Ein Land auf der Suche nach dem verlorenen PokalDenkwürdige Momente der Eishockeygeschichte

Der Stanley-Cup-Sieg von 1993 nur eine Erinnerung auf dem Videowürfel. Die Montreal Canadiens ehrten ihre Helden 2018, also 25 Jahre nach dem Titelgewinn. (Foto: dpa/picture alliance/empics)Der Stanley-Cup-Sieg von 1993 nur eine Erinnerung auf dem Videowürfel. Die Montreal Canadiens ehrten ihre Helden 2018, also 25 Jahre nach dem Titelgewinn. (Foto: dpa/picture alliance/empics)
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Auch eine Ikone wie Wayne Gretzky musste sich mal geschlagen geben. Als Superstar der Los Angeles Kings, der diesen nach bereits vier Cup-Siegen mit den Edmonton Oilers erstmals zum Triumph verhelfen sollte, stand Gretzky mit den Kings 1993 auch im Finale, doch „The Great One“ sollte letztlich mit leeren Händen dastehen und keines der Spiele im Finale mit den Kings gewinnen. Die Montreal Canadiens, das älteste Eishockey-Franchise der NHL und damit der Welt, wurden Stanley-Cup-Sieger 1993, besiegten das Team um Wayne Gretzky glatt mit 4:0 – und schienen wie auch ihre kanadischen NHL-Nachbarn seit diesem Zeitpunkt mit einem Fluch belegt zu sein.

Seit dem Stanley-Cup-Sieg der Canadiens 1993 wartet der, der es mit dem kanadischen Eishockey hält, nun darauf, dass eines der sieben in Kanada ansässigen NHL-Teams aus Toronto, Vancouver, Ottawa, Montreal, Winnipeg, Edmonton oder Calgary das letzte Spiel der Playoffs gewinnt und damit den Stanley Cup „nach Hause“ bringt. Vor allem auch die Toronto Maple Leafs waren in der jüngeren Vergangenheit immer wieder im medialen Fokus und machten in erster Linie mit unterbotenen Erwartungen Schlagzeilen.

Die Leafs, die das Ahornblatt der Nationalflagge im Wappen und auf dem Trikot tragen, sind einer der Hochburgen des kanadischen Eishockeys mit stets ausverkauftem Stadion. Dennoch sind die Leafs nach heutigem Stand das Team, das die längste Zeit auf einen Gewinn des Stanley Cups warten – geschlagene 59 Jahre mittlerweile. Nach der letzten Playoff-Teilnahme 2004 schaffte es Toronto erst 2013 wieder, die Playoffs zu erreichen. In der ersten Runde zwangen sie die Boston Bruins in Spiel sieben, gaben darin die 1:4-Führung in den letzten Minuten jedoch noch aus der Hand und verloren in der Verlängerung. 2017 und mit einigen Draft Picks versehen, die den Kader verjüngten und aufwerteten, waren die Washington Capitals Endstation in der ersten Playoff-Runde für die Toronto Maple Leafs –  und schon 2018 resümierten die Journalisten aus Toronto: „another heart break in Boston for the Toronto Maple Leafs“, als Spiel sieben in Boston für die Leafs erneut verloren ging. 2019 sollten die Bruins erneut siegreich über die Leafs sein.

Blickt man auf die letzten zehn Jahre aller Mannschaften aus dem Land der Ahornblätter zurück, finden sich dabei aber durchaus Möglichkeiten; nahe dran schienen einige Teams. Die Montreal Canadiens kamen 2010 immerhin bis ins Finale der Eastern Conference und spielten zumeist Playoffs, was bei den anderen Konkurrenten aus dem eigenen Land nicht immer der Fall war. 2017 scheiterten die „Habs“ im Finale gegen die Pittsburgh Penguins – mal wieder einem Gegner aus den Staaten. 2014/15 und 2016/17 holten die Canadiens jeweils den Division-Titel, schieden aber bereits in Playoff-Runde zwei bzw. eins gegen amerikanische Konkurrenten (Tampa Bay Lightning 2015 & New York Rangers 2017) aus.

Während die Vancouver Canucks 1994 und 2011 im Finale um den Cup standen, beide Serien aber jeweils in Spiel sieben in New York gegen die Rangers bzw. vor eigenem Publikum gegen die Boston Bruins verloren, kamen die Fans der Mannschaft aus Winnipeg, die erst 2011 aus Atlanta nach Winnipeg umsiedelte, auch schon auf die Kosten von Playoff-Teilnahmen. Weiter als das Conference-Finale kamen die Jets bislang nie, schieden dabei in der letzten Saison gegen den späteren Cup-Sieger, die St. Louis Blues, aus.

