Eine Österreicherin in New YorkJanine Weber spielt künftig in der neuen NWHL

Janine Weber im Trikot der österreichischen Nationalmannschaft - Foto: imagoJanine Weber im Trikot der österreichischen Nationalmannschaft - Foto: imago
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Ein Österreicher schießt Boston zur Meisterschaft – und unterschreibt wenig später einen historischen Vertrag in New York. Etwas verpasst? Keine Sorge. Die Chicago Blackhawks haben den aktuellen Titel in der NHL gewonnen. Und die Kader der Rangers und Islanders müssen ebenfalls nicht durchforstet werden. Denn es handelt sich um Janine Weber, die sich einen Eintrag auf Seite 1 der Geschichtsbücher gesichert hat – in denen der National Women's Hockey League, die im Oktober ihren Spielbetrieb aufnimmt.

„Es war im Juni“, erinnert sich die 24-jährige Innsbruckerin. In der ersten US-amerikanischen Liga, die ihre Spielerinnen als Profis bezahlen wird, hat sie den allerersten Spielerinnenvertrag unterschrieben. Nicht nur den ersten Vertrag der New York Riveters, für die sie künftig aufs Eis gehen wird. Sondern den ersten Vertrag überhaupt in der neuen NWHL.

Erstmals werden Spielerinnen bezahlt

Für das Frauen-Eishockey ist die Gründung dieser Liga ein Quantensprung. Schon einmal gab es eine Liga dieses Namens. Allerdings war die von 1999 bis 2007 existierende Liga eine reine Amateurliga, deren Teams zumeist aus Kanada kamen. Nach dem Ende dieser ersten NWHL wechselten die meisten Teams in die neue Canadian Women's Hockey League, die den ersten Schritt zur Professionalisierung tat – die Spielerinnen wurden allerdings noch nicht bezahlt. „Wir haben einen Teil der Ausrüstung bekommen“, berichtet Weber, die in der vergangenen Saison für die Boston Blades, dem einzigen US-Team in der aus fünf Mannschaften bestehenden CWHL, spielte. „Auch Flüge und Verpflegung gab es.“ Die neue NWHL stellt nun den ersten Versuch dar, Frauen-Eishockey wirklich professionell zu betreiben und wird ihre Spielerinnen als Profis bezahlen.

Neben den New York Riveters gehen noch Boston Pride, die Buffalo Beauts und Connecticut Whale ab Oktober in der NWHL an den Start. Vier Teams also. Ähnlich wie bei der Gründung der NHL vor 98 Jahren. „Die Liga hat verschiedene Tryout-Camps veranstaltet“, berichtet Janine Weber. Sie reiste nach Stamford, wo Connecticut Whale beheimatet ist. Und sie überzeugte. „Es waren auch die Manager der anderen Teams vor Ort.“ Und die Macher der New York Riveters sprachen sie an. Und nun wird Weber im „Big Apple“ spielen.

Janine Webers Schläger in der Hall of Fame

Im nordamerikanischen Frauen-Eishockey ist sie keine Unbekannte. Mit ihrem bisherigen Team, den Boston Blades, gewann sie in der zurückliegenden Saison den Clarkson Cup, die Meistertrophäe der CWHL. Im entscheidenden Spiel gegen die Montreal Stars erzielte die Innsbruckerin in der Verlängerung den 3:2-Siegtreffer. „Ich bin dann von einem Vertreter der Hockey Hall of Fame angesprochen worden, ob ich meinen Schläger abgeben würde, mit dem ich das Tor erzielt hatte.“ Weber überlegte kurz – und gab das gute Stück dann her. Kurz zuvor war sie in Toronto, besuchte die Ruhmeshalle. Seit ihr Schläger dort zu sehen ist, war sie allerdings nicht mehr dort.

2013/14 begann ihre US-Karriere. Zunächst spielte sie für die das Collegeteam der Providence Friars in der NCAA, ehe sie sich ein Jahr später den Boston Blades in der CWHL anschloss. Da sie dort kein Geld verdiente, musste sie nebenher arbeiten. „Ich hatte einen Job als Assistenzlehrerin an einer Schule für Kinder mit Autismus. Zuvor habe ich auf Grundschullehramt studiert“, erklärt sie. Also hat sie so ganz nebenbei auch noch einen wichtigen Beruf ausgeübt. Dass sie gut Eishockey spielen kann, stand schon zuvor fest. Wie in Deutschland müssen die meisten Mädchen auch in Österreich mit den Jungs spielen, da es – mangels Masse – keinen reinen Mädchen-Spielbetrieb gibt. „Ich habe zu Hause beim HC Innsbruck angefangen“, berichtet Weber. Später spielte sie beim Frauen-Eishockey-Verein EHV Sabres Wien, mit dem sie zweimal die EWHL, also die europäische Frauenliga, gewann.

Visum als Eishockeyspielerin

Und nun New York. „Ich bin ja noch jung, da kann man so etwas machen“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Diesmal ist kein Nebenjob nötig – und auch gar nicht möglich. „In meinem Visum steht, dass ich als Eishockeyspielerin arbeite.“ Vor kurzem noch undenkbar. „Ich habe auch nie damit gerechnet“, bekennt sie.

So ganz freiwillig hat die CWHL ihre Spielerinnen nicht hergegeben. „Alle von uns, die von der CWHL in die NWHL gewechselt sind, sind nun in der kanadischen Liga für ein Jahr gesperrt“, so Weber. Dabei wäre eine Kooperation beider Ligen für die Entwicklung des Frauen-Eishockeys doch das beste. „Wer weiß. Das ist Zukunftsmusik“, sagt Weber.

In jedem Fall wird die NWHL helfen können, das Frauen-Eishockey in den USA nach vorne zu bringen. Schon in der CWHL kamen zum Finale viele Leute in die Halle. „Ich denke, da waren es so um die 2000“, sagt Weber. Unter der Woche standen in der regulären Saison Spiele am Freitag, Samstag und Sonntag an. „Morgens um 9 Uhr an einem Sonntag war es natürlich eher leer.“ Die NWHL wird sich auf ein Spiel am Wochenende konzentrieren. „So sollen die Spiele besser vermarktet werden“, erklärt die Österreicherin.

Name und Logo ihres Teams stehen übrigens für Frauen-Power in einem „Männerjob“. „Rosie the Riveter“ (Rosie, die Nieterin) stand als fiktive Figur für Frauen, die ab 1941 für Jobs in der Rüstungsindustrie angeworben wurden. Ein berühmtes Plakat dieser Zeit stand Pate beim Logo der New York Riveters.

Auftaktspiel in Connecticut

Inzwischen ist Janine Weber nach New York aufgebrochen. Am 11. Oktober beginnt für Weber und die Riveters die Saison mit einem Auswärtsspiel in Connecticut. Eine Woche später steigt das erste Heimspiel in Brooklyn gegen Boston. Wie Weber ihre Zukunft sieht? „Schauen wir einfach mal. Alle Spielerinnen in der Liga haben erstmal einen Ein-Jahres-Vertrag bekommen. Viele Spielerinnen wollen in die neue NWHL“, sagt die 90-fache Nationalspielerin Österreichs. Eine Spielerin, von der man vielleicht eines Tages sagen kann, dass die durch ihre Vertragsunterschrift Eishockey-Geschichte geschrieben hat. Frauen-Eishockey-Geschichte.

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