"German Night" in Nordamerika: Siege für Tim Stützle, Moritz Seider und Nico SturmEdmonton Oilers gewinnen ohne Draisaitl in San Jose

Nicht wenige Experten waren überrascht, dass die Edmonton Oilers zur Trading Deadline untätig in Sachen Torhüter geblieben sind - obwohl mit Marc-Andre Fleury ein Hochkaräter auf dem Markt war. Seine Dienste sicherte sich jedoch das Team der Minnesota Wild. Grund für die Spekulationen war, dass die beiden Goalies Koskinen und Smith zwar als durchaus solide NHL-Torleute eingeschätzt werden, aber als nicht gut und vor allem konstant genug für die Ambitionen der Oilers. Nun hat aber Mike Smith, seit einigen Wochen zarte 40 Jahre alt, zumindest ein Aurufezeichen gesetzt: Bei den San Jose Sharks zeigte er ein bärenstarkes Spiel, hielt 31 von 32 Schüssen der Kalifornier - und damit sein Team, das den Start des Spiels etwas verschlief, in der Partie. Schließlich entschied er - in Zusammenarbeit mit Connor McDavid - mit einer bemerkenswerten Aktion das Spiel.
Nach einem Überzahltor von Tomas Hertl für die Gastgeber und dem Ausgleich durch Ryan Nugent-Hopkins in Unterzahl zur Mitte des Schlussdrittels ging das Spiel nach 60 Minuten in die Verlängerung. Nach etwa 30 Sekunden schoss Sharks-Verteidiger Brent Burns auf das Tor der Oilers. Smith parierte mit der Fanghand und spielte den Puck blitzschnell zum gestarteten Connor McDavid. Die aufgerückten Sharks mussten den Kapitän der Westkanadier alleine ziehen lassen. Diese Chance ließ sich McDavid nicht nehmen und vollendete mit einem Vorhand-Rückhand-Move sicher zum Siegtreffer für die Oilers. Sie ziehen damit an den LA Kings vorbei auf den zweiten Platz in der Pacific Division.
Dabei mussten die Oilers auf Leon Draisaitl verzichten, der kurzfristig aus dem Kader gestrichen wurde. Hintergründe dazu gab es zunächst nicht. Der gebürtige Kölner verpasste damit erstmals seit viereinhalb Jahren wieder ein Spiel. Bis zu seinem Ausfall war er drittlängste aktive "Iron Man" nach Phil Kessel (970 Spiele in Folge) und Brent Burns (666 Spiele). NHL-Rekordmann Keith Yandle musste seine Serie bei 989 Hauptrundenspielen in Folge letzte Woche beenden, weil er als "healthy scratch" in der Partie seiner Philadelphia Flyers gegen die Toronto Maple Leafs nicht zum Einsatz kam.
Moritz Seider und Tim Stützle punkten bei Siegen ihrer Teams
Von solchen Werten ist Tim Stützle in seiner zweiten NHL-Saison für die Ottawa Senators weit entfernt. Aber auch er kann mit bemerkenswerten Leistungen aufwarten: Beim 6:3-Auswärtssieg im Derby gegen die Montreal Canadiens - die Metropole in der Provinz Quebec ist der nächstegelegene NHL-Standort von Kanadas Hauptstadt - erzielte er mit einem Abstauber-Tor per Rückhand seinen 20. Powerplay-Punkt in dieser Spielzeit. Zuletzt hatte Mike Hoffman, mittlerweile in Diensten der Habs, in der Saison 2017/18 einen besseren Wert erreicht (21 Punkte). In einem temporeichen Spiel konnten die Canadiens die zwischenzeitlichen Führungen von 2:1 und 3:2 jeweils schnell wieder ausgleichen, mussten dann im Schlussdrittel aber die Sens ziehen lassen: Drake Batherson in Überzahl nach nur 29 gespielten Sekunden im Schlussabschnitt, Colin White und Austin Watson stellten die Weichen auf Sieg.
