Ein Bayer in HalifaxKonrad Abeltshauser

Konrad Abeltshauser ist eine wichtiger Spieler für die Halifax Mooseheads in der QMJHL. (Foto: David Chan)Konrad Abeltshauser ist eine wichtiger Spieler für die Halifax Mooseheads in der QMJHL. (Foto: David Chan)
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Dafür ist seine Körpersprache auf dem Eis für jedermann erkennbar. „I zeig denen scho, wo der Bartel an most hoit“, grinst Abeltshauser über seine Spielweise. Wer der Boss ist, zeigte er beispielsweise im ersten Play-off-Spiel der aktuellen Saison gegen Moncton, als er den Wildcats-Kapitän Patrick Delisle-Houde so checkte, dass dessen Helm durch die Luft flog. „Der Helm war gut fünf Sekunden in der Luft“, lacht Abeltshauser weiter. Überhaupt sieht man immer ein Grinsen im Gesicht des 1,95 Meter großen Verteidigers.

2009 startete Abeltshauser sein größtes Abenteuer. In der Saison 2009/10 wechselte er zu den Halifax Mooseheads in die Quebec Major Junior Hockey Leauge. Sportlich lief das erste Jahr für Abeltshauser gut. In nur 48 Spielen kam er auf fünf Tore und 20 Assists und gerade einmal 28 Strafen. Nicht schlecht in einer Rookie-Saison. Dies veranlasste auch die San Jose Sharks nach der Saison 2009/10, ihn im Entry Draft zu ziehen. In sechsten Runde und an Platz 163 wählten sie ihn aus. Damals verfolgte Abeltshauser den Draft am heimischen Laptop. Die Familie grillte draußen und er flitzte zwischendurch immer wieder hinein, um die Seite der NHL zu aktualisieren. Als dann sein Name dort stand und die Sharks als sein Abnehmer feststanden, war die Freude groß. Immerhin gelten sie sozusagen als deutsche Talentschmiede für die NHL.

Für die Play-offs reichte es damals übrigens nicht in Halifax – was wirklich ein Kunststück ist. Immerhin kommen 16 von 17 Teams in der Liga in die heiße Phase der Saison.

Dass ein für die NHL gedrafteter Spieler gut genug ist für die Nationalmannschaft, ist klar. So durchlief Abeltshauser jede Nachwuchs-Nationalmannschaft von der U17 bis zur U20. 2010 klappte es sogar, dass er mit der U18 und der U20 aufstieg. 2012, bei der erfolgreichen Mission Aufstieg, war er der Kapitän der deutschen U20-Nationalmannschaft und gehörte zu den Stützen des Erfolgs. Es klappte zwar nicht mit vielen Toren, aber das eine, das er schoss, war der wichtigste des gesamten Turniers. „Wir haben so viele gute Stürmer im Kader, da muss ich keine Tore schießen. Ich hebe mir meinen Hammer für die entscheidenden Spiele auf“, sprach Abeltshauser noch vor dem Spiel gegen Slowenien zu einer regionalen Zeitung.

Außerdem wurde er zum besten Verteidiger des Turniers gewählt. Eine von vielen Auszeichnungen bei einer U20-WM, unter anderem schaffte er es zum „Top Player on Team“, „Most Points by Defenseman“, „Best Plus/Minus (+10), „Best Defenseman“. Und dies nur bei der U20-WM 2011/2012. In der Liga hat es zwar noch nicht zu Ehrungen gereicht, doch die Mooseheads verliehen Pokale an ihre besten Spieler. Wie nicht anders zu erwarten, war Abeltshauser bester Verteidiger. Außerdem ging die „Sarah Morris Community Involvement“-Auszeichnung nach dem letzten Heimspiel an Abeltshauser.

Ernst Höfner: „Abeltshauser ist ein unverzichtbarer Spieler“

Aber auch abseits des Eises ist er ein wichtiger Bestandteil eines Teams. Als er erfuhr, dass Nordamerikakollege Nico Krämmer überlegte, nicht nach Kanada zurückzukehren, um in Deutschland zu bleiben, suchte Abeltshauser das Gespräch. „Er wollte aber darüber auch grad nicht reden. Dann wollte ich ihm da mal nicht auf die Nerven gehen.“ Immerhin ist er nun im dritten Jahr in Kanada und ist somit ein junger „alter Hase“ und kämpfte selbst mit typischen Problemen eines jungen Burschen in der Ferne. Heimweh ist dabei eine große Sache. „Dahoam is dahoam und so schee wie dahoam, is a nirgends. Von dem her möchte ich jede Gelegenheit nutzen, heimzufahren und am besten immer so lang, wie es geht. Aber in Halifax find ich es auch super, aber mit Unterbuchen kann einfach nix mithalten.“

Über Facebook steht er im regelmäßigen Kontakt mit Zuhause und verfolgt über das Internet das Geschehen bei den Tölzer Löwen. Diese liegen ihm noch sehr am Herzen, hängt ja auch ein Trikot von ihm in der Kabine der DNL-Mannschaft als Ehre für einen von ihnen, der es nach weiter oben geschafft hat. Zuletzt rief er über seine Facebookseite dazu auf, der Schülermannschaft des EC Bad Tölz die Daumen zu drücken für die Meisterschaft.

