Auf dem Sprung nach Kanada: Cedric Schiemenz und Leon Gawanke im Gespräch„Es ist ein überragendes Gefühl“

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Die Nachricht, dass die Boston Bruins den Vertrag mit Dennis Seidenberg aufgelöst haben, erreichte uns auf dem Weg zu einem ruhigen Platz in der kleineren Trainingshalle direkt neben dem Wellblechpalast. „Ernsthaft? Wow!“, war die erste Reaktion von Cedric Schiemenz (17). „Der findet bestimmt schnell ein neues Team. Der hat's noch drauf“, beruhigte Leon Gawanke seinen Freund.

Beide begannen gemeinsam im Nachwuchs der Eisbären Berlin, spielten in den verschiedensten Jugendmannschaften der Berliner. Schiemenz als Stürmer, Gawanke als Verteidiger. Am Dienstag wurden sie beide beim CHL-Import-Draft gezogen. Als einzige Deutsche – zwei Berliner Jungs.

„Es ist ein überragendes Gefühl, wir beide kennen uns, seit wir klein sind, und natürlich war es immer ein Traum, in Kanada zu spielen. Dass es jetzt so eine Form annimmt, ist einfach nur geil“, sagt Gawanke. Beide hatten im Vorfeld bereits Kontakte nach Nordamerika. Schiemenz hatte bereits eine Vereinbarung mit der University of Maine, welche er nun für die Kitchener Rangers fallen lässt. „Vor zwei oder drei Monaten hatte mein Agent mit den Rangers gesprochen. Kitchener war schon vorher mein Favorit, wo ich eigentlich immer spielen wollte.“ Die Portland Winterhawks umwarben Schiemenz eine ganz Zeit vor dem Draft, versicherten ihm, dass sie ihn an 25. Stelle wählen werden. Doch in letzter Minute entschieden sie sich für Henri Jokiharju, einen finnischen Verteidiger und so kam es, dass er an 50. Stelle noch für die Rangers verfügbar war.

Eher überraschend war es bei Gawanke. Zwar wusste er vom Interesse einiger Teams. Dass er letztlich doch an 96. Stelle von den Cape Brenton Screaming Eagles gezogen wurde, erfuhr er von seinem Berater.

Das letzte Jahr war für die beiden Jungstars voller Highlights. Cedric Schiemenz wagte den Sprung nach Österreich zu Red Bull Salzburg. Einen Schritt, den er immer wieder gehen würde: „Die Trainingsmöglichkeiten sind einfach unglaublich dort. Allein mein Skills-Coach hat über 800 NHL-Spiele gemacht, unser Headcoach vor vorher Trainer an der Uni in Maine. Ich glaube, ich habe mich ziemlich gut entwickelt in diesem einen Jahr.“ Leon Gawanke spielte ein starkes erstes Jahr in der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL), schoss die Eisbären Juniors mit seinem Tor im Halbfinale in das Finale des Endturniers um die Deutsche Meisterschaft. Danach ging es zur U18-WM der Division I nach Wien, auch dort konnte der Rechtsschütze überzeugen und zog so die Aufmerksamkeit der Scouts aus Nordamerika auf sich. „Es war einfach ein brutales Jahr für mich. Angefangen in der DNL, wo wir ein geiles Team hatten, in dem alles gepasst hat. Das Endturnier war überragend, dann noch die U18-WM und nun der Draft. Ich hatte erst ein paar Tage danach Zeit, das alles richtig zu verarbeiten“, beschreibt Gawanke die letzte Saison.

Die wichtigste Frage ist nun, wann es für beide nach Kanada geht. „Ich schweb‘ noch zwischen beiden“, sagt Gawanke, „Ich will schon noch mein Fachabitur und meinen Führerschein in Berlin machen. Aber die Entscheidung ist noch offen. Ich werde vielleicht in den nächsten Wochen eingeladen, mir das dort anzuschauen, und dann werde ich mich entscheiden.“ Schiemenz hat seine Entscheidung bereits getroffen: „Ich werde demnächst rüberfliegen und dann unterschreibe ich für die nächste Saison. Im August geht es los und dann spiele ich nächstes Jahr in Kitchener.“ Seine Chancen schätzt er aber realistisch ein, auch wenn dies ein sehr wichtiges Jahr für beide ist, denn im kommenden Jahr könnten sie bereits im NHL-Draft gewählt werden: „Ich bin Rookie und es wird bestimmt schwer. Ich spiele dort gegen starke Jungs auf dem höchsten Nachwuchsniveau der Welt, aber ich bin optimistisch.“

NHL-Fans sind sie beide. Schiemenz fiebert mit den New York Rangers, Gawanke mit den Calgary Flames. Interessanterweise vergleichen sich beide mit schwedischen Topstars aus der besten Liga der Welt. Bei Schiemenz ist es Center Nicklas Backström (Washington Capitals): „Er spielt ruhig und hat viel Übersicht, spielt gute Pässe und kann im Notfall auch mal ein Tor schießen. Viele sagen, Jonathan Toews, aber er ist einfach eine Liga für sich. Ich denke, mein Spiel passt eher auf Backström.“ Leon Gawanke tendiert zu Erik Karlsson: „Karlsson ist mein Lieblingsspieler. Wie er hinten die Scheiben verteilt und sich in die Offensive einbringen kann, so versuche ich meinen Spielstil auch anzulegen.“

Beide werden den Sommer nutzen, um ihren Idolen ein Stück näher zu kommen. Der Sommer ist für Leon Gawanke ohnehin kurz, selbst wenn er nicht sofort nach Nordamerika geht. Er soll die Saisonvorbereitung mit den Profis der Eisbären Berlin absolvieren, nur zehn Tage Pause gönnt Eisbären-Chefcoach Uwe Krupp den Jungs zum Ferienbeginn in zwei Wochen, bevor es dann mit der harten Vorbereitung losgeht.  


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