"Du musst schon vorher wissen, was Du mit dem Puck machen willst!"Dominik Kahun im Interview

Oh Capitan, mein Capitan: Dominik Kahun mit seinem Sturmpartner und Superstar Jonathan Toews im Zwiegespräch. (picture alliance / newscom)Oh Capitan, mein Capitan: Dominik Kahun mit seinem Sturmpartner und Superstar Jonathan Toews im Zwiegespräch. (picture alliance / newscom)
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Die Chicago Blackhawks scheinen ihre Talfahrt vorerst gestoppt zu haben. Aus den letzten beiden hart umkämpften Spielen holten sie gegen die Pittsburgh Penguins - 6:3 nach zwei Empty-Net-Goals in der Schlussphase, eines davon durch Dominik Kahun - und die Winnipeg Jets - 3:4 nach Verlängerung gegen eines der besten Team der Western Conference - drei von vier möglichen Punkten. Eine gute Gelegenheit für uns, sich mit Deutschlands erfolgreichstem NHL-Auswanderer dieses Sommers, der aktuell bei 13 Punkten aus 34 Spielen steht und eine Plus-Minus-Bilanz von +7 hat, über die schönen Dinge des Lebens zu unterhalten.

Im Gespräch mit Hocheyweb hat der Silberheld, laut Hawks-Kapitän Jonathan Toews wegen seiner Fähigkeiten, Einstellung und Lernbereitschaft eine der positiven Überraschungen des Trainingscamps der Blackhawks diesen Sommer, auch verraten, wie er die Weihnachtsfeiertage verbringen wird, bis an Neujahr das Winter Classic seiner Chicago Blackhawks gegen die Boston Bruins ansteht im Stadion der ruhmreichen Notre Dame Fighting Irish im US-Bundesstaat Indiana.

Was war das für ein Jahr war das für Sie: Drei deutsche Meisterschaften in Serie mit München, das Olympia-Silbermärchen und schließlich der Umzug von München nach Chicago. Fühlen Sie sich das real an oder ging alles so schnell, dass Sie gar nicht die Zeit hatten zu verstehen, was Sie 2018 erreicht haben?

Das werde ich oft gefragt. Es war ein tolles Jahr bisher. Ich habe immer gesagt, dass es mein Traum ist, in der NHL zu spielen und eines Tages bei Olympia dabei zu sein. Ich habe es zu den Olympischen Spielen geschafft, wir haben eine Medaille gewonnen, was ein unglaublicher Erfolg für Deutschland war – und ich habe mich sehr über die drei Meisterschaften in Serie mit München gefreut. Das ist schon etwas Besonderes. Und dann habe ich meinen NHL-Vertrag bekommen. Ich war unglaublich froh, dass mein Traum in Erfüllung gegangen ist. Ich freue mich, hier zu sein und genieße jeden Tag. Und ich hoffe, dass es so weitergeht.

Jetzt sind Sie in der NHL, bei einem Original Six-Team und einer der wenigen "Dynastien" der jüngeren NHL-Geschichte, und haben die Möglichkeit, mit einigen der größten Spieler (Toews, Kane, Keith usw.) auf dem Eis zu sein. Wie war deine erste Begegnung mit diesen Jungs? Hat die olympische Silbermedaille ein besseres Standing verschafft?

Chicago ist eine tolle Stadt. Ich war noch bei keinem anderen NHL-Team insofern fehlt mir der Vergleich. Aber die Blackhawks-Organisation ist großartig – wir haben hier alles, was wir brauchen – und auch die Mannschaft ist unglaublich: Ich kannte die Jungs aus dem Internet, habe mir Clips auf YouTube angeschaut oder auf der Xbox mit ihnen gespielt. Jetzt sitze ich mit ihnen in der Kabine, das ist schon etwas Besonderes für mich. Die Olympischen Spiele haben mir dabei sicher geholfen, denn da waren natürlich eine Menge Scouts vor Ort – und jetzt bin ich hier.

Wenn Sie den Hauptunterschied zwischen DEL-Eishockey und NHL Hockey benennen müssten, was wäre das?

