Lockout: NHL-Stars zum Nulltarif

NHL-Playoffs: Tampa Bay und Calgary spielen um den Stanley CupNHL-Playoffs: Tampa Bay und Calgary spielen um den Stanley Cup
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Sie spielen für gewöhnlich in großen Arenen und sind Dollarmillionäre, in Europa spielen einige NHL-Stars für ein Butterbrot, nur damit sie ihrem Sport nachgehen können, an dem sie in Nordamerika gehindert werden. Denn in der NHL ist der Saisonbeginn ins Wasser gefallen, ob überhaupt gespielt wird in dieser Saison, ist fraglich, stehen die Forderungen der Klubbosse und der Spieler weit auseinander. Und weil die zweitstärkste Liga AHL an die NHL gebunden ist, dürfen zahlreiche NHL-Stars von der Spielergewerkschaft NHLPA aus nicht für die Farmteams spielen. Wer darf und wer nicht darf, darüber scheiden sich selbst bei den Klubs die Geister.

Europäische NHL-Spieler kommen deshalb zurück nach Europa und können in ihren Heimatländern von der Schweiz bis Russland, wo sie als Helden verehrt werden, für ein gutes Salär spielen, was jedoch für ärmere Eishockey-Nationen wie die Slowakei, Weißrussland, Lettland, Norwegen oder Polen nicht gilt, wo die einheimischen NHL-Spieler größtenteils auf ein Profi-Einkommen verzichten müssen. Anders ist dies für Nordamerikaner, von denen derzeit 41 einen Lockout-Vertrag in Europa besitzen. Die einen suchen sich mit ihren Spieleragenten TopsKlubs aus und werden dafür auch entsprechend entlohnt, andere lassen alles auf sich zukommen und nehmen Kontrakte, wie sie kommen.

So etwa der NHL-Veteran Martin Gelinas von Forward Morges, dem "kleinen NLB-Aufsteiger" vom Genfersee, der seit Runden die Tabelle anführt und so selbst vom Deutschschweizer Fernsehsender SF2 einen Bericht zugesprochen erhielt. Gelinas ließ lieber seine Kontakte spielen, diese wurden zum Morges-Trainer Olivier Ecoeur aufgebaut, über dessen Amtskollegen vom Zweitligisten Villars, letzte Saison noch Ligakonkurrent von Morges in der 1. Liga. Gelinas ist ein bescheidener Musterprofi und begnadeter Stürmer in der NLB. Seit seiner Ankunft schoss er sechs Tore in vier Spielen, eine Quote, die in der gesamten Nationalliga seinesgleichen sucht. Gelinas spielt in Morges aus Freude am Eishockey, weil der Kontakt zufällig entstand, und bekundet als Franko-Kanadier auch kaum Integrationsprobleme in der Romandie. Kein Wunder, wurde er schnell zum Leitwolf der Morgiens und macht die Wirren um Josh Holden vergessen. Dieser verließ den Klub vorzeitig Richtung Finnland. Ein unseriöser Vertragsbrecher, der wegen Geld und Renomée ging, heißt es beim Klub. Von Spielerseite her wird geltend gemacht, dass man ihm glaubhaft machte, Morges sei ein Klub aus der höchsten Schweizer Liga, was er nicht auf sich sitzen lassen wollte. Holden darf mittlerweile in der höchsten Liga Finnlands spielen und in Morges ist dank Gelinas niemand traurig darum. Unglaublich ist auch sein Salär: Gelinas gibt sich mit 2000 Franken pro Spiel zufrieden, dazu kommen Wohnung, Auto und ein Economy-Class-Flugticket - den Aufpreis zur Business-Class zahlte er selbst.

Noch günstiger schuften zwei NHL-Profis 15 Autominuten nördlich von der Schweizer Grenze zu Basel, beim französischen Tabellenzweiten Mulhouse. Die Elsässer haben den Verteidiger Steve Montador und den Stürmer Steven Reinprecht von den Calgary Flames unter Vertrag genommen. Montador gab bereits sein Debüt, Reinprecht wird nächste Woche erwartet. Die beiden Stanley-Cup-Finalisten stellen ihren Calgary-Teamkollegen Gelinas bezüglich Lohn sogar noch in den Schatten und verzichten bei Mulhouse, ein Klub der gewöhnlicherweise vor weniger als 1000 Zuschauern spielt, ganz auf ein Salär. Der Klubpräsident Paul Heyberger äußert sich gegenüber der "Canadian Press" überglücklich über die Verpflichtungen: "Das ist wie wenn Zinedine Zidane für einen kleinen Fußball-Klub wie Dijon spielen würde. Alle unsere Spiele sind ausverkauft, seit die Fans davon hörten." Ausverkauft, das heißt bei den Scorpions aus dem Osten der Stadt 1590 Fans. Bezüglich Kosten muss sich der Präsident mit dem Klubbudget von rund 1,3 Millionen Franken jedenfalls keine Sorgen machen, die beiden Spieler erhalten kein Salär, nur ihre Ausgaben werden vom Klub gedeckt. "Jeder Spieler wird bis Ende Saison nicht mehr als 10'000 Franken kosten", so Heybergers Rechnung. Auch bei den beiden Neo-Mülhausern spielte der Zufall die größte Rolle. Der frühere AHL-Spieler Ryan Christie aus der Calgary-Organisation - seit Sommer ebenfalls in Mulhouse unter Vertrag - war es, der seine beiden früheren Teamkollegen lockte. Wie Mulhouse und Morges freuen sich so auch andere Klubs abseits des europäischen Mainstream über den Lockout, etwa auch in Österreich, Italien oder in der walisischen Hauptstadt Cardiff. (hockeyfans.ch)

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