Reindl: „Wir fahren dorthin, um zu gewinnen“World Cup of Hockey: Kaderplanung läuft

Franz Reindl, Präsident des DEB und des Team Europe, freut sich bereits auf den World Cup of Hockey. (Foto: Imago)Franz Reindl, Präsident des DEB und des Team Europe, freut sich bereits auf den World Cup of Hockey. (Foto: Imago)
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Team Europe? Klar, gibt’s das. Seit 1979 beim legendären Ryder Cup im Golf. Es ist zumindest das berühmteste Team Europe.  Im September kommt ein weiteres dazu. Wenn am 5. September in Montréal und Quebec das Trainingslager für den dritten World Cup of Hockey beginnt, werden sich Spieler aus verschiedenen europäischen Nationen – auch aus Deutschland – zusammenfinden, um zu versuchen, den großen Eishockey-Nationen ein Bein zu stellen. Franz Reindl, der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, fungiert auch als Präsident des Team Europe und sagt klar: „Wir werden sicher ein Außenseiter sein. Aber wir fahren dorthin, um zu gewinnen.“

Noch scheint dieses Turnier weit entfernt zu sein. Die WM in Russland steht auf dem Plan. Die Olympia-Qualifikation in Lettland – und dennoch wirft dieses bemerkenswerte Turnier, das von der NHL und der Spielergewerkschaft NHLPA veranstaltet und von der International Icehockey Federation (IIHF) unterstützt wird, seine Schatten voraus. 23 Spieler, darunter drei Torhüter, muss jedes Team der NHL melden. Die ersten 16 davon, darunter mindestens zwei Goalies, müssen gar schon bis zum 1. März 2016 benannt werden; die übrigen Spieler bis zum 1. Juni. Die Leute, die die Hauptverantwortung tragen, sind Franz Reindl, Miroslav Satan aus der Slowakei als General Manager und Ralph Krueger, der Cheftrainer des Team Europe.

„Am Anfang war das eine Menge Arbeit“, sagt Reindl. „Wir mussten ja schließlich erst einmal Strukturen schaffen, da anders als bei Teilnehmern wie Russland, Schweden, Finnland und Tschechien keine Föderation hinter uns steht.“ So arbeitet das Managementteam für das Team Europe eng mit der NHL zusammen, organisiert sich aber weitgehend selbst. „Zunächst ging es darum, den Staff zusammenzustellen“, berichtet Reindl im Gespräch mit Hockeyweb. So gehören Paul Maurice, Cheftrainer der Winnipeg Jets, und Brad Shaw, Co-Trainer der St. Louis Blues, zu Kruegers Trainerstab. Dazu kommt Myles Fee als Video Coach. Fünf Scouts unterstützten die europäische Teamleitung: Peter Bondra, Sean Burke, Lorne Henning, Vaclav Nedomansky und Ricky Olczyk. „Wir haben jeden Woche eine Skype-Konferenz“, erklärt Reindl. „Alle vier Wochen im ganz großen Kreis.“ Denn die Scouts sind ausgesprochen akribisch. „Wir haben schon über 230 Scouting Reports bekommen. Schließlich wollen wir das bestmögliche Team zusammenstellen.“

Infrage kommen alle europäischen Spieler deren Herkunftsländer nicht selbst am World Cup teilnehmen – sprich die oben genannten: Russland, Schweden, Finnland und Tschechien. „Wir sind frei in unserer Wahl“, sagt Reindl und meint: Auch Spieler von außerhalb der NHL, sprich aus europäischen Ligen können ausgewählt werden. „Die ersten 16 werden aber alle aus der NHL kommen. Das ist recht einfach – aber die Auswahl der übrigen Spieler, um den 23er-Kader vollzumachen, ist umso schwerer, weil dort viele Spieler auf dem gleichen Level spielen.“

Dass deutsche Spieler dabei sein werden, darf als sicher gelten. Leon Draisaitl zum Beispiel. „Natürlich, das ist ja kein großes Geheimnis“, sagt Reindl. „Aber auch Spieler wie Dennis Seidenberg, Christian Ehrhoff oder Tobias Rieder, der in bestechender Form ist, sind heiße Kandidaten“, will Reindl natürlich auch nicht zu viel verraten. „Aber auch Torhüter wie Philipp Grubauer und Thomas Greiss sind auf dem Radar. Im Blickfeld sind natürlich alle, die in Nordamerika spielen.“ Das Team wird ein interessanter Mix. Schweiz, Österreich, Dänemark - und noch einige anderen Länder werden vertreten sein.