Das ist natürlich die kleinere Eisfläche. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das so deutlich merken würde. Du hast für alles viel weniger Zeit – Du musst das Spiel lesen, bevor Du den Puck kriegst, und schon wissen, was Du damit machen wirst. Es ist einfach die beste Liga der Welt mit den besten Spielern, und da passiert alles ein bisschen schneller.

Der Wechsel von der DEL in die NHL schien Ihnen sehr leicht zu fallen. Wie konnten Sie diesen scheinbar nahtlosen Übergang bewältigen?

Ich weiß nicht, ob es leicht war. Ich kam hierher zum Rookie Tournament und war doch ein bisschen überrascht, wie hart es war. Jeder hat wirklich alles gegeben und es ging ziemlich zur Sache: Es gab kaum echte Spielzüge, es wurde sehr physisch gespielt, die Scheibe oft nur tief geschossen und hinterhergerannt. Dann kam ich hierher und im Camp hat es mehr Spaß gemacht – und noch mehr bei den Spielen.

Ein wesentlicher Unterschied ist sicher auch das viele Reisen. Wie vertreiben Sie sich die Zeit, wenn Sie unterwegs sind? Mit wem teilen Sie Ihr Zimmer oder wer sitzt normalerweise im Flugzeug oder Bus neben Ihnen?

Ja, an das viele Reisen war ich nicht so gewöhnt. Aber es macht auch Spaß, mit den Jungs zusammen zu sein im Flugzeug oder im Bus, ein bisschen zu zocken und abends gemeinsam zum Essen zu gehen. Das genieße ich schon – aber ich freue mich auch, wenn ich hier in Chicago sein kann. Auch hier spiele ich gerne Games. Ich wohne im gleichen Haus wie David Kampf (ebenfalls Jahrgang 1995, ebenfalls in Tschechien geboren, Red.), der als Rechtsaußen auch mein Sturmpartner ist. Mit ihm verbringe ich viel Zeit.

Was tun Sie in Ihrer Freizeit, soweit es der enge Spiel- und Trainingsplan zulässt?

Im Moment haben wir gar nicht so viel Freizeit, weil wir fast die ganze Zeit unterwegs sind. Ansonsten spiele ich eher. Wenn ich vom Training nach Hause komme, lege ich mich hin oder schaue ein bisschen Fernsehen. Wenn ich aber Besuch bekomme von meiner Freundin oder meinen Eltern, versuche ich, die Zeit mit ihnen so gut wie möglich zu nutzen und ihnen die Stadt zu zeigen und einfach Zeit miteinander zu verbringen.

Wie verbringen Sie die Feiertage – so weit weg von der Familie?

Meine Eltern kommen am 20. Dezember, so dass wir gemeinsam Weihnachten feiern können. Sie werden sich auch ein paar Spiele anschauen und bleiben bis nach dem Winter Classic. Das wird sicher auch für sie etwas Besonderes für sie sein. Meine Freundin kommt dann am 27. Dezember nach und bleibt auch bis nach dem Winter Classic. Darauf freue ich mich schon.

In München war Ihr früherer Teamkollege Steve Pinizzotto der Kabinen-DJ. Wer macht das im Umkleideraum der Hawks – und welche Musik spielt er normalerweise?

Wir hören eigentlich alles Mögliche, ziemlich gemischt. Manchmal hören wir auch beim Training Musik. Vor dem Spiel sind es häufig „Pump Up“-Songs, Hip-Hop zum Beispiel. Die DJs wechseln, manchmal ist es „Toewser“ (Jonathan Towes, Red.) oder „Wardo“ (Ersatztorhüter Cam Ward, Red.). Wardo hat ein paar schöne Sachen gespielt. Ich fand, dass er der Beste war.

Viele Spieler sind vor dem Spiel abergläubisch, ziehen beispielsweise immer zuerst den linken Schlittschuh oder den linken Schoner an. Wie ist das bei Ihnen?

Ich bin nicht abergläubisch und muss auch nicht vor dem Spiel bestimmte Sachen immer gleich machen. Ich versuche nur, vor dem Spiel immer ein bisschen zu schlafen, mal länger, mal kürzer, aber ansonsten habe ich keine besonderen Angewohnheiten.

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