Lean Bergmann: „Es ist immer eine Überraschung“Der Nationalspieler im Interview nach seiner erneuten Berufung in den Kader der San Jose Sharks

Lean Bergmann wurde in vergangenen Woche wieder zu den San Jose Sharks hochgezogen (picture alliance / AP Photo)Lean Bergmann wurde in vergangenen Woche wieder zu den San Jose Sharks hochgezogen (picture alliance / AP Photo)
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Hockeyweb: War die erneute Nominierung in den Kader der Sharks bereits länger geplant oder erfolgte die Berufung überraschend (eventuell weil Pat Marleau zur Trading Deadline abgegeben wurde)?

Lean Bergmann: „Ich glaube es ist immer irgendwo eine Überraschung, man spricht mit niemanden vorher, dass man in einer Woche oben ist, sondern meistens kommt die Info kurzfristig Abends vor dem Schlafen gehen oder morgens, dass man am nächsten Tag oben ist.“

Hockeyweb: Wie planen die Verantwortlichen mit Ihnen für die restliche Saison. Hat schon jemand mit ihnen gesprochen?

Lean Bergmann: „Nein ich habe keine Ahnung was der weitere Plan ist. Es sind ja auch nach der Trade-Deadline andere Regeln. Ich versuche so wenig wie möglich darüber nachzudenken und gehe von Tag zu Tag.“

Hockeyweb: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem bisherigen Saisonverlauf?

Lean Bergmann: „Bis jetzt war die Saison ganz okay. Ich habe die ersten zehn Spiele in der NHL gemacht, das ist unglaublich und das hätte ich vor der Saison nicht erwartet. Aber man will immer mehr und verglichen mit der Chance, die es dieses Jahr hier gab, hätte ich mir noch ein bisschen mehr gewünscht. Aber es ist noch über einen Monat über. Ich habe natürlich das Ziel bis Saisonende oben zu bleiben und so viele Spiele wie möglich zu machen.“

Hockeyweb: Wie sehen Sie ihre Rolle im Team der Sharks und im Vergleich dazu bei den Barracudas (wo liegen die Unterschiede)?

Lean Bergmann: „Die Rolle oben ist natürlich anders. Ich habe die Aufgabe die Scheiben tief zu bekommen, die einfachen Dinge richtig zu machen, körperlich zu spielen und für den Gegner ein unangenehmer Spieler zu sein. Bei Barracuda habe ich das natürlich auch zur Aufgabe, aber mehr Eiszeit in den höheren Reihen, Überzahl und bin mehr für die Punkte zuständig.“

Hockeyweb: Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen NHL und AHL und auch zwischen der DEL und Übersee (Zum einen spielerisch als auch die Reiseabläufe/Vorbereitungen/Training etc.)?

Lean Bergmann: „Der größte Unterscheid zwischen NHL und AHL ist einfach, dass es in der NHL überall nochmal schneller und besser ist. Wenn ich eine Sache rausnehmen würde: es werden keine Fehler gemacht hier oben, die Fehlerquote ist extrem niedrig, man muss immer schon wissen was man tut, bevor man es machen muss und dann muss man es auch noch richtig machen. Die Scheibe darf nicht verspringen, sonst hat es sofort Konsequenzen. Im Vergleich zur DEL ist die Eisfläche kleiner und das macht das Spiel viel schneller. Dadurch kann man auch ein aggressiveres System spielen, es wird weniger abgewartet und mehr drauf gegangen. Das macht es natürlich umso schneller und die Spieler sind explosiver und hungriger. Man hat keine Zeit über etwas nachzudenken.“

Hockeyweb: Die Saison der San Jose Sharks läuft sehr bescheiden und die Playoffs werden voraussichtlich erstmals seit Jahren verpasst. Wie ist die Stimmung im Team und welche Gründe sehen Sie für das schlechte Abschneiden in dieser Spielzeit?

Lean Bergmann: „In der Kabine ist es klar, dass jeder immer die Playoffs erreichen will. Man denkt nicht jeden Tag darüber nach und macht sich einen Kopf, sondern viele sind darauf fokussiert jeden Tag in die Eishalle zu kommen und das Beste zu machen und in jedem Spiel das Beste zu geben. Am Ende bekommt man das Resultat. Allgemein ist die Stimmung ganz okay im Moment, wir haben drei Spiele hintereinander gewonnen. Auf der anderen Seite wird natürlich ein bisschen gedrückt, dass wir nächstes Jahr eine gute Saison haben, da das Team eine sehr hohe Erwartung hatte. Es ist schwer zu sagen woran es diese Saison lag. Es ist nie nur eine Sache, die nicht klappt oder stimmt. Es ist eine Mischung aus mehreren Kleinigkeiten, die dann addiert den Unterschied machen.“

Hockeyweb: Sehen Sie die Krise der Sharks als Chance für sich, Teil eines Neuanfangs zu sein?

