Kobras entführen „Doppelpunkt“Dinslaken gewinnt nach Penaltyschießen

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Wer glaubte, die Dinslakener Kobras würden sich bis zum Saisonende mit dem sechsten Tabellenplatz der Endrunde zufriedengeben, wurde gestern Abend beim 5:4 (1:0, 1:2, 2:2, 1:0)-Sieg nach Penaltyschießen bei den Eisadlern Dortmund eines Besseren belehrt. Unter den Augen der ehemaligen Kobra-Trainer Dimitry Tsvetkov, dessen Sohn Nikolai aktuell das Trikot der Eisadler trägt, und Thomas Schmitz, der seinen Sohn Sebastian zum Auswärtsspiel nach Dortmund gebracht hatte, befolgten die Dinslakener das Motto: „Weg mit der roten Laterne" und besiegten die Hausherren nach einer starken kämpferischen Leistung. Da zeitgleich der Neusser EV den Lauterbacher Luchsen unterlag, sind die Dinslakener bei einem Spiel Rückstand bis auf einen einzigen Punkt an den fünften Tabellenplatz herangerückt.

Gecoacht wurde das Team an diesem Abend wieder von Interimstrainer Tony Thiel, der sich immer mehr zum Glücksfall für die Mannschaft entwickelt. Wenn er verantwortlich hinter der Bande stand, haben die Dinslakener noch kein Spiel verloren. Die Begegnung war in den ersten zehn  Minuten zerfahren mit leichten Vorteilen läuferischer und spielerischer Art für die Westfalen. Nach elf Spielminuten dann die erste große Möglichkeit für die Giftschlangen, als sich die Eisadler ihre erste Zwei-Minuten-Strafe leisteten. Ein Fall für das Dinslakener Tschechen-Duo: Der Dortmunder Sünder hatte kaum auf der Strafbank Platz genommen, da klingelte es schon hinter Marius Dräger im Eisadler-Tor. Kamil Vavra nahm das Zuspiel seines Landsmannes Jan Nekvinda auf und verlud den Goalie der Hausherren zum 1:0 aus Sicht der Gäste. Im weiteren Spielverlauf nahmen die Dortmunder das Heft mehr und mehr in die Hand, doch die

Verteidigung der Giftschlangen blieb stabil. Dann unterbrach die Sirene zum ersten Mal die Partie.

Im Abschnitt zwei kamen zunächst die Hausherren zu Zählbarem. Während eines Wechsels verloren die Dinslakener den Puck an die Gastgeber und die noch unsortierte Hintermannschaft musste mit ansehen, wie Andre Kuchnia völlig frei auf Lukas Schaffrath zulief und ihm beim Schuss in den linken oberen Winkel keine Chance ließ. Ähnlich die Situation beim 2:1-Führungstreffer der Eisadler. Die Kobras verloren den Puck in der Vorwärtsbewegung an der roten Linie. Ein Missgeschick, welches die schnellen Stürmer der Dortmunder beim sofort eingeleiteten Break eiskalt bestraften. Auch hier hatte der Dinslakener Tormann beim 2:1-Konter keine Möglichkeit der Abwehr. Eine Kopie dieser Situation ereignete sich wenige Sekunden später, diesmal auf der anderen Seite: Jetzt konnten die Kobras den Puck an der roten Linie ihrem Gegner wegspitzeln und die Koproduktion zwischen Kamil Vavra und dem Torschützen Sebastian Haßelberg bedeutete den 2:2-Ausgleich. Zwar waren da erst knapp fünf Minuten im Mitteldrittel gespielt, trotzdem hatte dieser Spielstand bis zur zweiten Pause Bestand.

Auch am Gesamtbild änderte sich im Mittelabschnitt nichts Wesentliches: Die Giftschlangen wurden häufig in die Defensive gedrängt, verteidigten aber mit großem Einsatz das von Lukas Schaffrath glänzend gehütete Kobra-Gehäuse. Beide Teams gingen für den Rest des Spiels bis an ihre physischen Grenzen. Einmal entlud sich der hohe Adrenalin-Pegel in einer handfesten Auseinandersetzung zwischen Sven Linda und Florian Pompino. Schiedsrichter Berger bewies Fingerspitzengefühl und verhängte Strafen mit Augenmaß.