Ähnlich stark wie Mike Smith spiele auch Alex Nedeljkovic im Tor der Detroit Red Wings beim 5:3-Heimsieg im ewig jungen "Original Six"-Duell gegen die Boston Bruins. Er erhielt den Vorzug vor Thomas Greiss und parierte 47 von 50 Schüssen der Braunbären - Karriere-Bestwert! Und dann kam sein großer Moment: Beim Stand von 2:4 aus Sicht der Bruins nahmen sie bereits gut drei Minuten vor dem Ende ihren Torhüter vom Eis für den sechsten Angreifer. Dies zahlte sich zunächst aus: Patrice Bergeron fälschte einen Schuss unhaltbar für Nedeljkovic ab zum Anschlusstor. In der Schlussminute fing der Schlussman der Red Wings dann einen Pass der Bruins ab und "flankte" die Scheibe über das halbe Feld punktgenau zu Sam Gagner, der keine Mühe hatte bei seinem Treffer ins leere Tor für seinen Karrierepunkt 499. Die Red Wings gewannen damit erstmals seit zwölf Jahren Jahren wieder eine Partie nach regulärer Spielzeit, in der sie 50 Torschüsse des Gegners zuließen. Moritz Seider leistete beim wichtigen 1:2-Anschlusstreffer 40 Sekunden vor der ersten Sirene einen Assist - Nummer 40 der laufenden Saison.
Abend der Rekorde in Florida
Sechs Tore erzielten die Toronto Maple Leafs bei den Florida Panthers, punktbestes Team der Eastern Conference - zum Sieg gereicht hat dies jedoch nicht. Zu dreien leistete Auston Matthews die Vorarbeit, selbst traf der Superstar aber nicht. Es wäre mit dann (mindestens) 55 Saisontoren zum alleinigen Rekordhalter in der mehr als 100jährigen Historie der Leafs aufgestiegen. So wird sich der gebürtige Kalifornier noch etwas gedulden müssen. Sein Teamkollege Mitch Marner stellte indes einen NHL-Rekord auf: Innerhalb von nur 37 Sekunden erzielte er ein Unterzahl- und ein Überzahltor, das gab es so schnell von demselben Spieler noch nie. Die Florida Panthers setzten mit dem Erreichen von 104 Punkten eine neue Bestmarke der Franchise-Geschichte und legten gleich noch einen NHL-Rekord drauf: Sie gewannen das fünfte Spiel in dieser Saison, in dem sie mit drei oder mehr Toren zurücklagen, auch das gab es in mehr als 100 Jahren noch nicht.
Das Spiel endete 7:6 nach Verlängerung zugunsten der Panthers. Den entscheidenden Treffer erzielte Jonathan Huberdeau zur Mitte der Verlängerung nach einem perfekt ausgespielten 2-auf-1-Konter mit Aleksander Barkov.
Beim 6:4-Auswärtssieg in Pittsburgh erreichten die Colorado Avalanche ihren 50. Saisonsieg. Sie sind das drittschnellste Team in den letzten 25 Jahren, das diesen Wert erreicht. Der Ex-Champion aus Denver benötigte dafür lediglich 70 Spiele - schneller waren nur Tampa Bay Lightning in der Saison 2018/2019 (66 Spiele) und drei Jahre vorher die Washington Capitals (69 Spiele). Zudem sicherte man sich als erstes Team der Western Conference das Play-off-Ticket.
Nico Sturm in Diensten der Avs kam in fast 16 Minuten Eiszeit auf einen Torschuss, vier Hits und einen geblockten Schuss.
Die weiteren Spiele der vergangenen Nacht im Überblick:
Buffalo Sabres - Carolina Hurricanes 4:2
New Jersey Devils - New York Rangers 1:3
Philadelphia Flyers - Columbus Blue Jackets 2:4
Nashville Predators - Minnesota Wild 6:2
Dallas Stars - New York Islanders 3:2