EHC Neuwied verliert Penalty-Krimi gegen DinslakenNur die Chancenverwertung stört Trainer Leos Sulak

Zurück auf Neuwieder Eis: Stephan Fröhlich absolvierte seinen ersten Einsatz im Icehouse seit dem Regionalliga-Halbfinale 2020. (Foto: Neuwieder Bären)Zurück auf Neuwieder Eis: Stephan Fröhlich absolvierte seinen ersten Einsatz im Icehouse seit dem Regionalliga-Halbfinale 2020. (Foto: Neuwieder Bären)
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Der Ex-Neuwieder Scharfenort beendet den Penalty-Krimi, indem er den 4:3-Siegtreffer für seine Dinslakener Kobras erzielt und seinem Team den Bonuspunkt beschert, während sich die Gastgeber mit einem Zähler begnügen müssen und somit nur noch theoretische Chancen auf den zweiten Tabellenplatz haben. Mit Scharfenorts entscheidendem Treffer endet für die Bären auch eine Ära, eine historisch anmutende Erfolgsserie im Penaltyschießen. Neun Shootouts in Folge hatten die Deichstädter zuvor für sich entschieden. Die letzte Niederlage im Duell Schütze gegen Torhüter rührte noch aus der Zeit des „alten“ EHC. Vor eigener Kulisse verlor Neuwied in dieser Disziplin letztmals am 3. Januar 2016 in der Oberliga Nord gegen den Herner EV. 1794 Zuschauer verfolgten die Partie damals, aus dem aktuellen EHC-Kader waren damals nur Spieler dabei – Stephan Fröhlich, Dennis und Sven Schlicht. Ein gewisser Jan-Niklas Pietsch war seiner Zeit der Siegtorschütze für den HEV.

Die Mannschaft von Trainer Leos Sulak wird im Play-off-Halbfinale unter normalen Voraussetzungen ein Heimspiel weniger haben als ihr Gegner. Aber trotzdem muss den EHC-Fans nach der Leistung vom Freitagabend vor den kommenden Wochen nicht bange sein. „Wir befinden uns auf dem richtigen Weg. Mit der Leistung bin ich sehr zufrieden“, sagte Sulak, ergänzte aber: „Mit dem Ergebnis natürlich nicht.“ Was sein Team hätte besser machen können? „Das leere Tor treffen.“

Chancen über Chancen hatten die Gastgeber auf dem Schläger. „Ich mache dafür niemandem einen Vorwurf. Normalerweise verwerten wir solche Situationen zu Toren. Heute hatten wir auch das Scheibenpech“, ergänzte der erfahrene Coach. Egal, ob Björn Asbach zum Beispiel in der Schlussminute der regulären Spielzeit in bester Position zum Abschluss kam, oder ob Dennis Schlicht in der Verlängerung zum Alleingang startete, immer wieder zeigte Justin Schrörs seine Klasse. Der frühere Neuwieder hatte sich die spätere Auszeichnung zum besten Spieler seines Teams verdient. Er brannte sich mit seinen Paraden in die Köpfe der EHC-Spieler ein.

Auch die Ehrung auf Neuwieder Seite lag auf der Hand: Neuzugang Fabian Hast. Der junge Schwede traf in der 22. Minute zum 1:0, glich in der 42. Minute zum 2:2 aus, bereitete in der 46. Minute sehenswert das 3:3 vor und verwandelte auch den ersten von insgesamt acht Penalties an diesem Abend vor 454 Zuschauern. Die Bären suchten nach der Trennung von Matt Thomson und Nolan Redler nach zwei Imports, die sich auch in wichtigen Spielen hervortun. Mit Hast und 3:3-Torschütze Daniel Vlach, das 1:0 und das 2:2 zudem vorbereite, scheint Manager Carsten Billigmann zwei Angreifer gefunden zu haben, die diese Qualitäten mitbringen.

Dass es nach 20 Minuten noch torlos stand, störte die Zuschauer nicht. Sie sahen von der ersten Minute an eine Regionalliga-Begegnung auf hohem Niveau, die eingangs ausgeglichen verlief. Im zweiten Durchgang übernahm Neuwied die Initiative. „Wir haben den Faden verloren“, kommentierte Gästetrainer Milan Vanek, der die Unterschiede in der Chancenverwertung in den Mittelpunkt rückte: „Neuwied hat im zweiten Drittel ungefähr 15 Mal auf unser Tor geschossen und nur einmal getroffen. Bei uns waren zwei von fünf Schüssen drin.“ Fabian Hasts erster Treffer im EHC-Dress bedeutete das 1:0 (22.), das allerdings nur 62 Sekunden lang Bestand hatte. Dann überraschte Maurice Musga Felix Köllejan mit einem Befreiungsschlag aus dem Mitteldrittel, der zur Verwunderung aller hoch in den Maschen einschlug. Als Kobras-Routinier Igor Furda, vor kurzem von Oberligist Hamm zu den Giftschlagen gewechselt, in der 29. Minute nach einer abgesessenen Strafzeit aufs Eis zurückkehrte und einen von Martin Benes vorbereiteten Konter vollstreckte, waren die Eindrücke des Mittelabschnitts auf den Kopf gestellt. „Viel haben wir nicht zugelassen“, lobte Leos Sulak das Defensivverhalten seiner Spieler. Das Ärgerliche für ihn: Die Gegentreffer waren überflüssig, weil vermeidbar. Hast (42.) und Vlach (46.) glichen das Ergebnis zweimal aus, nachdem Marek Malinsky zwischenzeitlich auf 2:3 gestellt hatte (46.). Nun war alles möglich. Hüben wie drüben, in der regulären Spielzeit wie im zehnminütigen Verlängerungsspektakel mit dem Kräfteverhältnis drei gegen drei. „So eine Verlängerung ist immer ein Highlight, wenn es hoch und runter geht“, sah auch Milan Vanek zahlreiche Möglichkeit das Penaltyschießen zu verhindern. Dieses hatten die Dinslakener unter der Woche trainiert. „Somit wusste ich, wen wir anlaufen lassen und wen nicht“, schilderte der Trainer. Dominik Scharfenort lief im ersten Senioren-Shootout im Icehouse seit dem 18. Dezember 2016 zweimal an und traf zweimal, Furda netzte ebenfalls ein. Weil Hast und Stephan Fröhlich in seinem ersten Heimspiel nach der Rückkehr von seinem Auslandssemester in Finnland dann selbst Tausendsassa Schrörs bezwangen, ging’s es in die „Verlängerung“. Scharfenort legte vor, während Hast anschließend scheiterte. Die Penalty-Ära im Neuwieder Eishockey ist Geschichte. Aber trotzdem hat dieser Eishockey-Abend Lust auf mehr gemacht.

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