Der Goliath wankte gewaltig – aber er fiel nicht3:0-Führung verspielt

Der Goliath wankte gewaltig – aber er fiel nichtDer Goliath wankte gewaltig – aber er fiel nicht
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Mit Mut und Geschick brachte der Legende nach David den übermächtig erscheinenden Goliath zur Strecke. Geschichte wiederholt sich. Oft. Aber nicht immer. Dies musste der EHC Troisdorf am Wochenende schmerzlich erfahren. Dabei war man ganz nah dran, in der Rolle des Davids, den Goliath – in diesem Fall den Herforder EV – zu besiegen. Lange Zeit wankte der große Favorit gewaltig, entgegen der biblischen Vorlage allerdings fiel er dieses Mal nicht. Trotz einer zwischenzeitlichen 3:0-Führung unterlagen die Dynamites gegen die Ice-Dragons am Ende knapp mit 3:4 (3:0, 0:1, 0:3) und durften sich lediglich an der Tatsache freuen, zumindest an der Sensation geschnuppert zu haben. In Sachen Moral dürfte dies der Truppe von André Koslowski für die noch ausstehenden Aufgaben weiteren Auftrieb geben. Punkte gab es trotz guter Leistung aber dennoch keine, und so steht der EHC Troisdorf in der Pokalrunde der 1. Liga West auch weiterhin auf dem letzten Tabellenplatz.

Die Rollen für die Partie beim Herforder EV waren schon vor der Partie eigentlich klar verteilt: Auf der einen Seite der ungeschlagene Tabellenführer, der mit seinen zwei kanadischen Importspielern in seiner eigenen Liga zu spielen scheint und dem Gegner im Schnitt neun Tore pro Spiel einschenkt. Und auf der anderen Seite der Tabellenletzte von der Sieg, der bislang erst einen Dreier einfahren konnte und dann auch noch gleich auf fünf Leistungsträger (Dano Janßen, Tobias Schäfer, Constantin Nocker, Daniel Kühlem und Alexander Richard) verzichten musste. So war es dem Troisdorfer Bandenchef nicht zu verübeln, dass er schon vor der Begegnung von einer scheinbar unlösbaren Aufgabe sprach.

Dennoch waren die Dynamites keinesfalls nach Herford gereist, um die Punkte direkt am Eishalleneingang abzugeben, und auch von der imposanten Kulisse von rund 700 Zuschauern ließ sich das Team um Kapitän Lucas Hubert keinesfalls beeindrucken. Vom ersten Bully an machten die Gäste deutlich, dass man durchaus gewillt war, dem haushohen Favoriten entsprechend Paroli zu bieten. Diszipliniert und engagiert setzten die Troisdorfer Kufencracks die taktischen Vorgaben des Trainers um. Einer der Schlüssel zum Erfolg im ersten Spielabschnitt war sicherlich die Maßnahme, Herfords kanadischen Top-Scorer Killian Hutt konsequent in Manndeckung zu nehmen. Dabei zeigte insbesondere der pfeilschnelle EHC-Stürmer Max Schäfer dem Kanadier die Grenzen auf und vereitelte jegliche Angriffsversuche des Importspielers aus dem Mutterland des Eishockeys schon im Ansatz. Die Hausherren schafften es einfach nicht, ihr sonst so gefährliches Angriffsspiel aufzuziehen. Wer nun meinte, Troisdorf würde die Räume eng machen und sich ausschließlich aufs Verteidigen konzentrieren, der wurde bereits in der 7. Spielminute eines Besseren belehrt. Lucas Kürten nutzte ein Zuspiel von Mario Wonde und Lucas Hubert und brachte die Gäste früh im Spiel mit 1:0 in Führung. Für die Ice-Dragons wie auch deren Anhang eine bislang eher ungewohnte Erfahrung in der Pokalrunde. Troisdorf gab sich damit jedoch noch lange nicht zufrieden und blieb weiter am Drücker. Während die EHC-Defensive in den ersten 20 Minuten sicher stand, präsentierte sich die Offensive des Außenseiters um einiges treffsicherer als die Hausherren. Zunächst traf Sebastian Kleimann in der 13. Spielminute zum 2:0 für Troisdorf, ehe Kevin Stöhr nur eineinhalb Minuten später gar auf 3:0 erhöhte. Herford war nun sichtlich geschockt, und die Fangesänge auf der Tribüne verstummten zunächst vollständig.

