Rockets schlagen Soester EG nach Verlängerung17 Treffer bei Torfestival

Igor Furda traf spät zum Ausgleich für Soest. (Foto: EG Diez-Limburg)Igor Furda traf spät zum Ausgleich für Soest. (Foto: EG Diez-Limburg)
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Die Bördeindianer retten sich so nach deutlichem Rückstand noch in die Verlängerung, in der sich die Gastgeber jedoch den Zusatzpunkt sichern und mit 9:8 (4:1, 3:1, 1:6, 1:0) gewinnen.

Stephan Petry hat als Spieler unzählige Eishockeyschlachten geschlagen und schöne wie kritische Phasen erlebt. Mit dem, was der Interimstrainer unter der Woche vor dem Spiel gegen Soest sagte, sollte er voll ins Schwarze treffen: „Wir müssen das Siegen wieder erlernen.“ Wer glaubte, das sei eine Floskel, der wurde am Freitagabend vom Gegenteil überzeugt – auch wenn man im EGDL-Lager gerne darauf verzichtet hätte.

Zwei Drittel lang sprühte die Mannschaft vor Spielfreude. Die Rockets waren präsent und kombinierten ordentlich. Zwar gab man dem Gegner offensiv noch zu viele Freiräume, aber die Bördeindianer sind ja auch nicht irgendeine dahergelaufene Ansammlung von Schlittschuhträgern. Die EGDL erspielte sich Chancen und wusste diese auch zu nutzen. Entsprechend positiv waren Körpersprache und Stimmung auf der Bank und dem Eis.

Die Zahlen zum Aufwind: Mit 4:1 gewannen die Gastgeber das erste Drittel, mit 3:1 holten sie sich das zweite. Torschützen für die Rockets: Tobias Schwab (5., 37.), Mark Corbett (10.), Philipp Maier (10.), Jamie Hill (15.), Konstantin Firsanov (28.) und Julian Grund (34.). Sechs verschiedene Torschützen waren Beleg für immer besser in Form kommende und neu zusammengestellte Reihen. Für Soest trafen Igor Furda (6.) und Ben Busch (29.). Das letzte Spiel gegen die Bördeinidaner, die in Diez nur mit zehn Feldspielern antraten, hatte man mit 1:5 verloren. Es lief endlich wieder.

Und die Rockets machten nicht nur die Tore, sie hatten auch ein völlig untypisches Gesicht aus der Vorwoche wieder abgelegt. Gegen Dinslaken - im ersten Spiel unter Petry - wanderten die Gastgeber plötzlich unnötig oft auf die Strafbank, was so gar nicht dem Naturell dieser Mannschaft entsprach. Die Kritik kam an, gegen Soest mussten die Rockets nicht ein einziges Mal in die Kühlbox.

Doch was passierte dann? Philipp Maier traf die Unterkante der Latte, Florian Flemming den Pfosten (der insgesamt vierte Schuss der EGDL ans Gestänge) - das 8:2 schien eine Frage der Zeit. Doch plötzlich kam ins Spiel, was Gästetrainer Dieter Brüggemann später als „Scheibenglück“ bezeichnen sollte. Plötzlich ging fast jeder Schuss auf das Rockets-Gehäuse rein - egal ob unglücklich abgefälscht oder verdeckt oder zur Abwechslung auch mal einfach nur gut platziert. Martin Benes traf per Dreierpack zum 5:7 (47., 50., 52.), Tobias Schwab auf der Gegenseite zum 8:5 (53.). Doch der Rhythmus und die Stabilität waren völlig weg.

„Wir sind noch einmal ins alte Muster zurückverfallen und haben plötzlich wieder genau die Dinge falsch gemacht, die wir vorher so gut gemacht haben“, sagte Petry. „Das ist genau das, was ich meinte, als ich von fehlendem Selbstbewusstsein gesprochen haben und davon, das Siegen wieder erlernen zu müssen.“ Es kam, wie es niemals kommen durfte: Martin Juricek (55.) und Igor Furda (59., 60.) nutzten die Gunst des taumelnden Patienten und glichen zum 8:8 aus. Und auch der Sieg in der Verlängerung war drin, als Soest eine hochkarätige Chance nicht nutzte, Tobias Schwab im Gegenzug aber den Sieg in der Overtime perfekt machte (61.).

„Wir sind irgendwie in einen Lauf gekommen und dann passiert sowas einfach“, sagte Brüggemann. „Wir wollten positiv aus dem Spiel rausgehen, haben uns nicht aufgegeben und sind mit dem einen Punkt sehr, sehr zufrieden.“ Sprach's und orderte zur Aufbereitung des Geschehenen erst einmal ein kühles Bier. „Natürlich fühlen sich die zwei Punkte für uns im ersten Moment wie eine Niederlage an“, sagte Petry. „Wir müssen mit solchen Situationen anders und besser umgehen. Am Sonntag haben wir die Chance, uns weiter zu steigern. Auf den ersten beiden Dritteln können wir aufbauen.“

Fazit nach 60 Minuten Eishockey am Freitagabend: Die Intensivstation hat die EGDL verlassen, das Krankenhaus aber noch nicht. Ein Sieg am Sonntag in Frankfurt dürfte den Heilungsprozess deutlich ankurbeln.

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