John Scott: All StarRückblick auf ein ganz besonderes Wochenende

Gestatten, John Scott - wertvollster Spieler des NHL All Star Games (Foto: Imago)Gestatten, John Scott - wertvollster Spieler des NHL All Star Games (Foto: Imago)
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Spätestens als sich John Scott über The Players Tribune öffnete und darstellte, wie sehr die NHL versuchte ihn davon zu überzeugen nicht nach Nashville zum All Star Game zu kommen, stellte sich auch der Letzte auf die Seite des 2,03m Hünen.

„Denkst du, das ist etwas, auf das deine Kinder stolz sein werden?“, soll ein hoher NHL-Angestellter gegenüber Scott gesagt haben. Seine zwei Töchter und seine schwangere Frau sahen ziemlich stolz aus, als Daddy am Sonntag auf dem Eis stand.

Doch beginnen wir ganz vorn. John Scott in das All Star Team zu wählen, war ein Witz. „Wenn die NHL uns nur vier Spieler wählen lässt, dann sorgen wir dafür, dass unsere Stimme zählt!“, sagte Greg Wyshynski, Blogger bei Yahoo! Sports und Teil des Podcast Marek vs. Wyshynski, kurz nach Beginn des All Star Votings. Die Idee war simpel: wählt den Spieler, der am wenigsten zu einem All Star Spiel passt – John Scott.

Scott ist der letzte Spieler seiner Art, Enforcer sind nach und nach aus der NHL verschwunden. Er ist dennoch wertvoll, in der Kabine, auf der Bank – als Teamkollege, deshalb bekommt er immer wieder neue Verträge. Scott wurde als Kapitän der Pacific Division gewählt. Er gewann dabei mit den meisten Stimmen aller Spieler. Scott wollte nach Nashville, ihm war nicht ganz wohl dabei, aber er selbst sagte, es wird wahrscheinlich die letzte NHL-Erfahrung seiner Karriere werden.

Scott wurde kurz nach der Wahl von den Arizona Coyotes zu den Montreal Canadiens getradet, von dort direkt zum AHL Farmteam geschoben. Scott war nun weder NHL-Spieler, noch in einem Team der Pacific Division. Die Frage war: Darf er trotzdem zum All Star Game? Die NHL ließ sich Zeit, erst zwei Wochen vor dem All Star Game gab sie bekannt, dass Scott als Kapitän der Pacific Division teilnehmen darf. Wohl auch, um den negativen Stimmen aus dem Weg zu gehen. Schon jetzt hatte Scott so viel Aufmerksamkeit auf das All Star Game gelenkt, wie schon lange nicht mehr.

Samstag war es dann soweit, während der Vorstellung der Spieler bekam er den größten Applaus aller Stars. Er wurde direkt nach Patrick Kane vorgestellt. Chicagos Superstar sagte wohl vorher noch zu ihm „Sie werden mich ausbuhen und du bekommst Standing Ovations“, und so kam es auch. Hintergrund waren die Ermittlungen gegen Kane, der im Sommer eine Frau vergewaltigt haben soll. Die Ermittlungen wurden mittlerweile jedoch eingestellt.

Scott nahm am „Hardest Shot“ Wettbewerb teil. Mit 154 km/h wurde er sechster von acht Teilnehmern. Das er dabei auf den Schlittschuhen geblieben ist, war ihm wichtiger, sagte er anschließend gegenüber NBC. Sonntag war dann der große Tag. Das drei gegen drei Turnier. Im zweiten Spiel des Mini-Turniers erzielte John Scott den 1:1 Ausgleichstreffer für das Team Pacific Division gegen Team Central Division. Die Halle stand Kopf. Scott freute sich wie ein kleines Kind.

Wenig später legte er nach. Erst fuhr er den ersten „Check“ seit Ewigkeiten in einem All Star Game und schoss wenig später auch noch sein zweites Tor. Hinzu kam auch noch ein kleiner „Faustkampf" mit Patrick Kane. Sein Team siegte mit 9:6, im Finale siegte Team Pacific mit 1:0.

John Scott wurde zum Schluss als wertvollster Spieler des All Star Games ausgezeichent. Auf den Schultern von Joe Pavelski und Brent Burns wurde er über das Eis getragen. Heute geht es für John Scott zurück in die Realität, zurück zu den St. John’s IceCaps in die American Hockey League. Die Erinnerung an dieses Wochenende Ende Januar 2016 wird jedoch immer bleiben. Sein Helm wird in der Hall of Fame ausgestellt. Irgendwann wird er sie mit seinen Kindern besuchen und er wird sie fragen: Seid ihr stolz auf Daddy?“