Vier entscheidende Minuten im EndspurtRatingen gewinnt in Lauterbach

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Alexander Jacobs, Trainer der Ratinger Ice Aliens, leitete sein Statement mit den Worten „Was soll ich zu diesem Spiel sagen?“ ein, denn wenn man den Spielverlauf realistisch betrachtet, wäre ein Sieg der Lauterbacher Luchse nicht unverdient gewesen. Entsprechend wenig begeistert war der Coach über die Leistung der Außerirdischen, da seine Spieler zwar zeitweilig Akzente setzten, das Tempo aber insgesamt zwei Drittel zu niedrig hielten, um Lauterbach, von einer stimmungsvollen Heimkulisse nach vorne getrieben, aus dem Konzept zu bringen.

Bis vier Minuten vor Schluss führten geschickt und aufopferungsvoll kämpfende Luchse daher, obwohl Marvin Moch im ersten Drittel zum 1:0 für die Gäste traf, mit 2:1 gegen die Aliens.

Innerhalb dieser knapp bemessenen Zeit von weniger als 240 Sekunden belegte der Tabellenführer dann aber eindrucksvoll, dass ein Spiel erst nach exakt sechzig Minuten beendet ist. Das Team vom Sandbach konterte den Gastgeber, der zum Schluss an Ende seiner Kräfte war, kaltblütig aus und sorgte mit drei sehenswerten Treffern noch für einen, vor dem Hintergrund des gesamten Spielverlaufs, „unglaublichen“ 4:2 (1:0, 0:2, 3:0)-Auswärtssieg.

Ratingen hatte mit den hochmotivierten und gefährlich angreifenden Lauterbachern längere Zeit einige Schwierigkeiten. Die Luchse wirkten schneller, agressiver und nutzten jede sich bietende Schusschance. Der wieder starke Aliens-Goalie Dennis Kohl musste daher immer wieder Schwerstarbeit leisten, um seinen Kasten sauber zu halten. Seine Mannschafskollegen ließen nur ab und an ihre Klasse aufblitzen, wobei sie die schwarze Hartgummischeibe allerdings, auch während einiger Powerplay-Situationen aufgrund von Strafen gegen die Heimmannschaft, nicht am Luchse-Keeper vorbei über die Torlinie brachten – im Gegenteil, die Aliens hatten Glück, dass ihr Schlussmann ein paar vielversprechende Breaks der Wildkatzen gerade noch entschärfen konnte.

Die ansonsten sattelfeste Ratinger Defensive, in der an diesem Abend lediglich der 17-jährige Neuzugang Philipp Hoth eine herausragende Form zeigte, war definitiv nicht auf dem Posten.

Im zweiten Spielabschnitt konnte dann auch Kohl zwei Lauterbacher Tore nicht mehr verhindern.

Nach diesem „Katastrophendrittel“ kamen die Aliens besser aus der Kabine und erhöhten den Druck auf ihren Gegner. Das altbewährte Spiel "Lasst uns knapp nicht treffen oder den Goalie anschießen" fand aber seine Fortsetzung, obwohl Lauterbach der Kräfteverschleiß anzumerken war. Trotz müder Beine kämpften und konterten die Luchse, sodass die Spieluhr ohne ein Tor für die Außerirdischen gnadenlos herunterlief.

Doch in den letzten vier Minuten machten Kevin Wilson und Stepan Kuchynka machten in schneller Abfolge drei „Buden“. Die während der Begegnung durchgängig vernehmbaren Aliens-Fans waren danach nicht mehr zu überhören, auch wenn das Heimpublikum ebenfalls für eine tolle Kulisse sorgte.

Eine mögliche Erklärung für diesen Last-Minute-Sieg lieferte Alexander Jacobs anschließend in der Pressekonferenz: Er habe seinen Spielern bei einer Niederlage freundschaftlich noch ein paar offensichtlich nötige „Aufbautrainingseinheiten“ der ganz besonderen Art vor Weihnachten versprochen. Damit schließen die Ice Aliens erfolgreich die Hauptrunde in der 1. Liga West mit 17 Siegen bei lediglich einer Niederlage im Penaltyschießen auf dem ersten Tabellenplatz ab. Am 27. Dezember startet die Meisterschaftsrunde mit einem Heimspiel gegen den ewigen Rivalen aus Neuss.