Das späte Karriere-Highlight des David Ayres bei den Carolina HurricanesVom Mitarbeiter zum „NHL-Spieler des Tages“

David Ayres bei seiner Ehrenrunde. (Foto: dpa/picture alliance/empics)David Ayres bei seiner Ehrenrunde. (Foto: dpa/picture alliance/empics)
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Eigentlich hatte sich David Ayres den Abend etwas anders vorgestellt. Auch wenn er als Eismeister bei den Toronto Maple Leafs arbeitet, wirkt er stellenweise, wenn aus verschiedenen Gründen mal ein Keeper fehlt, als Ersatzmann am Training mit. Die Kenntnisse hat Ayres, denn war in seiner aktiven Zeit, von 1995 bis 2016 auch in der zweitklassigen American Hockey League tätig, u.a. bei den benachbarten Toronto Marlies.

Nun muss man wissen, dass die NHL-Regularien vorschreiben, dass jede Mannschaft bei einem Heimspiel einen sogenannten Notfall-Keeper in Reserve haben muss, falls mal bei einer der antretenden Teams beide Keeper ausfallen. Die Chance bei einer Lotto-Ziehung auf einen Fünfer liegt höher.

David Ayres begab sich also zusammen mit seiner Ehefrau Sarah zum Spiel seiner Lieblingsmannschaft, nahm Platz auf der Tribüne und ahnte nicht, dass er drei Stunden als „Star des Tages“ das Stadion verlassen sollte und er auch international in allen Fachmedien gefeiert würde.

Was war passiert? Carolina startete mit Stammkeeper James Reimer in die Partie und lag nach zwanzig Minuten nach einem Tor von Alexander Kerfoot 0:1 zurück. Verhindern konnte dies Petr Mrazek im Tor von Carolina nicht. Mrazek deswegen, weil sich Reimer bei einer Rettungstag bereits nach wenigen Minuten verletzt hatte.

Als der auf der Tribüne sitzende David Ayres die Verletzungsszene sah, machte er sich nach einer SMS von Torontos Scouting-Director Reid Mitchell: „Los geht’s, mach Dich parat“, schon einmal auf den Weg zur Kabine von Carolina, wo er vom Assistant Coach Jeff Daniels empfangen wurde. Natürlich, das wusste Ayres, wäre eine Einsatzchance immer noch relativ gering. In der 26. Minute glich Lucas Wallmark für Carolina aus. Vier Minuten später brachte Nino Niederreiter, Schweizer Nationalspieler, Carolina erstmals in Führung und nur sechzig Sekunden später erhöhte Warren Foegele auf 3:1.

Dann begann die 32. Spielminute. Torontos Kyle Clifford lief einen Konter, konnte von Carolinas Defender Haydn Fleury nicht mehr gestellt werden und deswegen rannte Keeper Petr Mrazek aus dem Tor um zu retten und kollidierte dabei mit Clifford. Mrazek verlor den Helm und blieb regungslos liegen, während Carolinas Verteidiger den Übeltäter an der Bande stellten.

Die Rettungstat von Mrazek war zwar erfolgreich, aber der tschechische Keeper musste zur Untersuchung in die Kabine und weil da schon die Nr. 1 saß, nämlich James Reimer, hatte auf einmal der Tribünenplatzbesucher David Ayres unter den Augen von 19.000 Fans und seiner Frau seinen großen Auftritt.

Mit der Nr. 90, über seinem Toronto-Fanleibchen ausgestattet mit einem Carolina-Trikot und einer Ersatzmaske von AHL-Goalie Kasimir Kaskisuos betrat er unter dem Jubel der heimischen „gegnerischen“ Fans das Eis und er sah zunächst sogar das 4:1 seiner „neuen“ Mannschaft, als Teuvo Teravainen seinen Gegenüber Frederik Andersen, dänischer Nationalspieler, überwand.

Dann begannen bange Minuten für Carolina und Ayres. Torontos Topscorer John Tavares und Pierre Engvall brachten gleich die ersten Schussversuche gegen Ayres im Netz unter und es stand nur noch 3:4.

Sollten die Hurricanes durch diese Verletzungsprobleme ihren sicher geglaubten Sieg noch verlieren? Die Antwort lautet Nein, denn die Spieler der Hurricanes scharten sich in der zweiten Drittelpause sogleich um ihren neuen Kollegen und sagten ihm: „Mach Dir keine Sorgen darüber, wie viele Tore geschossen werden. Genieße einfach den Augenblick. Das ist Dein Moment. Dazu Carolinas Trainer Rod Brind'Amour: „Wir sagten ihm, dass wir uns nicht zurücklehnen, sondern ihn beschützen werden. Er muss zwei, drei Paraden machen, das sollte für den Sieg reichen.“

Und was dachte David Ayres: „Das ganze zweite Drittel war ich nervös. In der Pause sagte ich meinen Mitspielern, ich werde jetzt langsam und ruhig weiteratmen und versuchen, das, was ich in den Eistrainings bei den Maple Leafs mache, umzusetzen.“

Das dritte Drittel hatte kaum begonnen, da führten die Hurricanes nach einem tollen Solo von Warren Foegele mit 5:3 und bereits in der 44. Minute gelang Martin Necas mit dem 6:3 der Endstand.

Die Abschlussaktion blieb jedoch wieder David Ayres vorbehalten, der eine Sekunde vor Ende noch einen letzten Schuss von Kyle Clifford locker hielt und danach von seinen Mitspielern förmlich erdrückt wurde.

Torontos Trainer Sheldon Keefe frustriert: „Wir haben keine Schüsse bekommen, keine Chancen, nichts ist passiert. Sie brauchten keinen Torwart, wie das Spiel lief.“

Und was sagte Sarah Ayres, die Ehefrau des Helden von Carolina. Sie twitterte: „Ich bin die glücklichste, stolzeste Frau auf diesem Planeten, weil mein Mann diesen Traum erleben durfte.“