Auf der Suche nach dem großen Glück: Die Deutschen in NordamerikaDie NHL - gelebter und geplatzter Traum

Brooks Macek (r.) kam bislang nur in der Vorbereitung bei Golden Knights zum Zug, aber das könnte sich bald ändern. (picture-alliance / AP Photo)Brooks Macek (r.) kam bislang nur in der Vorbereitung bei Golden Knights zum Zug, aber das könnte sich bald ändern. (picture-alliance / AP Photo)
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Das Silbermärchen hatte die Kader einiger DEL-Teams im Laufe des Sommers ein bisschen durcheinandergewirbelt: Dominik Kahun wechselte nach Chicago, Yasin Ehliz zu den Calgary Flames, Marcel Noebels wurde ins Trainingscamp der Boston Bruins eingeladen und – fast ein bisschen unbemerkt – versuchte es mit Brooks Macek ein weiterer Spieler aus dem Team von Meister München in der besten Liga der Welt. Er schloss sich dem Überraschungsteam der vergangenen Saison, den Vegas Golden Knights, an. Maximilian Kammerer wechselte von der DEG nach Nordamerika - und mit Marco Sturm geht nun der Vater des Erfolgs in die NHL und wird direkt im Anschluss an den Deutschland-Cup bekanntermaßen Co-Trainer der zur Zeit etwas schwächelnden Los Angeles Kings. Nach Ralph Krüger wird Marco Sturm erst der zweite Deutsche sein, der ein Traineramt in der NHL inne haben wird. Zunächst „nur“ als Co von Willie Desjardins, aber der 61jährige fällt nicht mehr in die Kategorie „Jung-Trainer“ und es erscheint – natürlich nur bei entsprechenden sportlichen Erfolgen - durchaus möglich, dass Sturm ihn dereinst beerbt.

Als Thronfolger könnte sich auch Dominik Kahun erweisen – und zwar für keinen Geringeren als Patrick Kane, der zwar erst 30 ist und sicher noch ein paar Jahre auf allerhöchstem NHL-Niveau spielen kann, aber die Blackhawks sind gut beraten, für ihre beiden Führungsspieler Kane und Kapitän Toews Nachfolger aufzubauen. Wer sich schon einmal mit Kahun unterhalten hat, weiß, dass er solchen Vergleichen vermutlich so gewandt ausweichen würde wie er seine Gegenspieler auf dem Eis austanzt, aber die Parallelen sind durchaus da: Für NHL-Verhältnisse sind sie eher klein und schmächtig, dafür aber enorm schnell und mit herausragender Stock- und Schusstechnik ausgestattet. Unabhängig von solchen langfristigen Überlegungen sieht es derzeit so aus, als habe der gebürtige Tscheche den Sprung von der DEL in die NHL nahtlos geschafft: Nach 16 Spielen für den zuletzt etwas kriselnden Meister der Jahre 2010, 2013 und 2015 steht Kahun bei sieben Scorerpunkten und damit unter den Top 10 der punktbesten Rookies. Zwischenzeitlich spielte er sogar in Chicagos Top-Reihe neben Kapitän Jonathan Toews, der Kahun auch dessen erstes NHL-Tor auflegte. Wie sich Kahuns Status in den nächsten Wochen entwickelt, wird sich zeigen, denn die Chicago Blackhawks haben sich in dieser Woche nach zehn Jahren von ihrem Erfolgstrainer Joel Quenneville getrennt.

Ebenfalls nicht mehr bei ihren Teams NHL-Teams sind die beiden Nationalspieler Marcel Noebels und Yasin Ehliz. Noebels kehrte nach zwei Wochen im Trainingscamp der Boston Bruins zu den Eisbären Berlin zurück. Ehliz kam bei den Calgary Flames nicht zum Zug und auch beim Farmteam Stockton Heat lief es nicht wirklich rund für den gebürtigen Tölzer: Gerade einmal zehn Spiele stehen für den Angreifer zu Buche, dabei wurde er teils nur in den hinteren Reihen eingesetzt und entschied sich kurzfristig für den Wechsel zurück in die DEL. Die Red Bulls schlugen zu, die Nürnberger, Ehliz‘ sportliche Heimat in den vergangenen acht Jahren, guckten in die Röhre. Aus Münchner Sicht ergibt die Verpflichtung eine Menge Sinn, denn schließlich fehlen dem Deutschen Meister der letzten drei Jahre derzeit ein halbes Dutzend Spieler – da kommt ein junger, dennoch erfahrener und vor allem torgefährlicher Stürmer gerade recht. Zudem ist Ehliz nun noch näher an seiner Heimatstadt Bad Tölz. Die Nürnberger waren von dieser Entwicklung nur mäßig begeistert und monierten öffentlich das Verhalten ihres ehemaligen Torjägers bei diesem Wechsel.

Ganz geräuschlos hat sich Brooks Macek von München auf den Weg nach Nordamerika gemacht. Die Vegas Golden Knights, die im ersten Jahr ihres Bestehen in der letzten Saison bis ins Stanley Cup-Finale gestürmt waren, hatten den gebürtigen Kanadier verpflichtet. Zwar wird er (noch?) nicht im Kader des NHL-Teams geführt, spielt aber im Farmteam Chicago Wolves eine sehr gute Rolle: „Der deutsche Olympiaheld trifft bei den Chicago Wolves wie am Fließband und spielt sich in den Fokus“ schrieb nhl.com in ihrer deutschen Ausgabe Anfang November. Nur wenige Tage danach erzielte er im Spiel gegen die Milwaukee Admirals, Farmteam der Nashville Predators mit dem ehemaligen Iserlohner Greg Rallo als Co-Trainer, satte fünf Punkte, war damit an allen Toren der Wolves beteiligt und sorgte quasi im Alleingang für den Sieg seiner Wolves im Spitzenspiel der Central Division. Bereits im Oktober hatte er gegen die Grand Rapids Griffins, AHL-Affiliate der Detroit Red Wings, einen Hattrick erzielt:

Mit nunmehr 19 Punkten führt er die Scorerliste der AHL an und ist damit ein heißer Kandidat für einen Call-Up der Golden Knights. Hoffnungen darauf können sich auch seine Teamkollegen Brandon Pirri (228 NHL-Spiele), Sturmpartner Gage Quinney (bisher 18 Punkte) oder auch der Tscheche Tomas Hyka machen.

Maximilian Kammerer muss sich diesbezüglich wohl noch ein bisschen gedulden. Der Angreifer, der von der DEG in die Organisation der Washington Capitals gewechselt war, hat in bisher neun AHL-Einsätzen für die Hershey Bears vier Vorlagen geleistet und liegt damit auf Platz sieben der teaminternen Scorer-Wertung. Die Umstellung auf die kleinere Eisfläche scheint wohl doch ein bisschen Zeit in Anspruch zu nehmen – hier hat beispielsweise Macek, der in Winnipeg zur Welt kam und das ganze kanadische Junioren-System durchlaufen hat, deutliche Vorteile.

Die Bilanz fällt nach der „Wechselwelle“ deutscher Akteure in die NHL nach der Olympia-Sensation also durchaus gemischt aus – wir werden weiter über den Fortschritt berichten.


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