Leon Draisaitl im exklusiven Interview„Irgendwann mal wieder in Köln zu spielen, wäre schon cool!“

Teamkollegen und Freunde: Leon Draisaitl (r.) und Connor McDavid (picture alliance / AP Photo). (picture alliance / AP Photo)Teamkollegen und Freunde: Leon Draisaitl (r.) und Connor McDavid (picture alliance / AP Photo). (picture alliance / AP Photo)
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Wir erwischen Leon Draisaitl in Boston, nach einem Gastspiel bei den Buffalo Sabres und vor dem Auftritt der Oilers bei den Bruins. Im Gespräch mit Hockeyweb zieht er eine erste Zwischenbilanz dieser bislang etwas holprigen Saison für ihn selbst und das gesamte Team und blickt in die Zukunft - weit über die kommenden Play Offs im Frühjahr hinaus. 

Leon, der Start in die Saison war nicht optimal, sowohl für Sie als auch für die Oilers. Lag das auch daran, dass Sie mit Symptomen einer Gehirnerschütterung zu Saisonbeginn für einige Spiele zum Zuschauen gezwungen waren? Und wie geht es Ihnen zur Zeit?

Es geht mir gut, seit meinem Comeback habe ich keinerlei Probleme, die Verletzung schränkt mich überhaupt nicht ein. Und den Grund für unseren schwachen Start sehe ich auch nicht in meiner Verletzung. Ich sehe es eher so, dass wir als Mannschaft nicht das gespielt haben, was wir können.

Sie haben heute in Boston trainiert. Werden da noch taktische Feinheiten eingeübt oder was wird in so einer Einheit zwischen zwei Spielen gemacht?

Nein, unsere Taktik ist klar, da haben wir jetzt nichts mehr verändert. Es ging eigentlich mehr um mentale Dinge, damit wir nach unserem nicht optimalen Start wieder Spiele gewinnen.

Liegt es dann vielleicht daran, dass die Gegner sich nach der überragenden vergangenen Saison noch besser auf Sie und die Spielweise der Oilers eingestellt haben?

Vielleicht machen manche Teams diese Saison etwas anders gegen uns, das kann sein. Aber wir müssen vor allem unser Spiel durchziehen. Wenn wir das nicht machen, dann verlieren wir halt gegen Teams wie Buffalo, die in der Tabelle auch nicht so gut dastehen.

Hat deswegen Coach McLellan nach dem 4:1-Sieg bei den Detroit Red Wings betont, dass dies die Art und Weise – verteiltes Scoring statt Fokus auf Sie und Connor – sei, wie man in dieser Liga Spiele gewinnt?

Ja, ich denke, in diesem Spiel haben wir das gezeigt, was uns als Mannschaft ausmacht. Wir sind geschlossen aufgetreten und haben deswegen verdient gewonnen. Wir haben gesehen, dass man in dieser Liga keine Spiele gewinnen kann, wenn man nur 75 oder 80 Prozent gibt. Dazu sind die Mannschaften in der Liga einfach zu gut.

Im Moment liegen Sie mit den Oilers sechs Punkte hinter einem Play-Off-Platz. Bei noch 60 ausstehenden Spielen ist das sicher noch nicht bedrohlich, aber es scheint derzeit so, als würden Sie nicht so Recht herankommen. Beschäftigt Sie das im Moment oder machen Sie sich da noch keine Gedanken?

Naja, es ist natürlich noch viel Zeit, Aber trotzdem müssen wir jetzt anfangen, Spiele zu gewinnen – und vielleicht auch ein paar nacheinander, damit wir an die Play-Off-Plätze herankommen. Denn je später es in der Saison ist, desto schwieriger kann es werden mit den Punkten, wenn die anderen Mannschaften auch gewinnen müssen, um ihre Ziele zu erreichen. Wenn wir aber weiter so spielen wie gegen Buffalo, wird das schwierig.

Das Spiel gegen Buffalo war ja auch ein Duell der beiden Top-Drafts Connor McDavid gegen Jack Eichel. War das vorab ein Thema im Team oder für Connor?

Nein, das war ein Spiel wie jedes andere auch. Wir brauchten die Punkte, die brauchten die Punkte – und sie haben sie sich geholt, weil wir nicht unsere beste Leistung abgerufen haben.