Das Schlussdrittel bot dann für alle Beteiligten Dramatik pur mit allem, was zum Eishockey gehört: Es wurde auf beiden Seiten mit offenem Visier gekämpft und eine gefährliche Tor Szene jagte die andere. Der ersten Treffer des letzten Drittels war den Hausherren vorbehalten. Jiri Svejda, überragender Akteur bei den Hausherren, riss das Spiel nun immer mehr an sich. In der 44. Minute umkurvte er die gesamte Dinslakener Hintermannschaft, zog von hinter dem Tor vor den Slot und ließ Lukas Schaffrath keine Chance bei seinem platzierten Schuss aus kurzer Distanz. Damit gingen die Eisadler erneut in Führung. Doch Sven Linda & Co. hatten nicht einmal die Zeit, von diesem Treffer geschockt zu sein. Nur 9 Sekunden später fuhr Jan Nekvinda einen Break, wobei er regelwidrig am Torschuss gehindert wurde. Den fälligen Penalty münzte er in den 3:3- Ausgleich für die Dinslakener um. Unmittelbar darauf hatte Geburtstagskind Timothy Tanke eine große Möglichkeit, verzog aber knapp. Doch spätestens als Kamil Vavra gut 13 Minuten vor Ende der Partie Marius Dräger mit einem satten Handgelenkschuss aus spitzem Winkel das Nachsehen gab, war die Spannung kaum noch auszuhalten. Noch war lange Zeit für die Eisadler, den Ausgleich zu erzielen. Doch die Gäste wussten nun, dass ein Erfolg in greifbare Nähe gerückt war, was ihnen weitere Prozente Energie bescherte. Je mehr sich dem Ende näherte, desto wütender wurden die Angriffe der Westfalen. Gut drei Minuten vor dem Ende nahm Tony Thiel eine Auszeit, um seinen Spielern nochmal etwas Luft zu verschaffen und den Dortmundern den Spielrhythmus zu nehmen. Vergeblich: 168 Sekunden vor Ende der Partie stocherte Andre Bruch aus dem Gewühl heraus den Puck über die blaue Linie zum 4:4-Ausgleich. Dies war auch der Spielstand nach Ablauf der 60 Minuten.

Im fälligen Penaltyschießen konnte Lukas Schaffrath zwei der drei Penaltys der Hausherren meistern. Auf Dinslakener Seite traten Jan Nekvinda, Kamil Vavra und Sebastian Haßelberg gegen Marius Dräger an. Während Jan Nekvinda auch seinen zweiten Strafschuss an diesem Abend verwandelte, scheiterte Kamil Vavra am Torhüter der Hausherren. Jetzt musste Sebastian Haßelberg treffen, um den Niederrheinern den Extrapunkt zu sichern. Und „Hassi" hielt dem Druck stand und netzte unter dem großen Jubel seiner Mannschaftskameraden und der mitgereisten Fans ein. Dass dies ein emotional wichtiger Sieg für das Team war, konnte man im Anschluss aus der Mannschaftskabine akustisch vernehmen. Immer wieder waren laute Jubelschreie zu hören. Endlich konnten sie sich selbst für ihren Einsatz belohnen. Das legt bestimmt noch ein paar Extrakörner für das Spiel morgen gegen die Ratinger Ice Aliens frei. Ein Sonderlob gab's nach dem Spiel auch von ihrem Ex-Trainer: „Ihr habt wirklich sehr gut gekämpft", würdigte auch Dimitry Tsvetkov das Auftreten seiner ehemaligen Mannschaft.

Tore: 0:1 (8:40) Kamil Vavra (Jan Nekvinda), 1:1 (21:16) Andre Kuchnia (Malte Bergstermann, Kai Domula), 2:1 (23:43) Andre Bruch (Jiri Svejda, Matthias Potthoff), 2:2 (24:25) Sebastian Haßelberg (Kamil Vavra), 3:2 (43:23) Jiri Svejda (Kai Domula, Matthias Potthoff), 3:3 (43:32) Jan Nekvinda, 3:4 (46:39) Kamil Vavra (Alexander Brinkmann), 4:4 (57:12) Andre Bruch (Jiri Svejda, Nikolas Bitter), 4:5 (65:00) Sebastian Haßelberg (entscheidender Penalty). Strafen: Dortmund 12 + 10 (Alexander Schardt), Dinslakener 20.