Neuwieder Bären stürzen den Spitzenreiter5:4-Erfolg gegen Hammer Eisbären

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Es gibt Spitzenspiele, in denen nicht drinsteckt, was draufsteht, die etwas haben von Weihnachten ohne Schnee oder Sonntagnachmittag ohne Kaffee und Kuchen. Aber dieses Gipfeltreffen am Freitagabend im Neuwieder Icehouse besaß „ein sehr hohes Niveau“ (Benske), war „Werbung fürs Eishockey und für unsere Liga auf alle Fälle“ (Hoja) und besaß einen Spannungsbogen, den Hitchcock kaum besser hätte aufsetzen können.

Mit einem 60-minütigen Parforceritt kämpften und spielten die Gastgeber den bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer zur ersten Saisonniederlage. „Ich konnte es auch nicht mehr hören: elfter Sieg im elften Spiel – wie soll das weitergehen? Bla, bla, bla. Heute ist es passiert. Alles gut“, kommentierte Ralf Hoja die Bestätigung dafür, dass es auch seine Eisbären irgendwann einmal erwischen wird. „Und es wird uns auch noch einmal passieren.“

Am Freitagabend passierte es vor den Augen von 776 Zuschauern, weil Neuwied unbedingt wollte und von Trainer Benske auf den Fall eines Rückstands – und das kommt gegen eine Mannschaft wie Hamm nun einmal vor – genau eingestellt war. „Wir hatten unter der Woche im Training immer wieder gesagt, dass wir dann von unserer Basis nicht abrücken dürfen, weiter hart arbeiten und diszipliniert in den Zweikämpfen agieren müssen.“

Der EHC tat das, wich keinen Millimeter von seiner Spielabweise und wurde belohnt. 0:2 lagen die Gastgeber nach 25 Minuten hinten, weil Hamm offensiv so viel Qualität besitzt, gegnerische Fehler zu bestrafen. Natürlich waren da einige Schüsse, die Bären-Keeper Jendrik Allendorf großartig pariert oder sein Tor verfehlten (Hoja: „Wir haben aus der 2:0-Führung zu wenig gemacht“), aber die Tore zum psychologisch vielzitiert günstigen Zeitpunkt kurz vor und nach der ersten Pause durch Lukas Novacek (17.) und Kevin Thau (25.) muss man erst einmal so wegstecken, wie es die Neuwieder getan haben. Ein Fehlpass führte zum 0:1, ein Alleingang zum 0:2 – viele andere Mannschaften hätten die Köpfe hängen lassen. Zumal Hamm in dieser Saison erst zweimal mehr als drei Gegentreffer kassiert hatte. „Wir haben uns nach unseren Fehlern, die zum Rückstand führten, nicht aufgegeben“, verneigte sich Benske vor der Willensleistung seiner nimmermüden Mannschaft. Tobias Etzel gelang in der 28. Minute der fällige Anschlusstreffer, denn zwei Tore schlechter war der EHC schon diesem Zeitpunkt nicht. Dabei sollte es nicht bleiben. Die Blau-Weißen holten anschließend aus einer 5:3-Überzahlsituation das Maximum mit zwei Toren heraus. Martin Brabec (32.) und Max Wasser (33.) bei seinem Comeback nach Kieferbruch verwandelten das Icehouse in ein Tollhaus. Die Bären führten mit 3:2. Aber wer den Eisbären aus dem Ruhrpott ans Fell will, bekommt deren Pranke zu spüren. Bei Marc Polters 3:3 waren die Deichstädter etwas zu weit aufgerückt (38.), und noch nicht einmal eine Minute später hatte der Schuss von Michal Spacek in Überzahl durchschlagenden Erfolg. Hamm führte wieder.

Aber wer einmal einen Rückstand aufholt, kann das auch ein zweites Mal. Dass Michael Jamieson in der 53. Minute in Unterzahl das 4:4 markierte, war noch einmal eine zusätzliche Portion Mentaldoping für die Bären. „Das war ein Knackpunkt im Spiel. Danach wollte Neuwied den Sieg mehr und hat in auch verdient errungen“, erkannte Ralf Hoja die Leistung des Gegners an. Das unbedingte Wollen entlud sich 66 Sekunden vor der Schlusssirene im 5:4-Siegtreffer durch Michael Jamieson, der die Zuschauer in Ektase versetzte. „Ein herzliches Dankeschön geht an unsere Fans für die wahnsinnige Stimmung. Das war heute ein ganz schönes Beben“, strahlten Daniel Benske auch bei der Pressekonferenz noch die Augen. Ein Beben, das den Tabellenführer aus Hamm zum Stürzen brachte.

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