FASZINATION STANLEY-CUP Teil 9

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Der Stanleycup als Blumentopf

Besonders respektvoll gingen die Cracks in den ersten Jahren

mit dem Stanleycup nicht um. Besonders wenn sie nach diversen Siegesfeiern

etwas „benebelt“ waren.
Als 1910 die Montreal Wanderers den Cupsieg feierten, stand

auch ein Besuch beim Fotografen auf dem Programm. Man wollte dieses Ereignis ja

auch der Nachwelt erhalten. Also führte Teamkapitän Blanchford  seine Cracks in das Fotostudio. Als der

Fotograf die vom Whisky angeheiterten Spieler endlich knipsbereit hatte und die

Platte belichtet war, zogen die Wanderers weiter „um die Häuser“. Den Stanleycup

ließen sie im Fotostudio liegen.  Als der

Silbercup nach einigen Wochen immer noch nicht abgeholt wurde, führte ihn die

Fotografengattin einem anderen Zweck zu. Sie pflanzte Blumen in den Pott und

stellt ihn als Dekoration in den Laden. Als nach einigen Wochen  eine Klubdelegation das wertvolle Stück

abholen wollte, wehrte sich die Frau gewaltig und wollte ihren Blumentopf nicht

herausgeben. Es bedurfte vieler guter Wort und 

Blumen, um den Cup wieder in den Besitz der Wanderers zu bringen.

Der Stanleycup als Grabschmuck

Drei Jahre später war der Cup wieder weg.  Da hatten die Ottawa  Silver Seven den Stanleycup gegen die

Edmonton Eskimos gewonnen und feierten ausgiebig. Als die angeheiterte

Spielergruppe durch die Stadt zog, kam sie an einem Friedhof vorbei. Der

Kapitän erinnerte sich, daß da eine ehemaliger Teamkollege begraben liegt. Sein

Grab wurde nun besucht. Man stellte den Pokal auf das Grab und gedachte kurz

des Ver-storbenen. Dann zogen die Cracks weiter - ließen den Cup aber auf dem

Grab zurück.. Am anderen Tag bemerkte man, daß der Cup nicht mehr da ist. Man

rekonstruierte die Vortagstour und ging die Strecke ab. Am Gottesacker fanden

sie die Silberschale und waren überglücklich.

Das Original  blieb

dann unter Verschluß

Nach mehreren Eskapaden ähnlicher Art beschlossen die Verantwortlichen

das Original des Stanleycups unter Verschluß zu halten und den Team jeweils

eine Kopie zu überreichen.
Später fand der Stanleycup einen festen Platz in der Hall of

Fame in Toronto. Die Kopie auf dem metergroßen Sockel geht jetzt um die Welt.

Derzeit darf jeder Spieler des Siegerteams den Cup für kurze Zeit mit in seine

Heimatstadt nehmen. Jetzt wandert der Cup von Alaska bis nach Moskau oder St.

Petersburg – und wird dort bewundert. Der einzige Deutsche der auf dem Sockel

verewigt ist: Uwe Krupp, unser heutiger Bundestrainer. Er gewann den Cup mit

Colorado.

Berlin stand im Stanleycup-Finale

Um die Jahrhundertwende (1800) und davor kamen viele

deutsche Einwanderer nach Kanada. Sie gründeten Ort, denen sie die Namen ihrer

Heimat gaben. So kamen viele Deutsche in die Provinz Ontario. Sie grün-deten

unweit von Toronto und Hamilton den Ort „Berlin“, der sich im Laufe der Jahre

zu einer Kleinstadt entwickelte. Und wie überall in Kanada spielten die jungen

Burschen  „Hockey“ wie man Eishockey.

dort nannte.
Die Berlin Rangers machten sich einen Namen. Die Gebrüder Seibert

gehörten zu den Pionieren. Oliver wurde ebenso wie später sein Sohn Earl in die

Hall of Fame aufgenommen.  Er spielte

u.a. für die New York Rangers und Chicago. Er war einer der besten Spieler

seiner Zeit.

1910 kamen die „Berlin Union Jacks „ bis ins

Stanleycup-Finale, wo sie den Montreal Wanderers 3:7 unterlagen. Zuhause in

Berlin wurden sie wie Helden empfangen. Sie hatten den größten Erfolg der

Stadtgeschichte errungen. Besonders gefeiert wurde damals Hughie Lehmann , der

erst wenige Wochen vor dem Finale nach Berlin kam. Er stand im Vorjahr mit Galt

im Endspiel. Hughie stammt aus Pembroke (Ontario), wo er als Enkel deutscher

Einwanderer geboren wurde.
Später kamen noch weitere „Berliner“ in die Hall of Fame.

Ein Superstar seiner Zeit war Milt Schmidt, der am 5.3.1918 in Kitchener

geboren wurde. Kit-chener wurde Berlin ab 1918 genannt, weil man auf den

Kriegsgegner Deutschland nicht gut zu sprechen war und die Umbenennung

verlangte.
Eine Folge des Ersten

Weltkrieges. Milt spielte u.a. in der „Kraut-Linie“ der Boston Bruins. Das war

abgeleitet vom deutschen „Sauerkraut“. Milt sorgte durch Leistung dafür, daß

man später mit dem Wort „Kraut“ 

ehrfürchtiger umging. Die „Kitche-ner Kids“ nannte man dann  die deutschstämmigen Talente aus Ontario.

Albert „Babe“ Siebert wurde dazu gezählt. Von den Berlin

Rangers ging er in den 20er Jahren über Niagara Falls in die NHL zu den

Montreal Maronns, den New York Rangers, den Boston Bruins und Montreal

Cana-diens. Auch Superstar Darryl Sittler, geboren am 18.9.1950 in Kitchener

zählte dazu. Er spielte für die Philadelphia Flyers , die Detroit Red Wings und

die Toronto Maple Leafs. Er spielte auch für Kanada international und galt als

einer der besten Stürmer seiner Zeit.

Foto: Oliver Seibert war einer der "Berliner".


Fazination Stanleycup ist eine Hockeyweb-Serie von Horst Eckert.
Die bereits veröffentlichten Teile finden Sie unter: http://www.duisburgweb.de/Almanach_eishockey_international/index.htm



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