Die Heimat lässt ihn einfach nicht los und daher ist für ihn auch die schönste Zeit in der Saison rund um Weihnachten. Dann bekommt er auf Kosten des Vereins zurück nach Bayern, um hier Weihnachten und den Geburtstag der kleinen Schwester zu feiern. Dieses Jahr gab es dann einen verlängerten Heimaturlaub wegen der Heim-WM. Nach dem Aufstieg wurde dann aber im heimischen Unterbuchen selig das Weihnachtsfest im Rahmen der Liebsten gefeiert.

Am 26. Dezember ging es dann zurück nach Nordamerika, wo sein Team, die Mooseheads, auf ihn warteten. Schon vor dem Trip nach Deutschland wurde Abeltshauser von seinen Trainern gefragt, ob er nicht auf die WM verzichten würde. Er ist einfach ein zu wichtiger Spieler für die Mannschaft, zählt Abeltshauser doch zu den besten Verteidigern in der Liga.

Abeltshauser suchte nach der Bitte seiner Trainer mit jedem Spieler im Kader das Gespräch.

„Ja, ich konnte da auch beide Seiten verstehen, aber ich hab’ mich als kleiner Bua immer geärgert, wenn die ganzen NHL Spieler bei der WM gefehlt haben, und hab’ mir gedacht, wenn ich in der Situation wäre, würde ich sofort für mein Land spielen. Aber jetzt wo ich in der Situation war, ist es nicht ganz so einfach, weil man hat ja Verantwortung gegenüber seinen Mitspielern und dem Club hat, aber ich habe alle meine Mitspieler gefragt, ob sie es okay finden, wenn ich gehe und alle haben gesagt, sie würden auch gehen, wenn sie in meiner Situation wären. Von dem her haben da alle Kollegen Verständnis“, so Abeltshauser.

Nun ist er allerdings wieder beim Team und steht mit seinen Mooseheads in den Play-offs „Nach zwei Jahren im Keller darf man schon mal oben mitspielen.“ Die Mooseheads beendeten die Saison auf Platz sechs. Das Jahr davor kamen sie gerade als 15. in die Play-offs. Der geheime Traum des Abeltshauser ist natürlich der Memorial Cup. Ob Halifax es schafft, bleibt abzuwarten. Zunächst muss man in der ersten Runde Moncton schlagen und als Sieger der Play-offs in der QMJHL sich für das Memorial-Cup-Turnier qualifizieren. Noch ein weiter weg also für Konrad Abeltshauser und die Mooseheads.

Einen Blick weiter hinaus in die Zukunft wagt Abeltshauser natürlich auch. Immerhin ist diese Saison die letzte für Konrad Abeltshauser in Halifax. Zwar könnte er mit dem so genannten „Over-Age“-Jahr auflaufen – jedes Team der Liga darf nur drei Spieler über 20 im Kader haben – aber er plant, diese Option nicht wahrzunehmen, und würde lieber in die Organisation der San Jose Sharks wechseln. Allerdings verlieren die Kalifornier am 1. Juni die Draft-Rechte an ihm, welcher daraufhin entweder noch einmal gedraftet werden darf oder Unrestricted Free Agent wird. Noch liegt kein Vertrag von den Sharks vor. Doch wenn Abeltshauser so weiter spielt, sollte schon bald nach der Saison ein Vertrag ins Hause Abeltshauser einfliegen.

„Darüber will ich mir aber nicht den Kopf zerbrechen, einfach Eishockey spielen und abwarten“. Es gibt also für Konrad Abeltshauser einige Möglichkeiten in der nächsten Saison. Kommt er zurück in die Heimat? Bleibt er vielleicht doch noch ein viertes Jahr in Halifax? Oder unterschreibt Er noch einen Vertrag mit San Jose und ebnet damit seinen Weg zur NHL? Ganz egal in welchem Land oder Team, man wird sicher noch einiges hören vom Abwehrriesen aus Unterbuchen, Konrad Abeltshauser. „Wenn gar nichts klappt, lass ich mich auf dem Hof meiner Eltern nieder.“ NHL-Profi oder Bauer in Unterbuchen, die träume könnten nicht unterschiedlicher sein.


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