„Nächstes Jahr die nächste Trophäe“ Konrad Abeltshauser spricht über den ECHL-Titelgewinn und seine Zukunft

Konrad Abeltshauser mit dem Kelly Cup - Foto: Erica S. FacebookKonrad Abeltshauser mit dem Kelly Cup - Foto: Erica S. Facebook
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Konrad Abeltshauser gewann in der vergangenen Woche mit den Allen Americans aus Texas die ECHL-Meisterschaft, den Kelly Cup. Als erster Deutscher konnte er diese Trophäe in den Händen halten. Nach einigen Tagen der Freude und eines im Pool schwimmenden Kelly Cups kehrt langsam der „Sommerpausen Blues“ bei Abeltshauser ein. Wir telefonierten mit dem Abwehrriesen über seine Zeit in der letzten Saison und über seine Zukunft.

Herr Abeltshauser, wo genau befinden Sie sich gerade?

Ich bin aktuell in Worcester bei einem Freund. Als ich nach Allen geschickt wurde, habe ich einige Klamotten und besonders die Winterklamotten hier gelassen. Nun sortiere ich ein wenig aus und schaue, was ich mit nach Deutschland nehme und was weg kommt.

Sie haben vor kurzem den Kelly Cup gewonnen. Erzählen Sie uns davon!

Wir mussten ins Spiel sieben, was das Ganze noch mal etwas besonderer gemacht hat. Wir mussten so viele Hürden überwinden, um diesen Cup zu gewinnen. Dass wir ihn am Ende in Spiel sieben zu Hause in Allen gewonnen haben, ist schon unbeschreiblich.  So etwas schweißt auch als Mannschaft unheimlich zusammen. Was das angeht, sind das Freundschaften, aber auch Erinnerungen fürs Leben. So eine Meistermannschaft ist immer etwas ganz Besonderes.

Sie werden langsam zum Trophäensammler in Nordamerika.

Ja, man versucht halt, in jeder Saison das letzte Saison Spiel zu gewinnen. Ich hätte am Anfang der Saison nicht damit gerechnet, dass ich den Kelly Cup gewinnen würde. Nächstes Jahr dann hoffentlich die nächste Trophäe.

Sie haben die Saison in Worcester in der AHL angefangen und wurden dann trotz guter Leistungen in die ECHL geschickt. Woran lag das?

Naja, so genau weiß ich das auch nicht. Ich dachte, dass die Saison eigentlich ganz gut gelaufen ist. Aber auf einmal durfte ich sechs, sieben Spiele hintereinander nicht aufs Eis, obwohl ich bis dahin immer regelmäßig habe spielen dürfen.  Als ich dann nicht ran durfte, habe ich irgendwann mit meinem Agenten geredet. Da kam eher von uns die Entscheidung, dass ich nach Allen runter gehe. Am Ende musste das sogar recht schnell passieren, weil ich eine bestimmte Anzahl von Spielen in der ECHL haben musste, damit ich in den Play-offs spielen durfte.

Wie ist es, wenn man von Worcester ins „tiefe Texas“ muss?

Vom Wetter her war‘s sehr schön. Ich musste kurze Hosen mitnehmen. Was die Mannschaft angeht, habe ich mich dort vom ersten Tag an superwohl gefühlt.  Sportlich, muss ich sagen, war es schon ein Unterschied von der AHL zur ECHL. In der American Hockey League läuft es ein wenig professioneller.

Timo Pielmeier sagte einmal, dass die ECHL eher „wild“ sei.

Ja, das stimmt auf jeden Fall. Die Schiris haben viel mehr laufen lassen. Da wird viel mehr mit dem Stock gearbeitet. Die Trainer können kein einheitliches System spielen, weil sich viele ECHL-Teams aus mehreren AHL-Teams bedienen und Spieler aus den unterschiedlichsten Spielsystemen kommen. Da ist es sicher schwer für einen Trainer, dort ein System reinzubekommen. Daher hat der Trainer uns eigentlich einfach spielen lassen, wie wir das wollten. Es hat ganz gut funktioniert, aber es war schon eine Umstellung zur AHL.

Glauben Sie denn, dass  Sie das in Ihrer Entwicklung weiter gebracht hat?

