Eissportvereine wenden sich gegen Wolfgang SorgeNeusser SK stellt Antrag zur Abwahl des LEV-NRW-Präsidenten

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„Ich bin schockiert über dieses Verhalten“, sagt Ulrich Giesen, der Vorsitzende des Neusser SK, eines Vereins, der Sportarten wie Eiskunstlaufen, Eistanzen und Eisstockschießen in seinem Angebot hat. Als Folge dessen hat Giesen für den NSK vier Anträge an die am 29. August in Dortmund stattfindende Versammlung des LEV NRW gestellt, die wie folgt überschrieben sind: „1. Aufhebung von Ordnungsstrafen, Tätigkeitsverboten, Ausschlüssen; 2. Abwahl des Präsidenten Wolfgang Sorge; 3. Soll die Sparte Eishockey beim LEV aufgelöst werden?; 4.Vermögensverwaltung des LEV NRW, wenn die Sparte Eishockey sich vom LEV abtrennt.“ Giesen: „Ja, das kann ich so bestätigen.“

„Ich will einfach Ruhe im Verband haben“, sagt Giesen und äußert damit einen völlig normal erscheinenden Wunsch, der im Falle des LEV NRW allerdings kaum normal zu sein scheint. Dabei geht es dem NSK-Vorsitzenden um ganz Grundsätzliches: „Ein Vorstands- und Präsidiumsmitglied hat die Interessen seiner Mitglieder zu wahren und umzusetzen. Das ist bei Wolfgang Sorge einfach nicht mehr der Fall.“ Dabei stößt Giesen unter anderem übel auf, dass der LEV-NRW-Präsident juristisch gegen Vereine und Vorstandsmitglieder vorgeht. „Das hat mit der Vorgehensweise eines Verbandspräsidenten nichts zu tun.“ Giesen ergänzt: „Sportgerichtsbarkeit ist dazu da, um sportliche Streitfälle zu klären und nicht derartige Auseinandersetzungen zu führen.“ Der NSK-Vorsitzende ruft die LEV-Mitgliedsvereine auf, am 29. August zahlreich in Dortmund zu erscheinen, denn „der Souverän des Verbandes sind die Mitglieder“.

Dabei kritisiert er rückblickend auch das Verhalten vieler Eishockeyvereine in NRW in der Vergangenheit. „Die Vereine hätten sich früher in die Verbandsarbeit einbringen müssen. Stattdessen blieben viele den Versammlungen fern, übergaben ihre Stimmen an die Sekretärin des Verbandes, die auf ein Fingerschnipsen des Präsidenten so abgestimmt hat, wie er es wollte.“ Letztlich war es aber eben diese Vorgehensweise des LEV-Präsidiums die viele Eissport betreibenden Vereine frustriert davon abgehalten hat, bei den Versammlungen zu erscheinen. Ein Teufelskreis. „Aber das ist nun ohnehin Vergangenheit“, geht es Giesen nun um eine Klärung der Zukunft des Eishockeysports in NRW – sollte die Abwahl Sorges gelingen. „Zunächst muss geklärt werden, ob die Eishockeyvereine sich ausschließlich im neuen EHV NRW organisieren wollen, denn hier hören wir unterschiedliche Äußerungen. Herr Sorge erklärt beispielsweise, dass das nicht der Fall sei. Ist es aber so, dann müssen wir auch die Konsequenzen ziehen.“ Giesen meint in diesem Fall: Die Auflösung der Eishockey-Sparte im LEV, die Abberufung aller Verbandsfunktionäre dieser Sparte und die entsprechende Kommunikation in Richtung Landessportbund NRW und Deutscher Eishockey-Bund.

Schwierig ist die Frage der entsprechenden Vermögenswerte und Immobilien des Verbandes. Sprich: Steht dem EHV NRW etwas aus dem Verbandsvermögen des LEV NRW zu? „Man könnte einerseits sagen: Tritt man aus einem Verein aus, kann man auch nicht eine Wand des Vereinsheims mitnehmen, das mit dem Mitgliedsbeiträgen gebaut worden ist. Eine andere Sichtweise ist: Würde eine Kanu-Abteilung aus einem Mehrspartenverein austreten, würden man die Kanus nicht dem neuen Verein geben oder würden dann die Leichtathleten des Vereins damit Bötchen fahren?“, macht es Giesen plastisch. Sein Vorschlag im Fall der beiden Verbände: „LEV NRW und EHV NRW bilden eine Stiftung, mit der der Nachwuchs des Eishockeys und der anderen Eissportarten gefördert wird. Denn wir brauchen das Geld für den Nachwuchs.“

Im Fall der Anzeige des Landessportbundes NRW gegen Friedrich Dieck, den Vizepräsidenten des LEV NRW, der nach einem Bericht der Ruhr-Nachrichten Fördergelder nicht ordnungsgemäß verwendet haben soll, betont Giesen: „Es darf hier keine Vorverurteilung geben, da auch für Herrn Dieck die Unschuldsvermutung gilt, bis ein Gericht etwas anderes entscheidet. Es wäre aber für Herrn Dieck und den Verband besser, wenn er seine Ämter ruhen ließe, bis es zu einer Entscheidung gekommen ist.“

Wie optimistisch ist Ulrich Giesen denn nun, dass dies alles am 29. August in Dortmund gelingt? „Ganz ehrlich: Ich schätzte die Chancen hoch ein, dass das nicht klappt“, so Giesen. Sprich: Alles bleibt wie gehabt. Für die Eishockeyvereine würde sich kaum etwas ändern, da der EHV NRW die Organisation des Spielbetriebs übernimmt. Aber was bleibt den anderen Eissportarten des Bundeslandes übrig? „Wir als NSK müssten formal Mitglied bleiben“, sagt Giesen, „aber wenn sich nichts verändert, stehen wir auf und gehen.“

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