„Es muss jedes Jahr das Ziel sein, um den Stanley Cup zu spielen.“Sommerinterview mit Dennis Seidenberg

Dennis Seidenberg (Foto: Imago)Dennis Seidenberg (Foto: Imago)
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Diese Woche starten die Training Camps der NHL Teams. Für viele junge Spieler eine Möglichkeit sich zu präsentieren und um einen der begehrten Plätze im NHL Kader zu kämpfen. Veteranen können wieder in den Rhythmus kommen, endlich die muffige Trainingshalle verlassen und auf das geliebte Eis gehen. Dennis Seidenberg von den Boston Bruins nahm sich die Zeit, um mit Hockeyweb zu sprechen. Herausgekommen ist ein tolles Gespräch über seinen Sommer, Pläne für die Zukunft und seine Einschätzung zum deutschen Eishockey.

Herr Seidenberg, vielen Dank, dass Sie sich kurz vor Beginn der Training Camps die Zeit für ein Gespräch mit uns nehmen. Wie war Ihr Sommer?

Der Sommer war sehr schön. Wir haben ihn wie immer in New Jersey verbracht. Direkt am Meer, das lieben die Kinder natürlich. Sie haben ihre Cousinen und Cousins dort. Es war insgesamt ein sehr schöner Sommer, für meine Frau, für mich und auch für unsere Kinder.

Ihre Absage für die Eishockey WM 2015 kam relativ spät, hatten Sie damals Ihren Urlaub bereits geplant, oder woran ist Ihre Teilnahme letztlich gescheitert?

Ursprünglich wollte ich etwas früher Absagen, aber Pat Cortina wollte es so einfach damals nicht hinnehmen. Er wollte mir einfach noch mehr Zeit geben, um mich noch zu entscheiden. Deswegen war es nicht unbedingt mein Fehler, dass es so spät war, Pat wollte, dass ich komme, aber meine Verletzung am Handgelenk hat es dann einfach nicht möglich gemacht. Auch wenn es öffentlich anders dargestellt wurde.

Aufgrund der verpassten Playoffs der Boston Bruins, hatten Sie einen ungewöhnlich langen Sommer, haben Sie sich diesen Sommer anders vorbereitet, als die Jahre zuvor?

Nein, eigentlich nicht. Wie jeden Sommer, habe ich mir eine kurze Zeit frei genommen und dann auch wieder angefangen zu trainieren. Mir gefällt es im Sommer zu trainieren, man hat weniger Stress. Von daher habe ich den Sommer durchtrainiert. Es war länger als sonst, aber man konnte sich somit auch die nötige Zeit geben, um zu regenerieren und sich richtig vorzubereiten.

Seit Anfang September haben Sie bei den Boston Bruins die Möglichkeit wieder auf dem Eis zu trainieren, konnten dabei auch schon einige der jungen Spieler sehen, wie ist Ihr Eindruck?

Heute (08.09.2015) war der erste Tag, wo mehr junge Spieler mit uns auf dem Eis standen. Letzte Woche waren es noch nicht so viel. Ich habe zwar ein paar gesehen, aber ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht genau wer jetzt wer ist. Aber es gibt dort durchaus sehr gute, sehr technisch begabte Spieler. Es wird interessant, im Camp, wer es schafft sein Können zu zeigen und letzten Endes in das Team kommt. 

Wie sehen Sie allgemein die Entwicklung der Boston Bruins, diesen Sommer hat sich ja einiges getan?

Wir haben immer noch sehr gute Führungsspieler, wie Patrice Bergeron und Zdeno Chara. Ich denke, dass wir gut aufgestellt sind. Wir haben viele neue Spieler, daher ist es schwer zu sagen, wie es zu Beginn funktionieren wird, aber manchmal ist ein Umschwung gut für eine Mannschaft und hoffentlich ist dies der Fall bei uns.

Wie überraschend waren für Sie die Trades von Milan Lucic und Dougie Hamilton?

Ja sehr, speziell Milan Lucic war ein wichtiger Spieler der Mannschaft. Aber auch bei Dougie hat man nicht erwartet, dass diese Spieler getradet werden. Aber dafür gab es Gründe, wir dürfen den Spielern nun nicht hinterher trauern und überlegen ‚Was wäre wenn?‘, sondern müssen positiv nach vorne schauen.

Um Ihre Person gab es während des Sommers auch mehrere Gerüchte, dass sie zu einem anderen Team getradet werden sollen, wie haben Sie das wahrgenommen?

Wenn ich das vom Management gehört hätte, hätte es mich sehr geärgert, aber es waren nur Pressegerüchte und daher mache ich mir darüber überhaupt keine Gedanken. Ich will dieses Jahr einfach nur gut spielen und gesund bleiben. Das ist das Wichtigste.