Ja, auf alle Fälle. Ich habe zwar mit Halifax sehr viel Play-off-Erfahrung in der Quebec Major Junior Hockey League gesammelt, aber es ist noch mal was anderes, wenn du das im Profibereich machst. Die Erfahrung der Play-offs und der Meisterschaft haben mir schon geholfen. Und dann einfach die Rolle, die ich in der Mannschaft hatte. Ich hatte als Verteidiger viel mehr Verantwortung, die ich in Worcester nicht hatte. Wenn man dann das Vertrauen bekommt und in einem wichtigen Spiel aufs Eis geht, wenn man dringend noch ein Tor braucht, stärkt das ungemein.

Hat sich schon mal jemand aus Worcester bei Ihnen gemeldet?

Also meine Spielerkollegen haben mir alle geschrieben und mir gratuliert. Aber vom Trainerteam hat sich keiner gemeldet. Ich hatte mir auch vorgenommen, mir bis zum Ende der Play-offs und ein wenig danach keine Gedanken um Vertragsverlängerungen zu machen und mich voll aufs Ziel zu konzentrieren. Nun packe ich meine Sachen und warte bis zum 1. Juli. Die San Jose Sharks haben bis dahin noch die Rechte an mir. Dann schaue ich mal, was kommt.

Schauen Sie aktuell schon nach Europa?

Ich habe mir wirklich wenige Gedanken gemacht. Aber wenn sich hier in Nordamerika was auftut, werde ich das versuchen. Ganz aufgeben will ich den Traum noch nicht. Ich denke, dass ich auch recht nah an meinem Ziel bin. Ich möchte es nicht ausschließen, aber erstmal mache ich mir jetzt ein paar ruhige Tage und schau dann mit meinem Agenten weiter.

Die in Nordamerika spielenden Deutschen standen in diesem Jahr im Schatten von Leon Draisaitl. Hat das ein wenig Last von den Schultern genommen?

Ich persönlich habe mich für Leon gefreut, dass da einer aus Deutschland für Schlagzeilen sorgt. Das ist super für das deutsche Eishockey. Aber auf mich hatte das keinen Einfluss.

Die Spieler in Allen hatten immer ein Ritual. Was genau haben Sie gemacht?

Wir haben nach den Spielen immer zusammen gebetet. Der Gary Steffes ist sehr religiös. Und als ich kam, bin ich immer, wenn es vom Spielplan her passte, sonntags in die Kirche gegangen. Gary hat mich darauf angesprochen und ich habe dann mitgemacht.  Da haben wir uns nach jedem Spiel immer Zeit genommen, uns zusammengesetzt und gebetet.  Er und ein anderer Spieler haben das die ganze Saison schon gemacht. Das hat sich dann zu einem Ritual entwickelt. Da war es aber auch egal, ob wir gewonnen oder verloren haben.

Haben Sie noch weitere Rituale für sich persönlich?

Naja, nicht wirklich ein Ritual. Eher eine Routine. Ich esse immer zu einer bestimmten Zeit. Mein Spieltag läuft da immer gleich ab. Morgens zum Morning Skate, ein wenig dehnen und ein kurzes Eisbad. Dann nach Hause, ein bisschen relaxen, eine Mahlzeit und Mittagsschlaf, dann duschen und in den Anzug rein, danach ab zum Stadion. Das einzige, was vielleicht ein Ritual ist: Ich ziehe immer die linken Ausrüstungsgegenstände als erstes an. Also linker Schlittschuh zuerst, dann den rechten oder linker Handschuh vor dem rechten und so weiter.

Wie sieht Ihr Sommerprogramm aus? Sie waren schon mehrmals in den Alpen, sieht es nun ähnlich aus?

Also vor zwei Jahren mit meiner Freundin waren wir zu Fuß in den Alpen. Und im letzten Jahr mit einem Freund auf dem Bike. Ich habe dieses Jahr noch nichts geplant. Aber ich denke, ich werde noch mal mit dem Fahrrad über die Alpen fahren für ein paar Tage. Da fühle ich mich immer ein wenig besser. Ich kann da total abschalten, wenn ich in den Bergen bin. Da ist es perfekt, dass ich direkt auch was fürs Training mache. Da fühle ich mich besser, als wenn ich am Strand liege und nichts mache.

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