Mit Beginn des zweiten Drittels wurde jedoch schnell klar, dass sich Herford trotz des deutlichen Drei-Tore-Rückstandes keinesfalls geschlagen geben wollten. Da zunächst aber auch Troisdorf seiner Linie treu blieb, lieferten sich beide Teams nun einen offenen Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. In dieser Phase des Spiels erwies sich allen voran Dominik Liesenfeld im EHC-Tor als unüberwindbar und glänzte mit mehreren spektakulären Paraden. In der 38. Spielminute war schließlich aber auch der Troisdorfer Schlussmann machtlos und dem HEV gelang in Überzahl der Anschlusstreffer.

Das Tor kurz vor der Drittelpause schien bei den Gastgebern zusätzliche Kräfte freigesetzt zu haben und die Ice-Dragons bekamen nun die bekannte „zweite Luft“. Mit Beginn der letzten 20 Minuten wurde Troisdorf ein ums andere Mal ins eigene Drittel gedrängt und hatte alle Hände voll zu tun, sich der Herforder Angriffswelle zu widersetzen. Der Druck der Gastgeber wurde von Minute zu Minute größer und das Troisdorfer Mauerwerk begann zunächst leicht zu bröckeln, um schließlich aufgrund eines Doppelschlages nahezu gänzlich einzustürzen. In der 46. und 48. Spielminute schlossen die Gastgeber zwei ihrer Konter erfolgreich ab und revidieren somit die Troisdorfer Führung. Zwar fing sich der EHC danach wieder und erspielte sich weitere sehenswerte Chancen, ein Treffer wollte dem David von der Sieg aber nicht mehr gelingen. Das Glück des Tüchtigen war in diesem Falle auf der Seite des Goliath: Neun Minuten vor dem Schlusspfiff markierte der zweite Kanadier im Dress der Ice-Dragons, Chad Evans, das 4:3 und hatte das Spiel damit endgültig zugunsten des Favoriten gedreht. Trotz weiterer guter Troisdorfer Möglichkeiten sollte sich daran bis zum Schlusspfiff nichts mehr ändern.

Somit blieben die Punkte in Herford – und den Gästen blieb zumindest die Genugtuung, den Favoriten zwar ins Wanken, aber leider nicht zu Fall gebracht zu haben. „Trotz der Niederlage kann ich stolz auf mein Team sein. Die Jungs haben heute eine beeindruckende Leistung gezeigt und hätten zumindest einen Punkt verdient gehabt“, betonte André Koslowski nach der Partie. Der Coach ist sich sicher, dass die Leistung gegen den ungeschlagenen Tabellenführer aus Herford seiner Mannschaft weiter Auftrieb für die kommenden Partien geben wird. Am Freitag, 26. Februar, wollen Koslowski und seine Schützlinge alles dran setzen, den ersten Heimsieg in der Pokalrunde einzufahren. Dann gastiert die 2. Mannschaft der Kölner Haie in Troisdorf; Anpfiff ist im Icedom in der Uckendorfer Straße um 20 Uhr.

Der Finalwahnsinn geht weiter
Herforder Ice Dragons gewinnen auch Spiel zwei gegen Hamm

​Ausverkauft! Das zweite Finalspiel der Regionalliga West zwischen den Herforder Ice Dragons und den Hammer Eisbären zog die Eishockeyfans scharenweise in die Eishal...

Erfolg gegen Löwen Frankfurt
Grefrath Phoenix ist Luchsen unterlegen

​Ein äußerst intensives und anstrengendes Wochenende liegt hinter der Grefrather EG. Mit 1200 Autobahnkilometern auf dem Tacho aber auch drei Punkten im Reisegepäck ...

Herforder EV gewinnt mit 7:2
Ice Dragons überraschen mit deutlichem Sieg in Hamm

​Auf einen Sieg in Hamm zu hoffen, war durchaus legitim, schließlich stehen die Herforder Ice Dragons nicht durch Zufall im Finale der Regionalliga West. Dass es all...

Herforder EV fieberte dem Gegner entgegen
Finalderby: Ice Dragons treffen im Finale auf Hammer Eisbären

​Nach Spielende und den Feierlichkeiten auf dem Eis starrten die meisten Verantwortlichen des Herforder EV gebannt auf den Laptop im Büro von Coach Jeff Job. Denn do...

Lauterbach trifft auf Grefrath und Bergisch Gladbach
Luchse verabschieden sich mit zwei Heimspielen in die Sommerpause

​An diesem Wochenende geht für die Lauterbacher Luchse die Saison 2018/19 mit zwei Heimspielen zu Ende. Auch gegen die Grefrather EG und die Real Stars Bergisch Glad...