Militärdienst auf Nordpolarmeer-Insel statt Eishockey in PhiladelphiaDer Fall Iwan Fedotow

Iwan Fedotow im Trikot des KHL-Champions ZSKA Moskau. (picture alliance/dpa/TASS | Sergei Savostyanov)Iwan Fedotow im Trikot des KHL-Champions ZSKA Moskau. (picture alliance/dpa/TASS | Sergei Savostyanov)
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Die Szene klingt wie aus einem Film: Nach dem Training in St. Petersburg wurde Iwan Fedotow, Torwart beim aktuellen Gagarin-Cup-Gewinner und damit KHL-Champion ZSKA Moskau, von mehreren Unbekannten in einen Kleinbus gezogen und zu einem Verhör gebracht. Nach ein paar Stunden musste dieses abgebrochen werden, weil dem Zwei-Meter-Hünen schlecht war und er in ein Krankenhaus gebracht werden musste. Seitdem, sagt Fedotows Anwalt, habe er keinen Kontakt mehr zu seinem Mandanten gehabt.

Ob sich alles so zugetragen hat, lässt sich mangels offizieller Bestätigung nicht mit letzter Sicherheit sagen. 

Auslöser dieser Affäre war der angeblich nicht abgeleistete Wehrdienst Fedotows. Die Spieler von ZSKA Moskau sind alle Mitglieder der Streitkräfte und müssen einen einjährigen Wehrdienst absolvieren. Fedotow habe dies nicht gemacht, heißt es, und wurde deswegen in Marinestützpunkt Seweromorsk, nahe Murmansk, gebracht. Laut eines Statements der russischen Behörden werde er seinen Dienst "voraussichtlich in einer der Militäreinheiten ableisten, die auf der Insel Nowaja Semlja im Nordpolarmeer liegen". 

Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine werden derzeit zudem viele Reservisten eingezogen und zu Kampfeinsätzen geschickt. Insofern ist der Fall von Iwan Fedotow womöglich nur der Auftakt zu weiteren ähnlichen Aktionen.

Allerdings hat der Fall noch eine weitere Komponente. Womöglich wollten die Mächtigen hier ein Exempel statuieren: Iwan Fedotow, der im finnischen Lappeenranta geboren wurde, stand kurz vor einem Wechsel in die USA zum NHL-Team der Philadelphia Flyers. Die Flyers hatten ihn im Draft 2015 in der siebten Runde an Position 188 ausgewählt und nun nach seinen guten Leistungen insbesondere in den Playoffs der abgelaufenen KHL-Saison (22 Spiele, 16 Siege, 93,7 Prozent abgewehrte Schüsse und nur 1,85 Gegentore im Schnitt pro Spiel) verpflichtet. Neben dem KHL-Titel gewann Fedotow dieses Jahr noch olympisches Silber mit dem russischen Team und wurde in der Liga als bester Torwart ausgezeichnet sowie ins Allstar-Team gewählt. 

Nachdem aber das Verhältnis beider Länder im Zuge des Konflikts deutlich schwieriger geworden ist, könnte darin der wahre Grund liegen. Ein Wechsel zum "Klassenfeind" ist nicht erwünscht und wird mit allen Mitteln verhindert.

Auch die aktuellen russischen NHL-Spieler bekommen zunehmend Schwierigkeiten: Zwar dürfen sie weiterhin für ihre Teams auflaufen, ihnen wurde jedoch geraten, die spielfreie Zeit nicht in der russischen Heimat zu verbringen. Außerdem darf Valeri Nichushkin, frischgebackener Stanley-Cup-Sieger mit Colorado Avalanche, die Trophäe in diesem Sommer keinesfalls mit nach Russland nehmen.


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