Lean Bergmann: „Das wird man sehen. Es ist auf jeden Fall ein kleiner Neuanfang. Viele alte Spieler, viele die auch lange hier gespielt haben, sind nicht mehr da. Es sind neue Plätze da und es kann schon sein, dass dieses und nächstes Jahr der Anfang eines kleinen Rebuilds ist.“

Hockeyweb: Mit wem verstehen Sie sich bei den Sharks besonders gut und wie ist die Freundschaft im Team?

Lean Bergmann: „Dadurch, dass ich 5-6 Mal hoch und runter gegangen bin, habe ich keinen einzelne Person mit der ich mich besonders gut verstehe, sondern mehrere mit denen ich gut kann. Es sind wirklich alle super nett. Mit Timo Meier ist es wegen der deutschen Sprache etwas besonderes. Mit den ganzen Schweden habe ich eine besondere Verbindung, da ich Schwedisch sprechen kann. Neben dem man in der Kabine sitzt hat man meist auch einen etwas näheren Draht. Man kann eigentlich keinen herauspicken, es sind einfach alle super nett und es ist eine gute Mannschaft.“

Hockeyweb: Wie verbringen Sie Ihre Freizeit? Wie relaxen Sie nach harten Spielen?

Lean Bergman: (lacht) „So viel Freizeit haben wir eigentlich gar nicht. Man denkt immer Sportler haben morgens Training und den restlichen Tag frei. Es ist nicht wie bei einem Job, bei dem man seine Arbeitszeit hat, nach Hause geht und man nicht mehr darüber nachdenken muss. Man ist immer unter Strom, denkt immer irgendwie darüber nach, muss immer seinen Körper pflegen und sich für den nächsten Tag gut vorbereiten. Gerade in meiner Position als junger Spieler, wo man es schaffen möchte und auf der Kippe steht zwischen oben und unten, denkt man besonders viel darüber nach. In der Freizeit versuche ich viel zu regenierieren, gehe einmal in der Woche zum Boxen, stretche viel, ab und zu spiele ich mit Freunden PlayStation und manchmal geht man mit ein paar Jungs aus dem Team etwas essen.“

Hockeyweb: Haben Sie einen Tick / Aberglaube / Angewohnheit etc. bei der Vorbereitung vor Spielen? 

Lean Bergmann: (lacht) „Eigentlich habe ich keine besonderen Angewohnheiten. Ich hatte schon mal darüber nachgedacht, was ich darauf antworte, wenn es mich jemand fragt. Ich mache eigentlich immer das am Spieltag, worauf ich gerade Lust habe. Wenn ich Sushi essen gehen möchte, esse ich Sushi, wenn ich Döner essen will, esse ich Döner (lacht). In der Regel mache ich immer einen „Nap“ (Nickerchen, Anm. d. Red.) und esse zwei Spiegeleier, bevor ich zur Halle fahre. Sushi esse ich sehr häufig, Döner nicht mehr, das war zu Iserlohner Zeiten (lacht).“

Hockeyweb: Wer ist ihr Favorit auf den Stanley Cup in diesem Jahr?

Lean Bergmann: „Wir natürlich (lacht), ganz weit dahinter wird es ein hartes Team werden mit wirklich toughen Jungs. Ich glaube Boston ist ganz weit vorne, Colorado ist glaube ich ganz stark, St. Louis wieder und Washington.“

Hockeyweb: Wie ist Ihre Planung für eine WM-Teilnahme?

Lean Bergmann: „Toni (Söderholm, Anm. d. Red.) und Stefan Schaidnagel waren vor einer Woche hier und da haben wir schon darüber geredet. Nach der Saison fliege ich nach Hause und am 20. April ist glaube ich die zweite oder dritte Phase der Vorbereitung und da werde ich dann bei der Nationalmannschaft dabei sein.“

Hockeyweb: Auf was freuen Sie sich am meisten in der Sommerpause?

Lean Bergmann: „Im Sommer freue ich mich am meisten zu Hause zu sein, man ist das ganze Jahr unterwegs. Viele Leute sind froh, wenn sie reisen können und an alle mögliche Orte der Welt fliegen können. Ich bin einfach nur froh mal zu Hause in Iserlohn zu sein und meine Familie zu sehen. Zudem trainiere ich dort sehr gerne.“