Derweil ist bei Reindl der Ärger über die Degradierung von Christian Ehrhoff durch die Los Angeles Kings noch nicht ganz verraucht. „Christian Ehrhoff ist ein Topathlet mit einem Topcharakter“, stellt Reindl klar. „Es tut mir für ihn einfach leid. Er und seine Familie mussten in letzter Zeit oft umziehen. Ich kann nur sagen: Wir stehen zu Christian!“

Neben der Spielerauswahl gibt es aber auch das ganze Drumherum, das organisiert werden muss. Trikot, Hymne, Logo. „Bei der Hymne haben wir zunächst an eine Kombination aus den beteiligten Ländern gedacht. Auch an die Ode an die Freude, die von der EU als Hymne verwendet nicht. Aber die Schweiz beispielsweise gehört ja nicht zu EU.“ Also könnte es eine andere Lösung geben: „Ich könnte mir vorstellen, dass es eine eigene Komposition wird. Das werden wir aber nur mit den Spielern entscheiden. Es wird ja ihre Hymne sein“, so Reindl. Das Trikot beschreibt Reindl als „Überraschung“. „Es wird jedenfalls ein Home- und ein Away-Trikot geben.“

Gerade die Zusammenarbeit mit Miroslav Satan und Ralph Krueger bereitet Reindl viel Freude. „Es ist einfach eine Ehre und ein Highlight für das Team Europe tätig sein zu dürfen“, sagt der DEB-Präsident. Und es ist ja ein Stückweit bemerkenswert: Oft war Krueger als Bundestrainer beim DEB im Gespräch – nun arbeiten er und der DEB-Chef zusammen. „Er arbeitet ja sehr erfolgreich im Management des Premier-League-Clubs FC Sunderland, aber er war ja nie wirklich aus dem Eishockey raus. Es ist bemerkenswert, wie akribisch er für das Team Europe arbeitet.“

Generell ist Reindl von der Idee des World Cups of Hockey überzeugt. „Ich denke, dieses Turnier wird seinen Platz im internationalen Kalender finden. Auch regelmäßig. Ob das nun alle vier Jahre oder alle acht Jahre ist, wird sich zeigen.“  Die Idee einer europäischen Auswahl findet seine Zustimmung. „Wir müssen realistisch sein: Wir wären sonst genauso wie zum Beispiel Österreich nicht dabei.“ Das zeigte sich schon beim Vorgängerturnier, dem Canada-Cup: Bei fünf Austragungen zwischen 1976 und 1991 war Deutschland nur einmal vertreten. „Das europäische Auswahlteam und das gemeinsame Select-Team für U23-Spieler aus den USA und Kanada bringt einen neuen Touch in den World Cup.“

Zudem: „Der Markt für das Team Europe ist groß. Das Team wird Länder mit über 200 Millionen Einwohnern repräsentieren.“ Noch gibt es keinen TV-Vertrag für Europa. „Ich bin aber zuversichtlich, dass der World Cup of Hockey in Deutschland im freien Fernsehen zu sehen sein wird“, so Reindl.

Für die Spieler wird es einigermaßen stressig: Vom 1.bis zum 4. September finden die drei Qualifikationsturniere für Olympia 2016 steht. Schon am 5. September starten die Vorbereitungscamps in Nordamerika. Drei Vorbereitungsspiele sind geplant: Am 8. September gegen das Team Nordamerika U23 in Quebec City, am 11. September gegen den gleichen Gegner in Montréal sowie am 14. September gegen Schweden in Washington.

Der World Cup of Hockey selbst wird in Toronto ausgetragen. In der Gruppe trifft das Team Europe auf die USA (17. September), Tschechien (19. September) und Kanada (21. September). Die Ersten und Zweiten beider Gruppen erreichen das Halbfinale. Das Finale wird im Best-of-Three-Modus ausgetragen, sodass spätestens am 1. Oktober der World-Cup-Sieger feststeht. „Mit unseren deutschen Spielern“, betont Reindl, „wird der World Cup of Hockey auch auf das deutsche Eishockey positiven Einfluss haben.“