Ein Bayer am Rhein: Güßbacher kommt nach NeuwiedAm Freitag gegen Neuss

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Links neben Felix Köllejan. Kein Zufall, denn Güßbacher ist ebenfalls Torwart und nimmt nun die Position ein, die durch den Abgang Leon Frensels frei geworden ist. Der 19-Jährige der vor der Saison aus Düsseldorf nach Neuwied wechselte, erhielt unlängst ein Angebot von DEL2-Ligist Heilbronn und schließt sich nun den Falken an. „Für Leon bedeutet dieser Wechsel eine Möglichkeit für ein Karrieresprung. Es war für uns selbstverständlich, ihm keine Steine in den Weg zu legen. Man sollte in solchen Fällen den Wünschen der Spieler entsprechen“, sagt Neuwieds Teammanager Carsten Billigmann. Frensel hütete in dieser Saison einmal das Neuwieder Tor, beim Auswärtsspiel in Soest, zeigte auf Anhieb sein Talent, machte deutlich, dass Neuwied ein gutes Sprungbrett junge Talente ist und dass die EHC-Vereinsführung mit seiner Verpflichtung ein gutes Näschen bewies.

Das soll nun auch für Michael Güßbacher gelten. Billigmann hat den 21-Jährigen zwar noch nicht selbst auf dem Eis sehen, aber von den Hannover Indians, für die der gebürtige Landsberger zuletzt spielte, zuverlässige Informationen zu bekommen, fällt den Neuwiedern nicht schwer. Immerhin stehen mit Brian Gibbons, Thomas Ziolkowski und Max Wasser dort drei Ex-Bären unter Vertrag. „Gibby hat mir bestätigt, dasss er ein richtig guter Torhüter ist. Und auf Gibby können wir uns verlassen“, vertraut Billigmann dem Urteil des Torjägers.

Umgekehrt zapfte auch Güßbacher die Informationsquellen an. „Sie haben mir durchweg Positives berichtet – von toller Stimmung und super Fans“, berichtet der Keeper von den Gesprächen mit dem Trio, dass das Icehouse noch aus der vergangenen Saison bestens kennt. Und was sagen die über den jungen Bayern, der in der Jugend in Kaufbeuren und Augsburg, später dann beim ESV Buchloe sowie zuletzt eben am Pferdeturm zwischen den Pfosten stand? „Michi ist ein lustiger Typ, der auf jeden Fall für gute Stimmung sorgen wird“, ist sich Max Wasser sicher. „Ich drücke ihm die Daumen, dass es auch auf dem Eis so läuft, wie er es sich wünscht.“ Das, wovon ihm seine ehemaligen Kollegen in der niedersächsischen Landeshauptstadt berichteten, erlebt Michael Güßbacher am Freitagabend zum erstmal hautnah, wenn die Bären ab 20 Uhr ihr Heimspiel gegen den Neusser EV bestreiten: tolle Stimmung und super Fans.

Bären müssen den Mittelweg finden

Der Sonntagabend ist für den EHC „Die Bären“ 2016 in dieser Saison bislang ein Heimspieltermin, der sich als Erfolgsgeschichte bewährt hat. Drei Partien, drei Siege – besser hätten die Neuwieder Regionalliga-Eishockeyspieler die Wochenenden im Icehouse nicht ausklingen lassen können. Funktioniert das, was sonntags klappt, auch freitags? Erstmals schnüren die Deichstädter nun zur Wochenenderöffnung die Schlittschuhe in eigener Halle und versuchen gegen den Neusser EV (Spielbeginn: 20 Uhr) einen direkten Konkurrenten im Kampf um eine Platzierung unter den Top-Sechs auf Distanz halten. Gleiches gilt für EHC-Saisonspiel Nummer zehn am Sonntag. Ab 18 Uhr spielen die Bären beim EC Lauterbach. Hinter den Neuwiedern (4., 16 Punkte) befinden sich Neuss (5., 15) und Lauterbach (6., 14) in Lauerstellung. Diese Reihenfolge in der Tabelle will das Team von Jens Hergt beibehalten. „Wenn wir vorne dabeibleiben möchten, müssen wir gewinnen. Die Liga ist so ausgeglichen, deshalb haben wir nichts zu verschenken“, hofft Trainer Hergt auf zwei Siege wohlwissend, dass in beiden Partien die Tagesform und Kleinigkeiten entscheidend sein werden.

Mit erst 23 Gegentoren ist die Abwehr die große Stärke der Deichstädter in dieser Saison. Sie muss sich jetzt zwei Tests auf Herz und Nieren unterziehen. Denn Lauterbach und Neuss stehen in der Rangliste der besten Offensive auf den Plätzen eins und drei. Der NEV netzte bereits 42 Mal ein, die vom ehemaligen Bären-Trainer Arno Lörsch trainierten Luchse aus dem Vogelsbergkreis haben bei der 5:6-Niederlage nach Penaltyschießen gegen Ratingen bereits die 50 vollgemacht. Beide Teams bringen viel Torgefahr mit, setzen aber auf unterschiedliche Strategien. „Neuss ist sehr gut im Umschaltspiel. Ihre Konter sind brandgefährlich. Deshalb dürfen wir uns nicht viele Scheibenverluste erlauben“, erklärt der Trainer die taktische Vorgabe für das Heimspiel. Lauterbach hingegen ist für großes Spektakel gut. „Sie machen viel Druck, sind in der Abwehr aber auch anfällig. Das bedeutet, dass wir einen Mittelweg finden müssen: defensiv stabil stehen, aber auch die vermeintlichen Schwächen der gegnerische Abwehr offenlegen“, so Hergt. Die Ergebnisse der Hessen zeigen ihre offensiv ausgerichtete Spielweise: 5:6 nach Penaltyschießen gegen Ratingen, 6:5 gegen Soest und nicht zuletzt der 12:8-Sieg in Diez. Ähnlich hoch ging’s vor knapp drei Jahren beim letzten Aufeinandertreffen in Neuwied her, als der EHC – damals noch unter der Leitung von Arno Lörsch – mit 8:7 nach Penaltyschießen gewann. Bei so vielen Toren verwundert es nicht, dass vier Lauterbacher unter den Top-Zwölf der Scorerliste rangieren. Am torgefährlichsten ist Kanada-Import Kenneth Matheson, dessen Bruder Mike bei der vergangenen Weltmeisterschaft immerhin die Auszeichung als bester Verteidiger des Turniers erhielt.

Bei Neuwied stehen die Zeichen gut, dass die Mannschaft endlich einmal komplett ist. „Alle sind fit“, ist Hergt guter Dinge, dass er aus dem Vollen schöpfen kann.

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