Joseph Neil Moss – Edmontons „wahrer“ SuperstarNachruf für den wohl bekanntesten Zeugwart der Welt „Joey Moss“

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Joseph Moss wurde 1963 als das 12. von 13 Kinder von Lloyd und Sophie Moss geboren. Dem Jungen wurde schon bei seiner Geburt das Downsyndrom diagnostiziert, eine genetische Störung, die zu Entwicklungsverzögerungen und verschiedenen geistigen Behinderungen führt. Viele Kinder mit dieser Diagnose wurden damals in einer geschlossenen Einrichtung untergebracht. Sophie wollte jedoch Joeys zusätzliches Chromosom nicht als Grund ansehen, ihn anders zu betrachten wie ihre anderen 12 Kinder. So wuchs er zusammen mit seinen Geschwistern ganz normal auf. Trotz dieser positiven Einstellung der Familie blieben viele Schwierigkeiten aber nicht aus. Als Joeys Vater 1977 verstarb, häuften sich die Probleme.

"Ich war neun, Joey war 14 und meine Mutter hatte noch sechs Kinder im Haus, die versorgt werden mussten", erinnert sich Stephen Moss, der jüngste der Moss-Kinder, an diese schwierige Zeit.

Die Familie Moss erlebte jedoch bald einen Schicksalswandel, als ein junger Eishockeyspieler namens Wayne Gretzky sich in seine ältere Schwester Vikki Moss verliebte. Durch seine Verabredungen kam die spätere Eishockeylegende auch in Kontakt mit ihren kleineren Brüdern Joey und Stephen. Gretzky erkannte die finanziellen Probleme der Familie und bot Sophie einen Job an. Die alleinerziehende Mutter sollte die Verwaltung seiner Fanpost übernehmen.

„Einmal, als Wayne in einem Spiel fünf Tore geschossen hat, bekam er von Peter Pocklington (damaliger Besitzer der Oilers), ein Auto geschenkt. „Dieses gab er dann meiner Mutter“, erinnerte sich Stephen Moss in einem Interview. Man merkte ihm an, wie dankbar er für den Einfluss Gretzkys auf seine Familie, insbesondere Joey, war. 

Nachdem er Joeys engagierte Arbeitsmoral bei einem Job in einem örtlichen Flaschendepot gesehen hatte, wandte sich Gretzky mit der Bitte an Glen Sather (General Manager der Oilers), ihm die Möglichkeit zu geben, in der Garderobe zu arbeiten.

Von diesem Tag an füllte der lebensfrohe Kanadier die Wasserflaschen der Spieler, faltete Handtücher oder saugte die Kabine. Niemand konnte damals ahnen, welch tiefgreifenden Einfluss Joey auf die Organisation der Oilers haben würde.

Spieler kamen und gingen. Joey hat in seinen mehr als 30 Jahren als Zeugwart der Oilers, jeden Teil der Mannschaft überdauert. Dies machte ihn zu einer vertrauten Persönlichkeit für alle in der Umkleidekabine. Gerade nach Niederlagen war er es immer wieder, der den Spielern die schlechte Laune nahm und sie positiv nach vorne blicken ließ. Er schaffte es, dass alle lächelten, wenn er in der Nähe war!

„Jeder Profi, der hier durchkommt, kennt Joey“, erklärte Al Stafford (Stadionsprecher der Edmonton Oilers). Oft gingen ehemalige Oilers-Spieler durch die Hallen-Katakomben auf der Suche nach Joey, um ihn zu begrüßen und ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Für die Spieler war das ein Bedürfnis und nicht nur ein Freundschaftsdienst.

Es waren jedoch nicht nur seine Aufgaben als Zeugwart, welche Joey zu einem so wichtigen Teil der Oilers-Familie werden ließ, sondern seine Persönlichkeit und sein fröhliches Naturell. Ein Beispiel hierfür ist sein berühmter Satz: „Guten Morgen Sonnenschein“, mit welchem er allen im Raum ein Lächeln ins Gesicht zauberte.

Bekannt wurde der sympathische Zeugwart insbesondere für seinen Gesang. Joey saß bei jedem Heimspiel direkt hinter der Spielerbank - ein Platz, den Gretzky stets für seinen Freund reserviert hatte - und sang vor dem ersten Bully stolz und laut die amerikanische und kanadische Nationalhymne. Oftmals konnte man ihn sogar bis in die Wohnzimmer der Fernsehzuschauer hören.

Viele Spieler suchten Joey in der Menge der Zuschauer, um zu sehen, wie inbrünstig er „O-Canada“ mitsang. Dies gab einigen noch mal einen extra Motivationsschub.

Berühmt wurde der Kanadier durch seine Gesang-Performances während der Stanley-Cup-Finals im Jahre 2006. Während dieser Playoff-Zeit produzierten sogar CBC und NBC eine eigene Doku über den „singenden“ Zeugwart. Millionen von Zuschauern verfolgten daraufhin, wie er die Nationalhymnen sang und so zu einer ligaweiten Sensation wurde.

Auch wenn ihm das Ausmaß seiner Berühmtheit nicht bewusst war, schätzte Joey die verschiedenen Anerkennungen, die er erhalten hatte, sagte sein Bruder. Von der Ehrung als siebter Mann der NHL-Alumni-Vereinigung, die Medaille des Bürgermeisters der Stadt Edmonton, bis hin zu seiner Aufnahme in die Alberta Sports Hall of Fame im Jahr 2015 ist Joeys Liste der Auszeichnungen beeindruckend.

Er war wohl eine der bekanntesten Person in ganz Edmonton, ohne es selbst zu realisiert zu haben.

Diese Worte beschreiben das Leben von Joey Moss und zeigen eine der vielen schönen Seiten, welche Möglichkeiten der Sport Menschen bietet.

Leider ist Joey Moss am 26.10.2020 in seiner kanadischen Heimat Edmonton im Alter von 57 Jahren verstorben. Mit Joey Moss verlieren die Edmonton Oilers nicht nur ihren Zeugwart. Nein, sie verlieren ein wichtiges Mitglied der Oilers-Familie, welcher in guten wie in schlechten Zeiten den Verein die Treue gehalten hat und wohl nie ersetzt werden kann.


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