grund, warum es derzeit so gut läuft: „Ich freue mich für uns, aber noch mehr für unsere Fans, die in den letzten Jahren viel mit uns gelitten haben. Es ist ein tolles Gefühl zu sehen, wie sie jetzt das Gebäude rocken.“ Demut ist angesagt – nicht der schlechteste Ansatz bei einer Vorgeschichte, wie sie die Sabres haben.

Dennoch wird abzuwarten bleiben, wie sich die Säbel von dem verpassten Rekord zurückwerfen lassen, auch wenn das verlorene Spiel gegen Tampa wenig Grund zur Klage bot für die einstigen Dauer-Loser. Der weitere Saisonverlauf wird zeigen, ob das Team von Phil Housley „Cup Contender“ oder „Pretender“ wird, also ein echter Anwärter auf den Stanley Cup oder ein Team, das nur so tut. Ob es gleich zum Contender reicht, wird man sehen, aber die Säbel sind scharf und jedenfalls weit mehr als ein Pretender.


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