Der Ranger erlegte den Bären

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Der SC Bern verlor gegen die New York Rangers mit 1:8. Schaut man das nackte Resultat an, überfällt einen das Grauen. Analysiert man jedoch Drittel um Drittel, sah man, dass die Berner im letzen Drittel dem Kräfteverschleiss Tribut zollte. Die New York Rangers schossen sechs der acht Tore im letzen Drittel.

Von Urs Berger


Das letzte Drittel hatte es aus Sicht der Berner in sich. Vermochte man kurz nach wieder Beginn mit einem Tor auf 1:2 zu verkürzen, so brach man nach einem doppelten Ausschluss vollends ein. Zu viele Strafen leisteten sich die Berner, zu unkonzentriert agierte man. Die Müdigkeit der Berner war spür- und fühlbar. Nur wenige Spieler der Berner vermochten im letzen Drittel mitzuhalten. Als Leitwolf der Berner, welcher immer wieder nach vorne trieb, und mit guten Schüssen den Torhüter der Rangers testet, war Christian Dubé präsent. Der ehemalige New Yorker wollte seinem Ex-Klub zeigen, was er kann. Ebenfalls auffallend waren die Ausländer. Mit Simon Gamache als deren Anführer vermochte man lange im Spiel zu bleiben. Aus der Sicht der Schweizer vermochte der junge Verteidiger Roman Josi zu überzeugen und den einen oder anderen schnellen Vorstoss zu lancieren. Auch der von den Rangers beobachtete Phillipp Furrer vermochte immer wieder Akzente zu setzen. So präsentierte er sich in einigen Situationen als gute Powerplay-Spieler. In diesen Situationen feuerte er den einen oder anderen harten Schuss ab der blauen Linie ab. Doch zu einem Torerfolg wollte es ihm nicht reichen.

Die ersten 40 Minuten war man ebenbürtig

Im ersten Drittel vermochte der SC Bern gut mitzuhalten. Die Rangers spielten mit einem hohen Tempo, doch hielt Bern gut dagegen. Dennoch erzielten die Rangers zwei Tore und lagen zum Ende des ersten Drittels in Front. Die Chancen der Berner konnte man im diesem Drittel an einer Hand abzählen. Im mittleren Spielabschnitt reduzierten die Spieler aus der NHL das Tempo und liessen dadurch den SC Bern besser ins Spiel kommen. Das Resultat war, dass die Berner vermehrt auf das Tor der Gäste schiessen konnten. Die Scheibe fand jedoch im gross gewachsenen Schlussmann der New Yorker ihren Meister. Die Berner rannten vergeblich an. Erst in der 41. Minute schloss Travis Roche ein Zuspiel von Christian Dubé zum einzigen Treffer der Berner aus. Nun musste der zur Spielmitte eingewechselte Jonas Müller zeigen, was er konnte. Der Glarner durfte sich denn über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Immer wieder musste er das eine oder andere Mal eingreifen und mit seinen Paraden das Gastgeberteam im Spiel halten. Dennoch vermochte er mit seinen Paraden die Berner Niederlage im letzen Drittel nicht abzuwenden. Die New Yorker nutzten die nun zahlreicher werdenden Strafen gekonnt aus. So zerlegten die Rangers die Bären. Ein Fazit kann jedoch gezogen werden. In 40 Minuten waren die Berner ebenbürtig. Die letzen 20 Minuten waren durch Strafen und Müdigkeit geprägt. So weiss nun auch jeder Berner Spieler, dass man sich in solchen Spielen noch mehr konzentrieren muss und Fehler oder Strafen genadenlos ausgenützt werden.

Farmteams sind sinnvoll

An der anschliessenden Pressekonferenz analysierte John van Boxmeer das Spiel mit einem Satz. "Wir haben nicht weitere 20 Spieler, welche sich nach oben kämpfen wollen. Dies spürte man im heutigen Spiel. Der entscheidende Druck von unten fehlt. Zudem bringt es nichts, wenn wir links und rechts sinnlose Checks verteilen. Hier fehlt ein entsprechendes Farmteamsystem wie in Nordamerika, welches den Druck auf unser Team und die Spieler erhöhen würde." Trevor Meier kennt dieses System auch. Doch der Berner mit Schweizer Lizenz machte auch noch andere Punkte geltend. "Wir haben gesehen, was die Spieler aus der NHL können. Die Scheibe laufen lassen, diese genau annehmen und dann schnell weiterspielen. Das sind ihre Stärken. Wir neigen dazu, die Scheibe zu lange zu halten und zu wenig schnell abzuspielen. Desweiteren haben wir zu viele Strafen genommen und uns dann im Boxplay schlecht verhalten." Der im zweiten Drittel eingewechselte Jonas Müller vermochte ebenfalls Lehren aus dem Spiel zu ziehen. "Ich habe gesehen, wie schnell in der NHL gespielt wird. Die Kleinigkeiten haben heute Abend den Unterschied ausgemacht." Auf die Frage, ob er sich erinnere, wann er das letze Mal sechs Tore in einem Spiel erhalten hatte, meinte der Glarner nur: "Das letzte Mal, als ich fünf Tore erhalten habe, war mit Ambri, als ich hier in Bern gespielt habe. Aber sechs Gegentreffer? Das muss schon lange zurückliegen. Vermutlich irgendwann einmal in der Vergangenheit mir den Novizen." 


SC Bern – New York Rangers 1:8 (0:2, 0:0, 1:6)

PostFinance-Arena. – 16.022 Zuschauer. – SR: Koharski (CAN), Vinnerborg (SWE); Masik (SLK), Morin (CAN). – Tore: 4:30 Girardi (Ausschluss Leuenberger) 0:1. 18:28 Redden (Ausschlüsse Gamache, Gerber) 0:2. 41:02 Roche 1:2. 43:55 Drury (Ausschlüsse Froidevaux, Furrer) 1:3. 44:22 Dubinsky 1:4. 51:35 Kalinin 1:5. 42:35 Korpikoski (Potter) 1:6. 55:31 Potter (Ausschluss Ziegler) 1:7. 58:47 Dubinsky (Ausschluss Abid) 1:8. – Strafen: 9-mal 2 Minuten gegen Bern, 3-mal 2 Minuten gegen die New York Rangers.

SC Bern: Bührer (31:52 Müller); Roche, Furrer; Rytz, Josi; Kobach, Gerber; Leuenberger; Dubé, Bärtschi, Gamache; Abid, Bordeleau, Trevor Meier; Pascal Berger, Ziegler, Reichert; Meier, Froideveaux, Alain Berger; Chatelain.

New York Rangers: Valiquette (Ersatz: Lundqvist); Rozsival, Redden; Girardi, Kalinin; Potter, Fahey; Mara; Drury, Gomez, Prucha; Orr, Betts, Fritsche; Zherdev, Dubinsky, Voros; Callahan, Korpikoski, Sjöström; Dawes.

Bemerkungen: Bern ohne Jobin, Plüss und Rüthemann (alle verletzt). New York Rangers ohne Näslund, Rissmiller, Staal und Wiikman (alle geschont/überzählig). – Schüsse aufs Tor: 22:46 (3:12, 12:14, 7:20).

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