Landessportbund NRW und DEB gehen gegen Wolfgang Sorge vorMassive Kritik am Verhalten des LEV NRW

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Wie schon oft berichtet war der Auslöser des Streits die Meldung des EV Duisburg, Moskitos Essen und Herner EV zur reformierten und vom DEB geführten Oberliga Nord – und das obwohl Sorge am 18. April 2015 mit den Stimmen des LEV NRW der entsprechenden Satzungsänderung zugestimmt hatte. Dabei sperrte der LEV nicht nur die Seniorenteams, sondern auch die Nachwuchsmannschaften der drei Vereine. Als Folge dessen nahmen in der vergangenen Saison weder die Ruhr-Vereine noch der Nachwuchs der vier DEL-Stammvereine aus NRW (Köln, Düsseldorf, Krefeld, Iserlohn) am LEV-Spielbetrieb teil und organisierten in einer Übergangssaison gestützt vom DEB den Spielbetrieb selbst, an dem auch hessische und rheinland-pfälzische Vereine teilnahmen. Im Oktober wurde nun bekanntermaßen der Eishockey-Verband NRW gegründet – der erste reine Eishockey-Landesverband. Auch das ist seit der DEB-Versammlung vom 18. April 2015 erlaubt. Auch dieser Änderung hatte Sorge zugestimmt. Der EHV NRW ist inzwischen längst Mitglied des Deutschen Eishockey-Bundes und des Landessportbundes NRW.

Nun aber hat Sorge unter dem Vorwurf des verbandsschädigenden Verhaltens den sieben Gründungsvereinen und deren Vorstandsmitgliedern saftige Geldstrafen im bis zu vierstelligen Bereich aufgebrummt – und ihnen Tätigkeitsverbote auferlegt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt angesichts der anstehenden Mitgliederversammlung des LEV NRW am 29. August 2016. Während einige Vereine diesen Vorgang bewusst ignorieren, versuchen andere sich dagegen zu wehren, um an der LEV-Versammlung teilnehmen zu können. Ein Vereinsvertreter erklärte gegenüber Hockeyweb jedoch, dass eine mündliche Verhandlung vor einem „LEV-Schiedsgericht“, die für den heutigen Samstag geplant war, zur Farce wird. Anwälte zweier Vereine hätten demzufolge erklärt, dass sie urlaubsbedingt nicht zur Verfügung stünden, ein Anwalt habe gar sein kopiertes Flugticket dem Antrag auf Verlegung beigelegt. Die LEV-Reaktion darauf, die Hockeyweb einsehen konnte: Dem Antrag wird nicht entsprochen. Ohne jede Begründung. Nun wollen die betroffenen Vereine das „LEV-Schiedsgericht“ als befangen ablehnen.

Hockeyweb liegen die Reaktionen des Landessportbundes NRW sowie des Deutschen Eishockey-Verbandes vor – und die fallen deutlich aus. So fordert LSB-Präsident Walter Schneeloch LEV-Chef Sorge auf, „die durch Sie initiierten Maßnahmen zurückzunehmen und die betroffenen Eishockey spielenden Vereine ihre Arbeit für den Sport und die Sportlerinnen und Sportler ungestört umsetzen zu lassen.“ Schneeloch verweist auf ein Spruchkammerverfahren vom Mai 2016, das die Mitgliedschaft des EHV NRW im LSB für wirksam erklärte. Dort hieß es auch: „Der LEV wird gegen die Tatsache der Mitgliedschaft des EHV keine Einwände mehr erheben.“ Eine zugesicherte Abstimmung zwischen LEV und EHV zur Zukunft des Eishockeys in NRW wurde ad absurdum geführt.

Der DEB sprach gegen den LEV NRW eine Abmahnung wegen grobem Verstoß gegen die Satzung vor. Der wichtigste und höchste Zweck der Verbände sei die Förderung des Eishockeysports. Und gegen ein anderes DEB-Mitglied vorzugehen, das sich diesem Zweck verschrieben habe, ist ein Bruch dieses Prinzips. Offenbar hat Sorge den Vereinen die Absicht unterstellt, den Spielbetrieb des LEV NRW zu verhindern und dem LEV NRW Schaden zuzufügen. Die Entstehungsgeschichte des EHV NRW zeigt, dass es gänzlich anders herum war. Der DEB betonte daher, dass es für die behauptete Schädigungsabsicht keinerlei Anhaltspunkte gebe. Der DEB betont: „Ferner verstoßen Sie (gemeint ist Wolfgang Sorge, d.Red.) mit dieser Verhaltensweise gegen Ihre Treue- und Loyalitätspflichten gegenüber dem DEB, aber auch seinen Mitgliedern.“ Der DEB fordert Sorge auf, „die unberechtigten Anzeigen gegen die Gründungsmitglieder des EHV NRW und die jeweiligen Einzelpersonen zurückzunehmen sowie die Ordnungsmaßnahmen aufheben zu lassen, um dem Eishockey-Sport nicht noch weiteren Schaden zuzufügen und um die von Ihnen begangenen Satzungsverstöße zu beenden.“ Der DEB verlangt von Sorge eine Antwort bis zum 3. August 2016.  

Gleichzeitig wurde bekannt, dass auch Friedrich Dieck, dem Vizepräsidenten des LEV NRW, massiver Ärger ins Haus steht: So berichten die Ruhr-Nachrichten von einem Betrugsvorwurf gegen den Funktionär. So habe der LSB Strafanzeige gegen Dieck erstattet, weil er Fördergelder des LSB erschlichen haben soll. Der LSB habe gemäß des Artikels der Ruhr-Nachrichten festgestellt, dass der „Umgang mit beantragten Geldern nicht korrekt verlaufen ist“. In Folge dessen habe der LSB bereits im Mai Strafanzeige erstattet. Dabei soll es um „frei erfundene Seminare“ gehen. Laut Ruhr-Nachrichten prüfe Staatsanwältin Sonja Frodermann nun, ob es einen Anfangsverdacht gibt. Außerdem, so die Zeitung weiter, wollen die Eishockey-Vereine Geld in Höhe von 305.000 Euro vom LEV zurückfordern, dass im Zuge der Eishockey-WM an den Verband gezahlt worden ist. Zudem solle geprüft werden, ob der EHV NRW Anspruch auf Immobilien in Dortmund erheben könne.

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