Auf dem Eis harmonieren Sie und Connor McDavid prächtig – wie sieht es abseits des Eises aus. Sind Sie „nur“ Kollegen oder auch befreundet?

Wir spielen nicht regelmäßig in einer Reihe, da wird immer mal wieder gewechselt, stehen aber gemeinsam im Powerplay auf Eis. Außerhalb der Spiele wir verstehen uns sehr gut und unternehmen regelmäßig etwas miteinander, wenn wir die Zeit haben.

Was ist er denn für ein Typ?

Er ist eher ein ruhiger Typ, macht Dinge eher mit sich selbst aus als große Worte zu machen. Wir kommen sehr gut miteinander aus, sind nicht nur Teamkollegen.

In der vergangenen Saison sind Sie mit Ihrem Team zum ersten Mal seit Jahren wieder in die Play-Offs eingezogen, haben die San Jose Sharks geschlagen und dann knapp gegen die Anaheim Ducks verloren. War das ein Sieg der Erfahrung?

Ich denke nicht: Die Serie ging über sieben Spiele, am Ende war es ein Tor, das uns gefehlt hat. Es haben einfach ein paar Kleinigkeiten entschieden.

Aber würden Sie es dennoch als eine wichtige Erfahrung sehen, die Hunger auf mehr gemacht hat?

Auf jeden Fall! Es ist unser Ziel, den nächsten Schritt zu machen. Auch wenn wir nach dem schwachen Start jetzt erstmal in die Play-Offs kommen müssen. Aber letzte Saison die Endrunde mitzuerleben, war schon beeindruckend. Die Fans hier lieben Eishockey und haben sich einfach riesig gefreut, dass wir in die Play-Offs gekommen sind. Die Stimmung war super, in der Halle war es sehr laut. Das hat richtig Spaß gemacht. Umso wichtiger ist es, dass wir jetzt anfangen, Spiele zu gewinnen!

Auch noch nicht so richtig rund läuft es bei Ihrem Vater, der in den ersten beiden Spielen als neuer Trainer der Kölner Haie nur einen Punkt geholt hat. Hatten Sie Kontakt mit ihm, als sein Wechsel nach Köln publik wurde?

Ja, aber nur kurz. Papa hat im Moment viel Stress: So viel kann er in so kurzer Zeit nicht verändern. Es wird da vielleicht auch von außen ein bisschen viel hineininterpretiert in einen Trainerwechsel. Aber ich hoffe und ich denke auch, dass er mit den Haien die Wende schafft.

Die offiziellen Statements zu seiner Verpflichtung lasen sich ja sehr emotional. War es tatsächlich eine so große Sache?

Ja, auf jeden Fall. Er hat in Köln gespielt, wir haben lange dort gewohnt, das ist schon etwas Besonderes.

Fühlen Sie sich noch als Kölner oder sind Sie schon zu lange weg?

Nein, ich bin Kölner. Ich bin dort geboren und aufgewachsen, habe mit dem Eishockey angefangen. Köln ist meine Heimat!

Könnten Sie sich vorstellen, eines fernen Tages wieder für Köln zu spielen?

Irgendwann mal wieder in Köln zu spielen, wäre schon cool. Ob es jemals so kommt, wird man sehen, es steht aber derzeit überhaupt nicht auf dem Plan.

Jetzt erstmal den Stanley Cup gewinnen, dann mit den Fans in Edmonton die Arena abbruchreif feiern und dann kann man darüber nachdenken.

Ja, so in etwa… (lacht)

Leon, wir danken Ihnen für dieses Gespräch und wünschen viel Erfolg für das Spiel gegen Boston und die weiteren Partien.

Das Spiel gegen Boston haben die Oilers gestern Abend mit 4:2 gewonnen. Connor McDavid startete zunächst mit Ex-Bruin Milan Lucic und Mike Cammalleri in einer Reihe. Der Kapitän leistete bei zwei Toren die Vorarbeit, Leon Draisaitl erzielte das Empty-Net-Goal kurz vor Ende und bereitete den Treffer von Ryan Strome zur 3:2-Führung für die Oilers vor. Einer der Kommentatoren des Spiels sagte in seinem Fazit: „Wenn diese Mannschaft weiterhin so spielt, sind sie nur sehr schwer zu schlagen!“ Insofern hat sich das Mentaltraining in Boston also sofort bezahlt gemacht.

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