Wenige Playoff-Teilnahmen stehen auch den Ottawa Senators zu Buche, die 2017 zuletzt ebenfalls am späteren Champion, den Pittsburgh Penguins, im Conference-Finale scheiterten. Weit kamen die „Sens“ nur selten, doch griffen sie 2007 zumindest nach Lord Stanley, verloren aber die Finalserie 1:4 gegen den amerikanischen Konkurrenten aus Anaheim. Nach einigen Playoff-Teilnahmen traf Ottawa vor wenigen Jahren der Sparkurs, sodass die Zuschauer der kanadischen Hauptstadt drei Saisons in Folge keine Playoffs mehr zu sehen bekamen.

2004 erfuhren die Calgary Flames um den damaligen Franchise-Player Jarome Iginla die nächste bittere kanadische Pille: In Spiel sieben verloren die Flames bei den Tampa Bay Lightning knapp mit 2:1 und besiegelten damit ein weiteres Jahr ohne Cup für Kanada. In der Folge stand nicht immer die Teilnahme an der NHL-Endrunde an, und wenn, war nach der ersten Runde immer Schluss – bis auf 2015, als Calgary den eigenen kanadischen Wettbewerber aus Vancouver schlug, in der zweiten Runde aber die Segel strich.

Zu guter Letzt und vor allem aus deutscher Sicht interessant sind die Höhen und Tiefen der Edmonton Oilers, die seit 2014 mit Leon Draisaitl durch einen der besten deutschen Stürmer in Übersee jemals vertreten werden. Der fünfmalige Champion aus Edmonton, darunter vier Mal von Wayne Gretzky zum Cup angeführt, schien vor allem nach der Ära ab den 90er-Jahren immer wieder mehr oder weniger starken Schwankungen zu unterliegen; meist stellte die Defensive den Schwachpunkt im Spiel der Oilers dar.

Vor allem zur Jahrtausendwende fanden die Playoffs häufig ohne die Oilers statt. Einer verlorenen Finalteilnahme 2006 folgten viele Jahre ohne Endrunden-Teilnahme. Die Verstärkung durch Taylor Hall verpuffte erfolglos, 2014 folgte Draisaitl als höchstgedrafteter deutscher Spieler sowie Connor McDavid 2015. Erst 2017 zogen die Oilers erstmals nach elf Jahren wieder in die Playoffs ein, schlugen in Runde eins die San Jose Sharks, schieden aber gegen die Anaheim Ducks in Runde 2 aus. Die Folgesaison konnte nicht bestätigt werden.

Kanadische Teams in den Playoffs oder in den späteren Playoff-Runden sind mit Sicherheit nicht als Mangelware anzusehen. Immerhin nach dem Cup gegriffen in Form von Finalteilnahmen haben diverse kanadische Clubs in den letzten Jahren nach dem letzten Triumph der Montreal Canadiens 1993; dass dieser ihnen verwehrt blieb, wurde häufig durch Nuancen entschieden, so zum Beispiel, als die Calgary Flames im Finale gegen die Tampa Bay Lightning im entscheidenden Spiel 1:2 unterlagen, Edmonton 2006 den Carolina Hurricanes oder die Vancouver Canucks 2011 zu Hause den Boston Bruins – alle jeweils im alles entscheidenden Spiel.

Doch wohin geht die Reise; wann ist ein kanadisches Team mal wieder in Schlagweite, einen sogenannten Cup-Run erfolgreich zu vollenden? Auf weite Sicht gesehen wurde den Edmonton Oilers durch den Wiederaufbau ihrer Kader nach vielen hinteren Position im Endklassement eine gute Rolle prophezeit. Der Erfolg bislang hielt sich bis auf 2017 aber in Grenzen, eine genaue Abschätzung wäre auch bis zum Abbruch dieser Saison nur schwer möglich gewesen. Ein Absturz aus den Playoff-Rängen wäre dabei eher unwahrscheinlich gewesen, wozu es in der Endabrechnung dann gereicht hätte, ist vakant und dürfte sich im geplanten Turnier-Abschluss der NHL offenbaren. Nur knapp hinter den Oilers befanden sich sowohl die Calgary Flames als auch Vancouver Canucks auf Playoff-Kurs. Zugleich waren die Ottawa Senators fast aus dem Rennen für Playoff-Plätze, auch die Montreal Canadiens hatten nur noch wenige Chancen. Die Toronto Maple Leafs standen vor Abbruch auf Platz drei ihrer Division, die Winnipeg Jets mussten bangen. Ungeachtet des Modus der genaueren Fortsetzung werden also mindestens fünf der sieben kanadischen Franchises an den kommenden Playoffs in Turnierform teilnehmen und den Stanley Cup ohne Zuschauer ausspielen. 

Sport ist niemals planbar und so sehr sich Kanada wünscht, einen Umzug des Cups von den Staaten ins eigene Land vorzunehmen: Das Heimatland der kältesten Mannschaftssportart wird erst wieder in den Genuss des Stanley Cups kommen, wenn eine kanadische Mannschaft das letzte Spiel der Playoffs gewonnen hat. 


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