Wie schätzen Sie die Chancen der Bruins für die kommende Saison ein? Denken Sie, dass ihr Team wieder um den Stanley Cup mitspielen wird?

Es muss jedes Jahr das Ziel sein, um den Stanley Cup zu spielen. Wie gesagt, es ist schwer zu sagen, wo wir genau stehen. Wir hoffen, dass die Wechsel uns besser gemacht haben und wir in der kommenden Saison besser abschneiden werden.

Auch andere Teams der NHL haben sich über den Sommer verbessert, es gab einige Veränderungen. Gibt es für Sie ein Team, welches besonders überraschen könnte, ähnlich wie Calgary im letzten Jahr?

Ich schätze die Columbus Blue Jackets sehr stark ein. Sie hatten viele verletzte Spieler letztes Jahr, aber waren trotzdem ein sehr gutes Team. Wenn alle fit sind und die neuen Spieler dazu passen, denke ich, dass sie ein sehr starkes Team sein werden.

Washington wird sicher wieder ein Wort mitreden wollen und Pittsburgh, die sich im Sturm, mit Phil Kessel nochmals verstärkt haben, wird auch stark sein.

Kommen wir zum deutschen Eishockey. Am 08.09.2015 haben die DEL und die DEL2 beschlossen, dass ab der Saison 2017/18 der Auf- und Abstieg eingeführt wird. Wie bewerten Sie, als nordamerikanischer Profi, diese Entscheidung?

In Deutschland ist man aus anderen Sportarten einfach gewohnt einen Auf- und Abstieg zu haben. Ich denke, dass ist das, was die Fans wollten, für sie macht es die Saison interessanter.

Als Spieler, ist es natürlich nie gut, gegen den Abstieg spielen zu müssen. Ich habe es lieber, wie es in Nordamerika ist, dass man nicht absteigen kann. Aber wie gesagt, man muss das Spiel auch an die Zuschauer und Fans verkaufen, die sich diese Regelung seit Jahren gewünscht haben und wenn es den Sport interessanter macht, ist es die beste Entscheidung den Auf- und Abstieg wieder einzuführen.

Mit Tobias Rieder hat sich ein Spieler in der Liga etabliert, Leon Draisaitl ist auf dem Sprung, Phillip Grubauer hat sich einen Namen gemacht. Wie beurteilen Sie generell die Entwicklung des deutschen Eishockeys?

Es ist auf jeden Fall im Aufschwung. Auch der Wechsel in der Führungsetage des DEB, mit Marco Sturm als neuen Manager der Nationalmannschaft, hilft unserem Sport. Hier drüben spielen bereits so viele junge Spieler in den Nachwuchsligen, dann hast du die jungen Deutschen, wie Rieder, der sich einen Stammplatz erkämpft hat, Matthias Plachta hat auch bei Arizona unterschrieben, Grubauer hat sich seinen Platz verdient. In Deutschland wir bereits viel versucht, es kann auch noch viel verbessert werden, aber ich denke, dass die deutschen Spieler besser ausgebildet werden und hoffentlich in naher Zukunft mithalten können, mit der Elite in Europa, oder der Welt.

Stichwort Marco Sturm: Hatten Sie Kontakt, seit er nun Manager/Trainer der Eishockey Nationalmannschaft ist?

Ich habe ihm direkt gratuliert, als ich erfahren habe, dass er Manager der Nationalmannschaft wird. Vor ein paar Wochen, hatten wir kurz die Möglichkeit zu telefonieren.

Können wir auch in Zukunft auf Dennis Seidenberg in der Nationalmannschaft freuen?

Wenn es körperlich geht, auf jeden Fall. Zur WM war ich leider verletzt. Aber für die Zukunft ist es geplant, wenn ich fit bin und spielen kann, dann werde ich auf alle Fälle spielen.

Zum Schluss noch eine augenzwinkernde Frage, sollten die Boston Bruins erneut den Stanley Cup gewinnen, würden Sie den Stanley Cup dann mit nach Deutschland bringen?

Das ist der Plan. Ich wollte ihn bereits beim letzten Mal mitbringen, aber der Sommer war einfach sehr stressig, meine Frau war damals auch noch schwanger. Daher hatten wir entschieden, das Beste wäre es, in Boston zu bleiben. Aber beim nächsten Mal, hoffentlich nächstes Jahr, bringe ich ihn nach Deutschland.

Vielen Dank, Dennis Seidenberg, für dieses nette Gespräch und viel Erfolg in der kommenden Saison.

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